Heimo Karner übt einen seltenen Beruf aus. Der einzige Zitrusgärtner von Schönbrunn ist auch bei den von der Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft (ÖGG) in Zusammenarbeit mit den Bundesgärten veranstalteten Zitrustagen immer mit dabei. In der Schönbrunner Orangerie tritt bei solcher Gelegenheit jeweils auch das Österreichische Gartenbaumuseum mit einer Ausstellung von historischen Geräten auf den Plan.
"Die Besucher sind immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich der Geschmack der verschiedenen Zitrusfrüchte ist und dass alle Teile der Früchte genießbar sind", sagt Karner. Auch die absolute Lieblingsfrucht des Schönbrunner Zitrusgärtners – die "Deutsche Landsknechthose" – darf bei den im Rahmen von Führungen stattfindenden Zitrus-Degustationen probiert werden. "Über normale Handelswege ist sie nicht zu bekommen, sondern nur im Tausch mit anderen Zitrusgärtnern", erläutert Karner.
Nach den ursprünglichen Planungen unter Kaiserin Maria Theresia (1717 bis 1780) hätte die Schönbrunner Orangerie anders aussehen sollen, als sie letztendlich realisiert wurde: Ein Bau mit Mansardendach sollte – nach französischem Vorbild – im Zentrum stehen, westlich und östlich davon waren "abschlagbare" Orangenhäuser mit fix ausgepflanzten Bäumen vorgesehen.
Ein "abschlagbares" Pomeranzenhaus mit rollbaren Dachelementen hatte zuvor schon Prinz Eugen (1663 bis 1736) in seinem Garten am Wiener Rennweg ins Werk setzen lassen. Der bedeutende Vedutenzeichner und Kupferstecher Salomon Kleiner hat es für die Nachwelt festgehalten. Nach dem Abschlagen des Daches und weiterer Gebäudeteile standen die Bäume dort im Sommer unter freiem Himmel.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts dürfte es um die Schönbrunner Zitrusgewächse gar elend bestellt gewesen sein, denn im Jahr 1864 veranlasste der Hofgarteninspektor Adolph Vetter zur Rettung der Orangeriebestände im östlichen Teil des Schönbrunner Gartens die Errichtung eines speziell beheizbaren "Orangeriekrankenhauses", das nach erfolgreicher Genesung der Bäume 1874 wieder abgetragen wurde.
Heute ist man in Schönbrunn beträchtlich stolz darauf, dass sich unter den historischen Beständen etliche 180 Jahre alte Pomeranzenbäume befinden. Möglicherweise hatte man diesen Methusalems im Orangeriekrankenhaus zu nachhaltiger Gesundung verholfen.
Print-Artikel erschienen am 10. Mai 2012
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7