• vom 04.02.2014, 17:51 Uhr

Service

Update: 05.02.2014, 09:12 Uhr

Baumkataster

Wiens digitalisierte Bäume




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Stephanie Schüller

  • 70.000 Bäume in Wien haben einen Chip - eAward für Wiener "Baumkataster"
  • Das neue System soll Gefahren wie fallendes Baumgut vermeiden.

Mit einem Handheld (s. Bild) und einem Tablet werden die Bäume samt Chip mit grüner Markierung beobachtet.

Mit einem Handheld (s. Bild) und einem Tablet werden die Bäume samt Chip mit grüner Markierung beobachtet.© stadt wien/wiener wohnen Mit einem Handheld (s. Bild) und einem Tablet werden die Bäume samt Chip mit grüner Markierung beobachtet.© stadt wien/wiener wohnen

Wien. Wien versieht seit einigen Jahren nicht mehr nur seine Haustiere mit elektronischen Chips, sondern auch seine Umwelt. Genauer gesagt, Wiens Bäume. Gefahren wie herabfallenden Ästen von morschen Pflanzen soll so vorgebeugt werden. Insgesamt 70.000 Bäume, die am Areal der Wiener Gemeindebauten wachsen, werden von Wiener Wohnen betreut und sind im sogenannten "Baumkataster" erfasst. Seit 2007 gibt es eine Datenbank für die Bäume und ihre Eigenschaften, seit vergangenem Jahr funktioniert die Übermittlung online.

Bisher wurden die Eigenheiten und Daten der Bäume mithilfe eines Handhelds, eines tragbaren, elektronischen Geräts mit Stromversorgung über Akkus oder Batterien, erfasst und dann in eine Datenbank eingegeben. Mittlerweile arbeiten die Kontrolleure zusätzlich mit Tablet-Computern, mithilfe derer die Daten direkt online an die zentrale Datenbank von Wiener Wohnen übermittelt werden können. "Dadurch reduzieren sich die Fehlerquellen", erklärt Markus Stradner, Unternehmenssprecher von "Wiener Wohnen". Die Sicherheit der Mieter soll so weiter erhöht werden.


Denn: "Laut Gesetz haftet der Besitzer für alle Schäden, die ein morscher oder kranker Baum verursacht", erklärt Wiens Wohnbau-Stadtrat Michael Ludwig. Deshalb werden Bäume regelmäßig in Bezug auf ihr Gefahrenpotenzial kontrolliert. Mit der neuen mobilen Lösung zur regelmäßigen Kontrolle der Bäume sollen potenzielle Gefahren aufgrund schadhafter Bäume, etwa durch herabfallende Äste, auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Wiener Wohnen setzt den Kataster bei allen Bäumen ein, die in seinen Verantwortungsbereich fallen. Der Baumkataster ist ein IT-System, das mit einem Geoinformationssystem gekoppelt ist. In regelmäßigen Abständen sind sieben bis zehn Experten unterwegs, um die Bäume auf Auffälligkeiten zu kontrollieren. Die Identifizierung der Pflanzen gelingt mit Hilfe von RFID-Transpondern - Chips, die direkt an den Bäumen angebracht sind. Das Problem hierbei: Da die Bäume wachsen, können auch die Chips einwachsen und müssen gegebenenfalls ausgetauscht werden. Denn nur bis zu drei Zentimeter eingewachsene Chips kann man orten, alles andere ist laut Stradner zu tief. Die Informationen werden vor Ort elektronisch erfasst und dann online an die zentrale Datenbank weitergeleitet.

Jedes Jahr werden 1500 Bäume durch neue ersetzt
Zum Identifikations-Profil eines Baumes zählen der Baumtyp, das Alter, die Höhe, der Kronendurchmesser, das Umfeld des Baumes, der Stammumfang sowie mögliche Schäden. Ist ein Baum krank oder muss er ausgetauscht werden, können entsprechende Maßnahmen so umgehend eingeleitet werden. Laut Stradner werden jedes Jahr 1500 Bäume durch neue ersetzt. Ein kranker oder toter Baum muss dabei immer durch einen neuen Baum derselben Art ersetzt werden. Am häufigsten werden Kiefern, Birken, Linden, Robinien und Buchen gesetzt.

Doch zahlt sich dieser Aufwand aus? Und können Unfälle wirklich vermieden werden? "Wir hatten seit 2007 keine Fälle von Schadensersatzforderungen und Ähnlichem mehr", zieht Sprecher Stradner zufrieden Bilanz. Allerdings kann er auch keinen Schadensfall vor 2007 nennen. In Niederösterreich habe es einen Vorfall gegeben, als Menschen von einem herunterfallenden Ast verletzt worden seien. Berühmtestes Beispiel sei Ödön von Horvath, der von einem herunterfallenden Ast erschlagen wurde. Doch selbst das sei in Paris gewesen.

Das Aufsetzen des Systems sei teuer gewesen, den genauen Preis will er nicht nennen. Theoretisch könnten auch Privatpersonen auf solche Systeme zurückgreifen, doch: "Es ist eher für Institutionen mit einer großen Anzahl von Bäumen geeignet", so Stradner. Für die neue Online-Lösung zeichnete eine Jury CSC und Wiener Wohnen mit dem eAward aus. CSC ist ein internationales Unternehmen, das sich auf IT-gestützte Businesslösungen und Dienstleistungen spezialisiert hat. Der
eAward zeigt die Möglichkeiten von Informationstechnologie bei der Neugestaltung von Geschäftsprozessen auf. Ausgezeichnet werden dabei Projekte, Services und Produkte mit IT-Bezug und hohem Nutzen für die Kunden.

Josef Neumayer, Direktor von Wiener Wohnen: "Mit dem ‚Baumkataster‘ ist einerseits die Sicherheit der Bewohner auf einem hohen Niveau gewährleistet. Andererseits können dadurch die Bäume in den Wiener Gemeindebauten noch besser erhalten werden." Denn die ausgedehnten Grünflächen würden zur hohen Lebensqualität der Mieter beitragen.




Schlagwörter

Baumkataster

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-02-04 17:26:04
Letzte nderung am 2014-02-05 09:12:29





Werbung


Werbung