• vom 13.05.2013, 18:16 Uhr

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Update: 14.05.2013, 12:50 Uhr

Lange Nacht der Kirchen

Kirche fasst heißes Eisen an




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Von Bernd Vasari

  • Umstrittenes Thema "Asyl" steht im Mittelpunkt der Langen Nacht der Kirchen am 24. Mai
  • 3000 Veranstaltungen sollen negativem Image der Kirche entgegenwirken.

Noch nicht vergessen seien die Ereignisse in der Votivkirche, so Superintendent Lein. - © apa/Hochmuth

Noch nicht vergessen seien die Ereignisse in der Votivkirche, so Superintendent Lein. © apa/Hochmuth

Wien. Die Kirche kämpft bereits seit Jahrzehnten mit ihrem Negativ-Image: ungemütliche und kalte Kirchen, langweilige Gottesdienste, Missbrauchsskandale. Dieses Image manifestierte sich in stetig wachsenden Kirchenaustritten. Lange Zeit schien man nicht zu wissen, wie man diesem Image entgegentreten konnte. Nun scheint die Kirche mit dem Thema "Asyl" ein Steckenpferd gefunden zu haben und greift dies bei der neunten Ausgabe der "Langen Nacht der Kirchen".

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Und setzt dabei auf die ureigenstens Wurzeln des Christentums: Die Kirche gibt den Verfolgten Asyl. So war es auch bei der monatelangen Besetzung der Votivkirche durch Flüchtlinge. Die Kirche nahm die Asylwerbenden auf. Die Ereignisse dort seien "noch längst nicht vergessen und in keiner Weise bewältigt", betonte der evangelische Superintendent Hansjörg Lein am Montag.

Eine Vielzahl von Veranstaltungen wird sich demnach in der Langen Nacht genau um dieses Thema drehen; der Umgang und das Leben von Flüchtlingen ist Thema etwa im Dokumentarfilm "Wadim", der im Club Stephansplatz gezeigt wird.

Wadim K. wächst in Deutschland auf, spricht Deutsch, hat deutsche Freunde, dennoch wird sein Asylantrag und der seiner Familie abgelehnt. Am Abschiebungs-Abend schneidet sich seine Mutter die Pulsadern auf und sein Vater landet in Untersuchungshaft. Wadim K. wird alleine abgeschoben, später nimmt er sich selbst das Leben. Die anschließend zum Dokumentarfilm stattfindende Podiumsdiskussion geht der Frage eines gerechten und menschenwürdigen Umgangs mit Migration und Asyl nach.

Menschen, die aus Überlebensangst nach Österreich kommen, sollen freundlich empfangen und nicht abgewiesen werden, sagt Lein. Der Fremde hat das Recht aufgenommen zu werden, fährt er fort, dieses Recht sei auch schon immer in der Bibel verankert gewesen. Ihm ist bewusst, dass viele Teile der Gesellschaft das anders sehen. Deswegen soll die Kirche "ihre prophetische Stimme erheben und der Gesellschaft ins Gewissen reden", so der evangelische Superintendent.

Mehr als 730 Kirchen in ganz Österreich werden in dieser Nacht von 18 bis 1 Uhr ihre Türen öffnen. In rund 3000 Veranstaltungen soll neben dem Asylthema auch das Verhältnis von Wissenschaft und Religion, Seelsorge im Strafvollzug und Missbrauchsprävention beleuchtet werden.

Einigkeit unter den 16 christlichen Richtungen des ökumenischen Rates soll bei der Langen Nacht auch demonstriert werden. Dass dies nicht immer einfach ist, beweist schon die Programmgestaltung wie die Performance des Seilkünstlers Christian Waldner, der am selben Abend in rund 60 Meter Höhe zwischen den zwei Türmen des Stephansdoms balancieren wird. Dass mit dem Drahtseilakt - der von der Kirche ablenken würde - nicht alle Kirchen glücklich sind, kommentiert Dompfarrer Toni Faber als "geistliche Eifersucht".




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Dokument erstellt am 2013-05-13 19:20:04
Letzte Änderung am 2013-05-14 12:50:19



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