
Melange und Sachertorte sucht man hier vergebens, dafür gibt es Espresso, Limonade und veganes Bananenbrot, das im ganzen Lokal seinen Duft verströmt. Platz genommen wird auf Flohmarkt-Sesseln oder einer Holzbank aus dem Burgenland. Die "Kronen Zeitung" dient höchstens als Verpackungsmaterial, geschmökert wird in politischen Magazinen. Und auf den Ruf nach dem "Fräulein" oder dem "Ober" reagiert hier sowieso niemand. Diesen Gegenentwurf zum Wiener Kaffeehaus hat die Architektin Eva-Maria Trimmel, die von allen "IiF" genannt wird, aus dem Boden gestampft. Sie hat damit mitten im 2. Bezirk, nur einen Steinwurf vom Karmelitermarkt gelegen, eine Marktlücke besetzt: Denn ihre süßen Backwaren kommen oft ohne Milch, Eier oder Gluten aus - just jene Ingredienzien, gegen die immer mehr Menschen Unverträglichkeiten entwickeln.
Erst vor wenigen Jahren hat die 37-Jährige Backen als Freizeitvertreib entdeckt, sie knetete und rührte vorerst für ihren - darüber höchst erfreuten - Bekanntenkreis. Da ihnen in der Leopoldstadt ein "nettes Lokal ohne Kaffeehausmief" für Sonntagnachmittage fehlte, trafen sie sich zum Kuchenessen in den eigenen vier Wänden, bald war eine Geschäftsidee geboren, die vergangenen Sommer in die Tat umgesetzt wurde: IiF schmiss den eintönig gewordenen Job als Architektin hin und mietete das Lokal in der Hollandstraße 16. "Ich wollte nicht mit 50 überlegen müssen, wie es gewesen wäre, wenn ich es probiert hätte", erklärt sie dem "Wiener Journal". Heute trifft sich nicht nur der erweiterte Freundeskreis in ihrem Kuchenlokal, sondern dieses ist inzwischen Anlaufpunkt für Menschen aus dem Grätzel mit Appetit auf Süßes. Wobei: Inzwischen gibt es auch pikante Strudel. Und weil es auf den wenigen Tischen schon einmal eng werden kann, gibt es alles auch zum Mitnehmen.
Egal ob Cheese Cake, Apfelstreuselkuchen, Brownies: "Kuchen macht glücklich" lautet der Slogan des Lokals, ein Stück vom Glück kostet 2,50 Euro - und das, obwohl mit Bio-Eiern gebacken wird. Ansonsten wird auf biologische Nahrungsmittel verzichtet, um die Preispolitik beibehalten zu können. Das war IiF von Anfang an ein großes Anliegen, schließlich kennt sie genügend Menschen, die prekär leben - und auch die sollen es sich leisten können, nicht selbst backen zu müssen.
Es soll sensationell schmecken:
