• vom 26.04.2017, 17:59 Uhr

Wien

Update: 27.04.2017, 11:58 Uhr

Silvia Nossek

"Abstimmung war unverantwortlich"




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Währing ist vom Einwohner-Spektrum her sehr vielschichtig: Es gibt Studierende, Familien, ärmere und reichere Grätzl, Kleingärtner und Wohlhabende im Cottage-Viertel und am äußeren Rand. Wie schafft man als Bezirksvorsteherin da einen Interessensausgleich?

Mit Augenmaß. Und mit dem Wissen, dass gerade jene Gruppen den öffentlichen Raum für ihre Mobilität und ihre Lebensqualität brauchen, die sich meist nicht so artikulieren können und nicht so gehört werden: Kinder, Jugendliche und ältere Menschen. Und indem man immer auch den größeren Zusammenhang ins Bewusstsein ruft: Ich gehe von der Prämisse aus, dass weniger Autoverkehr und weniger herumstehende Autos die Stadt lebenswerter machen. Und mich treibt die Verantwortung gegenüber unseren Kindern und Enkelkindern, dass wir alles für den Klimaschutz machen, was möglich ist - so auch die Reduktion des Autoverkehrs.

Gibt es eine Statistik darüber, welche Effekte Ihre Verkehrspolitik bisher in Währing hatte?

Nein, die gibt es nicht. Was den Grad der Stellplatzauslastung anlangt, werden wir diese im Jahr 2018 haben. Und im besten Fall werden wir in zehn Jahren feststellen, dass die Zahl der Pkw-Zulassungen in Währing zurückgegangen ist, weil immer mehr Menschen das Gefühl haben, kein eigenes Auto zu brauchen. Man kann sich auch ganz ohne Statistik einfach umschauen und sieht, was sich tut. Wenn man wissen will, wie es in Währing noch vor einem Jahr ausgesehen hat, muss man nur in den 19. Bezirk hinüberschauen - der Unterschied ist evident.

Im Cottage-Viertel gibt es neue Einbahnregelungen und Radfahren gegen die Einbahn. Viele Bewohner sind mit dem neuen Verkehrsmanagement nicht zufrieden, weil jetzt angeblich schneller gefahren wird als zuvor. Was sagen Sie dazu?

Die neue Verkehrsorganisation im Cottage war auch nicht eines meiner Lieblingsprojekte. Leider ist mir da keine andere Wahl geblieben, weil die Straßenverkehrsordnung (StVO) vorschreibt, dass eine Straße ab Unterschreiten einer bestimmten Breite als Einbahn geführt werden muss. Die StVO ist da leider sehr unflexibel. Ich finde, für Wohngegenden wie das Cottage könnte man da ruhig Unterschiede machen. Eine Modernisierung der StVO wäre in vielerlei Hinsicht dringend notwendig – derzeit ist sie noch ganz im Geist der 1970er-/1980-er Jahre vor allem auf den Autoverkehr ausgerichtet.

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Und warum musste mancherorts die Fahrbahnbreite reduziert werden?

Wir haben – etwa in der Colloredogasse – die Parkspuren aus den Grünstreifen genommen und zurück auf die Straße verlegt. Das ist notwendig, weil die Bäume hier zu wenig Platz hatten. Die Baumscheiben waren zu klein dimensioniert, um die Pflanzen ausreichend mit Wasser zu versorgen. Insbesondere in den heißen Sommern hat das die Bäume sehr gestresst. Um sie zu retten, müssen wir sukzessive den Asphalt entfernen. 

Am Anfang hat die Opposition wütend gegen Parkraumbewirtschaftung protestiert. Haben Sie den Eindruck, dass es jetzt mehr Verständnis gibt?

Bei denen, die dagegen waren, ÖVP und FPÖ, ist die Akzeptanz nicht besser geworden. Was mich verblüfft. Anscheinend sind Parkplätze immer noch die einzige Währung bei der Opposition. Ob die Schulwege sicher sind, ist ebenso zweitrangig wie die Umweltschäden oder Lärmbelastung für die Anrainer. Das traut man sich natürlich so nicht zu sagen. Aber wenn es konkret darum geht, im Bezirk mehr Platz zu schaffen, egal ob fürs Zu-Fuß-Gehen oder fürs Radfahren: Dann zählt immer nur der einzelne Auto-Abstellplatz.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-26 18:03:08
Letzte ─nderung am 2017-04-27 11:58:34



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