• vom 10.05.2017, 17:17 Uhr

Service

Update: 10.05.2017, 17:36 Uhr

Softwareentwickler

"Tausende IT-Stellen sind unbesetzt"




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief





Wie leicht ist es in Österreich Investoren zu finden?

Für Gründungen bekommt man etwas Geld für die Early Stage Phase. Wir haben Fonds wie die Speedinvest oder die i5invest, die halt die ersten paar hunderttausend Euro geben. Aber die Anschlussinvestition - diese drei, fünf, zehn Millionen - die bekommt man in Österreich nicht so leicht. Da will der Investor dann, dass man seinen Standort nach Palo Alto, London oder sonst wo hin verlegt.

Woran liegt es, dass es an großen Investoren in Österreich mangelt. Ist es fehlende Risikobereitschaft, fehlendes soziales Verständnis, oder fehlender Geschäftssinn?

Wir haben in Österreich diese Gemütlichkeit. Das hat viele Jahre gut funktioniert, weil wir von Ost- und Südosteuropäischen Ländern umgeben waren, die Entwicklungsländer waren und zum Teil noch sind. Im Vergleich zu denen hatten wir immer einen Wettbewerbsvorteil. Deshalb ging es uns immer gut, die Wirtschaft hat geboomt, eine Zeit lang waren wir was das Wirtschaftswachstum betrifft bessere Performer als Deutschland und die Schweiz. Das Problem ist, dass sich durch die Digitalisierung extrem viel verändert hat. Und Österreich hat diese Veränderungen nicht immer mitgemacht. Das liegt daran, dass unsere Konzerne und unsere Politik nach wie vor von einem Old Boys Club geführt werden. Damit kämpft jeder fortschrittliche Politiker tagtäglich, damit kämpft jeder, der ein Start-up gegründet hat und jeder, der in einem Unternehmen etwas bewegen will. Es gibt nach wie vor diesen extremen Nepotismus, der von Männern über 55 orchestriert wird, die in einem Konflikt mit dem Fortschritt stehen. Das ist das, was alles aufhält, das ist das, was die Sozialpartner aufhält, sich weiterzuentwickeln, das ist das, was die Bildungsreform aufhält, Politiker aufhält und Unternehmen davon abhält sich neu zu entwickeln.

Und sie davon abhält, den Big-Data-Architekten in Österreich zu finden. Wo können Unternehmer den jetzt eigentlich finden?

In der Schweiz, in Israel, in den USA, zum Teil in Großbritannien, in China und in Japan.

Kann man solche Leute nicht doch irgendwie selbst heranbilden?

Von den bestehenden Ausbildungsinstitutionen sehe ich noch die größten Chancen in den Fachhochschulen, die sich sehr schnell weiterentwickeln. Die haben schon Kurse, die in die Richtung gehen und bereiten Kurse vor, die genau diese Kompetenzen ausbilden. Es wären aber auch private Institutionen notwendig, die sich auf Nischenthemen konzentrieren und genau das unterrichten. Für Firmen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie nehmen jemanden, der fix und fertig ausgebildet ist, oder sie bilden selber aus. Letzteres wäre naheliegend, nur ist es extrem aufwendig, dauert eine Zeit und kostet.

Worin besteht der Anreiz für Softwareentwickler und Unternehmer, auf We Are Developers zu setzen?

Das größte Problem für Firmen ist, dass es extrem aufwendig ist, Softwareentwickler zu rekrutieren. Unter diesen sind wiederum mehr als 70 Prozent bereit, den Job zu wechseln, aber nur knapp 10 Prozent sind aktiv auf der Suche. Wir haben eine Internet-Plattform entwickelt, die wir auf der "We Are Developers"-Konferenz einweihen werden. Das ist eine Art Tinder für IT-Rekrutierung, also nicht wie klassische Jobplattformen, wo der Entwickler Job-Anzeigen durchforsten muss, oder wo das Unternehmen Lebensläufe durchsehen muss. Wir haben uns als Ziel gesetzt, nur die fünf Prozent der besten IT-Arbeitgeber der Welt auf diese Plattform zu lassen und auf der anderen Seite die fünf Prozent der besten IT-Developper.

Wie bestimmen Sie, wer dazu gehört?

Unternehmen müssen bestimmte Kriterien erfüllen, was Gehaltsniveau, Arbeitskultur, Teamspirit usw. betrifft. Auf der anderen Seite müssen die Entwickler Tests absolvieren, sie werden zudem intensiv befragt nach verschiedenen Kriterien wie Gehaltsvorstellungen, Vorlieben der Arbeitsstätte, Fähigkeiten, Vollzeit oder Teilzeit. Es ist ein rigoroser Angleichungsprozess, damit die richtigen Leute zu den richtigen Unternehmen finden.

Zur Person

Benjamin

Ruschin

ist Geschäftsführer der "We Are Developers"-Konferenz. Vor einem Jahr schaffte es der Ökonom in die Liste der Top 30 unter 30 des Forbes Magazins.

zurück zu Seite 1




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-10 17:24:08
Letzte Änderung am 2017-05-10 17:36:07




Gebührenerhöhung

Parkscheine können jetzt umgetauscht werden

20161201Parkscheine - © APAweb/Georg Hochmuth Wien. Mit dem neuen Jahr wird das Parken um 5 Prozent teurer, um genau 0,05 Euro je halbe Stunde. Damit zahlt man 1,05 Euro... weiter






Werbung


Werbung