Bevor die Donau alt wurde, überschwemmte sie die Stadt: Wenn es nach einem kräftigen Winter plötzlich taute, trat sie oft über ihre Ufer, verhinderte so eine Besiedelung ihrer umliegenden Gebiete und damit die dringend notwendige Stadterweiterung.
Bevor die Donau reguliert wurde, gab es langwierige Verhandlungen zwischen dem Staat, dem Land Niederösterreich und der Stadt Wien – Budgetüberschreitungen beim Bau inklusive. Eine lieb gewordene österreichische Tradition, die aber wahrscheinlich schon vor dem 19. Jahrhundert begründet wurde.
Augenzwinkernd und launig erzählt Jutta Duller-Mayrhofer, Redakteurin der "Yachtrevue", in diesem schmalen Band (95 Seiten) Wissenswertes und interessante Details zur Alten Donau. Unter anderem erfährt man auch, dass der "Geburtstag" der Alten Donau in der Nacht vom 15. auf den 16. April 1875 anzusetzen ist. Die Geschichten in diesem Band zeichnen dabei unterschiedliche Bilder, die doch immer wieder Wien zeigen und das Leben der Menschen, die diese Stadt durch die verschiedenen Zeitenläufe bevölkert haben. Sie alle kamen gerne an die Alte Donau. Auch unterschiedlichste Betriebe wie Färbereien, Mühlen und Werften siedelten sich hier an. Später kam die Lustschifffahrt, enstanden Kleingartensiedlungen, gingen die Badegäste ins Gänsehäufel. Außerdem lag an der Alten Donau die Wiege des Segel- und des Rudersports in Österreich. Zahlreiche Fotografien runden die Geschichte der Alten Donau ab, die heute ein Synonym für Sommer, Sonne und Entspannung, aber im Winter auch der größte Wiener Eislaufplatz ist.
Das eine oder andere Mal wird aus der überschwänglichen Liebe der Autorin zu diesem Gestade allerdings eine kleine Werbebroschüre, wenn sie aufzählt, welche Betriebe ihre Dienstleistungen, welche Gasthäuser ihr Essen anbieten. Insgesamt bekommt der Leser mit der Lektüre dieses Bandes einen guten Einblick in die Entstehung des Freizeitparadieses und in die Bedeutung, die es für die Wiener Bevölkerung immer schon hatte.
Judith Duller-Mayrhofer: Die Alte Donau. Auf Sommerfrische in der Stadt. Metroverlag, 2012. 12 Euro