• vom 27.03.2014, 06:00 Uhr

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Von Christian Rösner

  • Die Volkshochschulen haben einen Imagewandel vollzogen und übernehmen mittlerweile Kurse für das AMS.

Volkshochschulen werden zur "Qualifikationsmaßnahme".

Volkshochschulen werden zur "Qualifikationsmaßnahme".© VHS Volkshochschulen werden zur "Qualifikationsmaßnahme".© VHS

Wien. Die Zeiten, in denen man in den Wiener Volkshochschulen Kurse wie "Kreative Holzbearbeitung mit Kettensägen" oder "Töpfern leicht gemacht", beziehungsweise "Stricken für Fortgeschrittene" besuchen konnte, scheint endgültig vorbei zu sein. Mit der Umwandlung vom Verein in eine GmbH im Jahr 2008 und der bundesweiten Initiative Erwachsenenbildung seit 2012 wurden die Wiener Volkshochschulen einem Facelifting unterzogen, das sie weg vom verstaubten Vorstadtverein hin zu einer modernen Bildungseinrichtung bringen sollte.

"Neben der Strukturreform haben wir unsere Bildungsarbeit darauf fokussiert, Personen zu helfen, die schlecht qualifiziert sind, die keine oder niedrige Bildungsabschlüsse haben", erklärt der Geschäftsführer der Volkshochschulen Wien, Mario Rieder, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dabei sind natürlich Angebote im Freizeit- oder Lifestyle-Bereich ein wenig in den Hintergrund gerückt - und etwa Esoterik- oder Sportkurse komplett aus dem mit öffentlichen Geldern finanzierten Programm gestrichen worden. Der Schwerpunkt lautet nun: Qualifikation, Bildungsabschlüsse, Jugendliche, Integration. "Das andere sind ergänzende Angebote, die im Sinne der Lebensqualität in dieser Stadt zusätzlich angeboten werden", so der VHS-Chef.



18.000 vom AMS geschickt
Stolz ist Rieder auf die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice Wien (AMS). "Wir machen seit einem Jahr das Clearing aller Personen, die vom Arbeitsmarktservice Wien in Deutschkurs-Maßnahmen geschickt werden", so Rieder. Das heißt, die Volkshochschulen übernehmen im Auftrag des AMS die Einstufung und Beratung von rund 18.000 Personen im Jahr und vermitteln sie dann an die entsprechenden Kursträger weiter. "So etwas ist natürlich nur auf Basis einer entsprechenden Struktur möglich, für die wir die vergangenen Jahre gearbeitet haben", meint Rieder.


Auch bei der Preis- und Ermäßigungspolitik in Form von Rabatten hat sich laut Rieder einiges verändert. Wurden früher Ermäßigungen willkürlich vergeben, so ist mittlerweile der soziale Status ausschlaggebend, ob man in den Genuss einer Vergünstigung kommt. "Alle Mobilpassbesitzer in Wien - das sind rund 100.000 Personen - können jede Unterrichtseinheit in jedem beliebigen Kurs um jeweils einen Euro besuchen", so Rieder. Die regulären Preise bewegen sich laut dem VHS-Geschäftsführer durchschnittlich zwischen 5 und 12 Euro pro Stunde.

VHS als Steuerungselement
"Die Volkshochschulen sind mittlerweile zum zentralen Steuerungs- und Angebotselement des Qualifikationsplans geworden", erklärt Tanja Wehsely, die für die politische Koordination dieser Initiative verantwortlich ist. Der Wiener Qualifikationsplan ist eine gemeinsame Strategie aller relevanten arbeitsmarktpolitischen Verantwortungsträger, um den Anteil an Personen, die nicht mehr als die Pflichtschule abgeschlossen haben, bis 2020 merkbar zu reduzieren.

Und laut Wehsely konnten die VHS seit 2012 rund 1200 Kursplätze im Bereich Hauptschulabschluss und rund 2500 Kursplätze im Bereich Basisausbildung zur Verfügung stellen. Das sind insgesamt rund 3700 Kursplätze, die unter anderem über das AMS gelaufen sind. Damit wurden österreichweit nahezu die Hälfte aller Teilnehmer beim Nachholen des Pflichtschulabschlusses unterstützt.

Im Rahmen der bundesweiten Initiative Erwachsenenbildung haben in den vergangenen zwei Jahren österreichweit insgesamt 5800 Menschen ihren Pflichtschulabschluss nachholen können. Die Stadt Wien hat dafür 8,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, die vom Bund verdoppelt wurden. Gemeinsam mit dem Unterrichtsministerium sind aus diesen Mitteln mehr als 60 Lehrgänge an den Volkshochschulen finanziert worden. Über eine Fortführung der Initiative für die nächsten zwei Jahre wird gerade verhandelt.

"Das Besondere an den Lehrgängen in den VHS ist das umfassende begleitende Betreuungsangebot. Dazu kommt ein integriertes Gesamtkonzept, welches das Lernen und die Übergänge im Bereich der Basisausbildungs- und Hauptschulabschlusskurse so nahtlos und flexibel wie möglich gestaltet", sagt VHS-Chef Rieder.

Rund um die Kurse gibt es auch Beratungen durch Sozialarbeiter für den weiteren Bildungs- und Berufsweg. Zusätzlich werden - hauptsächlich für das AMS Wien - Brückenkurse angeboten. "Das ist die Verbindung zwischen Basisbildungsangeboten und dem Hauptschulabschluss. Das heißt, wenn jemand etwa in Englisch oder Deutsch noch nicht so gut ist, kann man mit diesen Kursen im wahrsten Sinne des Wortes die Brücke zum endgültigen Hauptschulabschluss schlagen", erklärt wiederum die Sprecherin der VHS, Daniela Lehenbauer.

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Dokument erstellt am 2014-03-26 15:53:08
Letzte nderung am 2014-03-26 16:38:18




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