• vom 23.01.2013, 19:00 Uhr

Wien

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38 Prozent aller Wiener Radfahrer fahren auch im Winter

"Im Schnee radeln ist ganz normal"


Von Christian Rösner

  • Fahrradbeauftragter: Städter müssen neu erlernen, was am Land schon immer gemacht wurde.

Die Radwegebenützungspflicht ist bei Schneelage aufgehoben.

Die Radwegebenützungspflicht ist bei Schneelage aufgehoben.Moritz Ziegler Die Radwegebenützungspflicht ist bei Schneelage aufgehoben.Moritz Ziegler

Wien. Ein Sprichwort sagt: Energie folgt Aufmerksamkeit. Und so könnte man sich eigentlich auch die Radfahrer in der Stadt erklären, wie sie sich in dieser Wintersaison scheinbar besonders zahlreich durch den Schnee kämpfen. Der öffentliche Fokus wurde in den vergangenen Monaten von der Stadtregierung schließlich stark auf diese Thematik gelenkt.

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Oder sind tatsächlich mehr Radfahrer im Winter unterwegs als sonst? Laut dem Fahrradbeauftragten der Stadt Wien, Martin Blum, ist das so. "34 Prozent der Wiener Radfahrer sind auch im Winter unterwegs, und zwar täglich oder zumindest mehrmals in der Woche - und dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren definitiv gestiegen", erklärte Blum in einem Gespräch mit der "Wiener Zeitung" am Mittwoch.

Und Blum findet daran eigentlich nichts Ungewöhnliches. "Als ich unlängst in der Steiermark am Land unterwegs war, habe ich eine 60- bis 70-jährige Frau gesehen, wie sie mit dem Rad auf einer Schneefahrbahn unterwegs war. Und das ist ganz normal, weil das hat man dort immer so gemacht. Wir in der Stadt haben das hingegen schon wieder verlernt", so Blum weiter.

Eine Frage des Bewusstseins
Es sei eben alles eine Frage des Bewusstseins. Natürlich würde man nicht im Winter mit dem Radfahren beginnen. Aber es stelle sich eine gewisse Gewohnheit ein, wenn man schon seit dem Frühjahr unterwegs ist - "da denkt man sich dann, warum soll ich nicht einfach weiterfahren?" Das sei zumindest seine Erfahrung, die sich durchaus mit vielen anderen decke, wie der Experte ausführte.

Selbst bei Schnee sei Radfahren nicht gefährlicher als sonst, schließlich würden alle Verkehrsteilnehmer bei schlechter Witterung vorsichtiger unterwegs sein. Man müsse nur behutsamer bremsen und auch darauf achtgeben, dass die Bremszüge nicht eingefroren sind. Für Anzugträger empfiehlt Blum - nach Kopenhagener Vorbild - eigene Gamaschen, damit der Schneematsch nicht die Hose dreckig macht. Die Lackschuhe müssten allerdings festerem Schuhwerk weichen.

Fußgänger-Beschwerden
Dass es in Wien mehr Radfahrer im Winter gibt, sei im Übrigen auch dem Umstand zu verdanken, dass die Schneeräumung neuerdings besonderes Augenmerk auf die Radwege legt, meint Blum.

Tatsächlich hat es in den vergangenen Tagen bei der Stadtverwaltung Beschwerden darüber gegeben, dass so manche Fußwege nicht geräumt waren, die Radwege daneben aber sehr wohl - eine neue Bevorzugung der Radfahrer gegenüber den Fußgängern vonseiten der rot-grünen Stadtregierung?

"Keineswegs. Es ist nur so, dass das hochrangige Radwegenetz vor zwei Jahren dem hochrangigen Straßennetz gleichgestellt wurde und damit auch einheitlich von der MA 48 geräumt wird. Für die Gehsteige sind hingegen die Hausverwaltungen verantwortlich, sodass es zu unterschiedlichen Räumzeiten kommen kann - was wiederum kurzfristig den Eindruck einer Ungleichbehandlung erwecken kann".

Kopenhagen 80 Prozent
Außerdem sei eine schnelle Räumung der Radwege auch deshalb so wichtig, weil die Radwegebenützungspflicht bei Schneefall aufgehoben wird und die Radfahrer im Falle nicht geräumter Radwege auf die Fahrbahnen gedrängt würden. Erfahrungen aus Kopenhagen, Münster, Freiburg und Berlin hätten das bestätigt, so Blum.

Die Wiener Stadtregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Radfahreranteil in Wien von derzeit rund 6 Prozent bis zum Jahr 2015 auf 10 Prozent zu erhöhen. In Kopenhagen und Amsterdam sind das immerhin schon 35 Prozent und in München 18 Prozent. Demnach müsste sich in Wien auch der Anteil der "Winterradler" erhöhen, der im Übrigen in Kopenhagen bei 80 Prozent und im deutschen Freiburg bei immerhin 60 Prozent liegt. Wird Wien 60 Prozent schaffen?

40 Prozent wünschenswert
"Mir ist wichtig, dass es sukzessive zunimmt und das Fahrrad zu einem ganzjährigen Verkehrsmittel wird. Generell ist im Winter eine überproportionale Steigerung zu erwarten, wenn der Gesamtanteil der Fahrräder zunimmt. Ich würde mich aber schon über eine Steigerung auf 40 Prozent freuen", so Blum. Hinsichtlich der vielen Aktivitäten im Jahr 2013, das Wien zum Jahr des Fahrrades erklärt hat - die "Wiener Zeitung" hat ausführlich berichtet - sollte das laut dem Fahrradbeauftragten eigentlich kein Problem sein.

Aber angesichts der prognostizierten minus 15 Grad am Wochenende könnte es sein, dass der erwartete Trend zum Fahrradfahren im Winter voraussichtlich noch nicht sofort in Bewegung gesetzt wird.




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Radfahren in Wien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2013-01-23 17:11:11
Letzte Änderung am 2013-01-23 17:21:41


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