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Update: 06.09.2012, 09:53 Uhr
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Wien Museum zeigt "Werkbundsiedlung Wien 1932" - ein Manifest des neuen Wohnens

Wohnen im Denkmal


Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Der 80. Geburtstag und die abgeschlossene Sanierung der Werkbundsiedlung in Lainz sind Anlass einer Ausstellung des Wien Museums über ein Konzept, das in einer Reihe europäischer Präsentationen von Wohnbaumodellen im Jahr 1932 steht. Außerdem hat die Diskussion um diese spezielle Siedlung ab 1950 nie aufgehört, da Josef Frank und Planer Otto Neurath eine besondere Lösung ohne die Doktrin der strengen Konzepte der Moderne durchsetzten. Mit Adolf und Walter Loos, Ernst Plischke, Josef Hoffmann, Oskar Strnad und Margarete Schütte-Lihotzky war aber die Wiener Avantgarde der Architekten dabei, aus dem Ausland Hugo Häring, André Lurçat, Gerrit Rietveld und Richard Neutra.

Ausstellungsplakat für die Werkbundsiedlung aus dem Jahr 1932. Als Inbegriff für neues Wohnen für die Mittelschicht scheiterte das Projekt.

Ausstellungsplakat für die Werkbundsiedlung aus dem Jahr 1932. Als Inbegriff für neues Wohnen für die Mittelschicht scheiterte das Projekt.© faksimile digital und die Auftraggeber / Peter Kainz Ausstellungsplakat für die Werkbundsiedlung aus dem Jahr 1932. Als Inbegriff für neues Wohnen für die Mittelschicht scheiterte das Projekt.© faksimile digital und die Auftraggeber / Peter Kainz

Wohnen mit Sonne, Licht und Luft
Die Forderung nach "Glücksmaximum" und Wohnen als Rückzug von der Arbeitswelt zur Erholung, weg von den kleinen Einheiten des Existenzminimums, unter Einbeziehung von Sonne, Luft und Licht, richtete sich gegen die großen Gemeindebauburgen der Stadt Wien, doch schon 1938 ging die von der Genossenschaft Gesiba errichtete Mustersiedlung in deren Besitz über. Aus Eigentum wurde Miete, die anfangs eher grellbunte Bemalung musste einer reduzierten weichen und ein Teil der Bewohner aus dem Mittelstand wurden vertrieben.

Information

Ausstellung
Werkbundsiedlung
Wien 1932
Wien Museum
bis 13. Jänner

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1945 wurden sechs Häuser und das in die Planung einbezogene Mobiliar zerstört. Die Utopie der kleinen Wohneinheiten mit Garten am Stadtrand war aber vor allem für die acht Wochen Ausstellung publikumswirksam - da es eine damals in ganz Europa populäre Leistungsschau war. Durch die Wirtschaftskrise herrschte jedoch Geldknappheit, so wurden nur 14 Häuser verkauft, der Rest vermietet. Propagiert als "größte Bauausstellung Europas" nach der Weißenhofsiedlung in Stuttgart, war in Wien alles etwas anders, denn in der weiteren Werkbundschau in Prag konnten sich nur noch großbürgerliche Bewohner die Einzelbauten leisten.

Die Kuratoren und Autoren des Kataloges fanden heraus, dass es sich bei den Käufern um Beamte, Angestellte, Ingenieure, Künstler und Architekten sowie einige Handwerker handelte, Arbeiter konnten sich das Angebot auch in Miete nicht leisten und es entsprach wohl auch nicht ihren ästhetischen Empfindungen.

Die Ausstellung hat nach den stark inszenierten Fotos von 1932 ein Bibliothekszimmer rekonstruiert und viele schöne Sesselbeispiele abwechslungsreich neben einem neuen Gesamtmodell, Fotos, Plänen und den wunderbaren Dekorstoffen von Josef Frank versammelt. Dieser flexibel einsetzbare neue Hausrat kam aus kleinen Betrieben rund um die Architekten. So manches Stück oder Textil entspricht durchaus heutigem Geschmack; kein Wunder, sind doch auch Stahlrohrmöbel Marcel Breuers neben leichten Bugholzstücken der Firma Thonet dabei.

Würfelsiedlung und Zwergenhäuser
Obwohl Josef Frank das Individuelle keineswegs aussparte, nur allzu bürgerlichen Kleinstand ablehnte, und auch die Tradition nicht rigoros ausklammerte wie der Rest der Modernen, sprach die Kritik neben positiven Bemerkungen auch von "Würfelsiedlung" oder "Musterkolonie von Zwerghäusern".

Der Ort Lainz war für Frank Plan B, denn 1929 sollte die Werkbundsiedlung noch am Wienerberg gebaut werden, doch standen dort bereits größere Wohnbauten - die Disposition in die grüne Wiese gab mehr her für den Modellcharakter des neuen Konzepts. Selbst Plakate, teils von Grafikerstar Josef Binder - er entwarf den Meinlmohr -
zeigen die stärker ästhetische als praktische Ausrichtung. Weshalb die Kuratoren auch realistisch betonen, dass es sich um die "Ausstellung einer Ausstellung" und nicht einer Siedlung handelt.

Die Vorstellung vor einer weißen Architektur zu stehen wie heute, wird hier neben anderen Mythen um das Projekt revidiert.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-05 16:06:08
Letzte Änderung am 2012-09-06 09:53:22


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