Wien.

Der heute 76-jährige Tenzin Gyatso hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Er wurde Anfang 1940 im Alter von vier Jahren als 14. Dalai Lama - der Linienhalter der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus - inthronisiert. Bereits im Alter von 15 Jahren übernahm er angesichts der angespannten politischen Situation auch die weltliche Führerschaft in Tibet. Nach dem Einmarsch der maoistischen Truppen in Tibet 1950 versuchte er noch, die Lage zu kalmieren - unter anderem stimmte er einem Abkommen zu, mit dem Tibet zwar innenpolitische Autonomie und Religionsfreiheit zugesichert werden sollte, aber China die außen- und wirtschaftspolitische Entscheidungsgewalt bekam. 1959 brach in der tibetischen Hauptstadt Lhasa ein Aufstand gegen die chinesischen Machthaber aus, den diese mit blutiger Gewalt niederschlugen. Der Dalai Lama flüchtete ins nordindische Dharamsala, wo seither die tibetische Exilregierung residiert. Kern seiner Politik - erst 2011 wurde er als Kopf der Exilregierung von dem Juristen Lobsang Sangay abgelöst - war es immer, mit friedlichen Mitteln die tibetische Autonomie wiederzuerlangen. 1989 erhielt er den Friedensnobelpreis.
Fischer hat keine Zeit
Der Besuch des Dalai Lama in Österreich ist wegen des gespannten Verhältnisses zwischen Tibet und China sowohl politisch wie auch sicherheitstechnisch heikel. Bereits 2007 hatte ein Empfang beim damaligen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer eine mehrmonatige diplomatische Eiszeit zwischen China und Österreich ausgelöst. Diesmal hieß es etwa aus der Präsidentschaftskanzlei, es seien - wie schon bei seinen beiden letzten Besuchen - keine Termine Heinz Fischers mit dem Dalai Lama vorgesehen. Kanzler Werner Faymann und Außenminister Michael Spindelegger wollen ihn, wie auch Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, sehr wohl treffen.
Was seine Sicherheit betrifft, so erhält er denselben Schutz wie ein Staatschef. Am Wochenende sprach er in einem Interview von Anschlagsplänen Chinas.
In Österreich leben 300 Tibeter - am 26. Mai gibt es eine Kundgebung unter dem Motto "Für Gerechtigkeit, Recht und Gewaltlosigkeit" auf dem Heldenplatz.