• vom 28.02.2017, 20:01 Uhr

Wien

Update: 01.03.2017, 11:59 Uhr

Essenszustellung

"Alle sollten mit fairen Mitteln spielen"




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    (mgb) Rita Huber, Gründerin des nach ihr benannten Zustellservices, sprach mit der "Wiener Zeitung" über faire Arbeitsbedingungen und den umkämpften Markt bei den Essenszustellern.

    "Wiener Zeitung": Was sagen Sie zu der Diskussion um die schlechte Bezahlung von Fahrrad-Boten?

    Rita Huber: Dass wir teilweise auf die selbe Ebene wie internationale Großkonzerne gestellt werden, hat mich schon sehr geärgert. Unsere acht Fahrer sind fix angestellt, die meisten für 20 Wochenstunden. Sie fahren von Montag bis Freitag. Das ist ein ganz normales Dienstverhältnis. Dafür stehe ich auch ein. Was hingegen bei Foodora und bei Uber passiert, wo viele Fahrer als Selbstständige oder Schein-Selbstständige arbeiten, ist meiner Ansicht nach eine Form von Sozialdumping und wahrscheinlich rechtswidrig. Das verzerrt auch den Markt.

    Wie viel verdienen die Zusteller bei Ihnen?

    710 brutto für 20 Stunden plus Trinkgeld, das pro Tag zehn bis zwanzig Euro ausmacht. Außerdem bekommen unsere Mitarbeiter täglich ein Mittagessen. Und die Arbeitsgeräte – das Lastenrad für den Transport und die Kleidung – stellen selbstverständlich wir zur Verfügung.

    Das ist auch nicht gerade ein üppiger Verdienst.

    Es ist nicht üppig, aber es entspricht dem Gastro-Kollektivvertrag. Und es ist jedenfalls ein anständiges Dienstverhältnis mit Urlaub, Versicherung und 14 Gehältern. Die Arbeit selbst ist auch nicht so, dass unsere Fahrer um jeden Auftrag kämpfen müssen und danach bezahlt werden. Dadurch, dass unsere Kunden spätestens am Vortag bestellen, legen wir die Touren im Vorhinein genau fest. Das bedeutet weniger Stress und geregelte Arbeitszeiten.

    Was sind die Vorteile einer Fahrrad-Fahrzeugflotte?

    Zum einen war uns von Anfang an klar, dass das Fahrrad zu unseren Grundprinzipien vegetarischer und biologischer Nahrung am besten passt. Zum anderen bewähren sich die Lastenräder (vier davon mit E-Antrieb) als Transportsystem im Alltag. In der Stadt gibt es deutliche logistische Vorteile gegenüber dem Auto, und es ist noch dazu deutlich günstiger in der Erhaltung.

    Spüren Sie die Konkurrenz durch die vielen neuen Essenszustelldienste?

    Nur peripher, weil wir eine sehr spezifische Zielgruppe ansprechen. Unser Konzept ist ganz anders aufgebaut. Ich denke, der Markt ist sehr groß und hat noch viel Ausbaupotenzial. Es sollten nur alle mit den gleichen, fairen Mitteln spielen.

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-02-28 17:14:06
    Letzte ─nderung am 2017-03-01 11:59:56



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