• vom 27.02.2013, 11:14 Uhr

Wien

Update: 27.02.2013, 12:52 Uhr

Rad

Spielend durch die Stadt radeln




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Von Matthias G. Bernold

  • Andy Nash entwickelt innovative Verkehrskonzepte für den urbanen Raum
  • Smartphone-Spiel für mehr Miteinander im Straßenverkehr.

Volksbildender Ansatz verpackt in einem Computerspiel. - © Platogo

Volksbildender Ansatz verpackt in einem Computerspiel. © Platogo

Wien. Ein Briefträger mit Kugelbauch radelt um sein Leben. Vorbei an Lastautos und Laternenmasten, vorbei an sich plötzlich öffnenden Autotüren und Rechtsabbiegern. Kurz nur bei der roten Ampel angehalten, dann weiter durch die Stadt. Irgendwann an einer Ecke ein Alzerl zu langsam: Schon verbeißt sich der Dobermann in den Hintern des Postillions...

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Das ist - kurz gefasst - der Spielverlauf von "Grr-Grr-Bike", dem neuen Smart Phone-Game des austro-amerikanischen Stadtplaners Andy Nash. Zusammen mit der Wiener Software-Schmiede Platogo hat er das Spiel entwickelt und lädt jetzt ein, den Prototyp zu testen.

"Bei ,GrrGrr-Bike‘ begegnen die Spieler den typischen Problemen der Radfahrer im Alltag", sagt Nash, der seit mehr als 25 Jahren innovative Verkehrskonzepte für den urbanen Raum entwickelt: "Dadurch wollen wir Bewusstsein schaffen und das Zusammenleben im Straßenverkehr verbessern. Und obendrein soll das Ganze Spaß machen." (Hier ein Link zum Interview mit Andy Nash.)

Andrew Nash sucht nach neuen Wegen, Verkehrspolitik zu kommunizieren. Foto: Matthias Bernold

Andrew Nash sucht nach neuen Wegen, Verkehrspolitik zu kommunizieren. Foto: Matthias Bernold Andrew Nash sucht nach neuen Wegen, Verkehrspolitik zu kommunizieren. Foto: Matthias Bernold

Das Radfahr-Spiel mit dem dicken Briefträger ist nicht der erste Versuch von Nash, mit Hilfe eines Computerspiels Stadtplanung und Verkehrspolitik der Öffentlichkeit verständlich zu machen. Der ehemalige Geschäftsführer der San Francisco County Transportation Authority und langjährige Forscher am Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich entwickelte zuletzt im Rahmen der Initiative "Die Stadt 2020" eine Bürgerbeteiligungsplattform für den öffentlichen Verkehr. Im Zentrum des von der Technologieagentur der Stadt Wien (ZIT) geförderten Projektes stand damals das Spiel "Busmeister".

Die Game-Designer Florian Landerl und Daniel Kuales von der Wiener Software-Firma Platogo.Foto: Matthias Bernold

Die Game-Designer Florian Landerl und Daniel Kuales von der Wiener Software-Firma Platogo.Foto: Matthias Bernold Die Game-Designer Florian Landerl und Daniel Kuales von der Wiener Software-Firma Platogo.Foto: Matthias Bernold

In dieser Online-Simulation konnten sich die Spieler als Verkehrsplaner versuchen. "Der Anspruch von ,Busmeister‘ war, die Spieler mit der Komplexität des öffentlichen Verkehrs vertraut zu machen", erklärt Nash: "Die Frequenz der Busse, die Zahl der Stationen, Routenwahl haben Auswirkungen auf die Kosten und die Zufriedenheit der Fahrgäste." Leider sei bei dem ganz auf Realitätsnähe ausgelegten Game der Spielspaß zu kurz gekommen, gesteht Nash ein, weshalb es auch weniger Anhänger fand als erhofft.

Eintrittskarte zu Lobbys
Beim Fahrradspiel soll dies anders werden. Legen doch die Spiel-Gestalter von Platogo den Fokus ganz auf Action und kurzweiliges Amüsement. Seit vergangenem Oktober tüftelt das siebenköpfige Team rund um Jakob Sommerhuber, Florian Landerl und Grafiker Daniel Kuales an einem Game, das - wie Kuales erklärt - "lustig sein und einem bereits etablierten Konzept folgen sollte". Inzwischen ist der Prototyp, der entfernt an SmartPhone-Spiele wie "Zombie Highway" oder den Klassiker "Paperboy" erinnert auf Android-Telefonen spielbar und kann unter http://grr-grr-bike.herokuapp.com/ heruntergeladen werden.

Der volksbildende Ansatz ist diesmal subtiler verpackt als bei Busmeister. Etwa in Form von diskreten Links zu lokalen Interessensvertretungen für Radfahrer. "Die Fahrrad-Lobbys sind zwar nach innen gut organisiert und machen meistens sehr gute Arbeit", glaubt Nash. "Viele Menschen, die Rad fahren oder gerne mehr Radfahren würden, wissen zu wenig darüber. Das Spiel bedeutet einen niederschwelligen Eintritt, um mehr über die Tätigkeit der Lobbys zu erfahren oder um sich einzubringen."

Die für die Entwicklung notwendigen 10.000 Euro streckte Nash, der mit einer Österreicherin verheiratet ist, aus eigener Tasche vor: Damit das Spiel Marktreife erlangen kann, ist jedoch noch einmal so viel Geld notwendig. Über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo (http://www.indiegogo.com/projects/grr-grr-bike) können Menschen, denen das Projekt gefällt, für dessen endgültige Realisierung spenden.

Nochmals 10.000 Euro
"Wenn noch einmal 10.000 Euro zusammengekommen sind, legen wir los", sagt Nash. Dann soll die Grafik weiter verbessert werden, mehr Details ins Spiel eingebaut werden und etwa auch unachtsame Fußgänger den Radfahrern das Leben erschweren. Den Briefträger wird man außerdem mit Extras - besseren Fahrrädern, Reifen und dergleichen - ausstatten können und sich im Netz mit anderen Spielern vergleichen.

Auf dem Gehsteig zu fahren, ist übrigens ebenfalls möglich. "Darüber haben wir in der Vergangenheit heftig diskutiert", sagt Nash. "Momentan geht es an einer Stelle im Spiel, die Gefahr dabei ist jedoch groß, in einen Laternenmast zu krachen. Wir müssen noch schauen, wie wir in der endgültigen Fassung des Spieles damit umgehen."




Schlagwörter

Rad, Radfahren, Verkehr, Smartphone

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-02-27 11:17:04
Letzte Änderung am 2013-02-27 12:52:21


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