• vom 19.05.2017, 19:29 Uhr

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Update: 22.05.2017, 10:45 Uhr

Betrug

Leid und Luxus




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Von Daniel Bischof

  • Während Enkeltrickbetrüger ein protziges Leben führen, haben Opfer mit finanziellen und psychischen Probleme zu kämpfen.

Die Freude über den Anruf des vermeintlichen Verwandten währt nicht lange. - © Getty Images/Westend61

Die Freude über den Anruf des vermeintlichen Verwandten währt nicht lange. © Getty Images/Westend61

Wien. Sie sind Profis. Sie sind skrupellos. Sie sind reich. Seit Jahren verursachen Enkeltrickbetrüger im deutschsprachigen Raum Vermögensschäden in Millionenhöhe. Gezielt rufen sie Senioren an und geben sich als deren Verwandte aus. Im Glauben, dem vermeintlichen Angehörigen zu helfen, händigen die Senioren den Betrügern oft all ihr Erspartes aus. Mit dem erbeuteten Geld führen die Täter ein verschwenderisches Leben. Aus Luxus-Appartements tätigen sie laut der Fachzeitschrift "der Kriminalist" ihre Anrufe. Auf Festen protzen sie mit ihrem Reichtum. Im Internet kursiert ein Video, das eine Hochzeitsfeier von Mitgliedern einer mutmaßlichen Verbrecherbande zeigt. Das Brautpaar fährt in einem Lamborghini vor. Eine Kameracrew filmt von einem Helikopter aus. Kaviar, Austern und feinster Champagner sind bei der Fete in einem Warschauer Luxushotel reichlich vorhanden. Während die Täter das Geld verprassen, leiden die Opfer unter finanziellen und psychischen Problemen.

"Das Gefühl der Sicherheit und Unversehrtheit, dass die Menschen vorher hatten, ist erschüttert", sagt Brigitte Weber, Betreuerin bei der Opferschutzorganisation "Weisser Ring". Dabei seien Senioren ohnehin schon eine risikogefährdete Gruppe. "Weil sie körperlich beeinträchtigt sind, brauchen sie länger, um sich zu erholen. Manchmal kommen sie gar nicht mehr auf die Beine und ziehen sich zurück. Sie haben Angst, wieder zum Opfer zu werden, können nicht mehr alleine wohnen und gehen in eine betreute Wohnanstalt."

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Auch mit Existenz- und Kontaktängsten, Schlafstörungen, Stress und Konzentrationsschwierigkeiten haben die Betrogenen laut Weber oft zu kämpfen. "Der psychologische Druck, den die Täter aufbauen, führt bei den Opfern zu akuten Belastungsreaktionen." Das Opfer müsse deshalb entlastet werden, sich jemanden anvertrauen können. Als Betreuerin kläre sie die Opfer darüber auf, dass es sich um normale Reaktionen auf ein unnormales Ereignis handle. Falls Angehörige vorhanden seien, sollte man sie in die Nachbetreuung einbinden. Weiters könne man das Opfer etwa durch die Übernahme der Monatsmiete unterstützen.

Gefühl, gebraucht zu werden
Erfolgreich sind die Täter unter anderem, weil sie bei den Opfern ganz bestimmte Emotionen und Gefühle wecken. "Durch diesen Kontakt haben die Opfer das Gefühl, wieder gebraucht zu werden, jemandem helfen zu können. Sie haben das Gefühl, wieder einen Wert zu haben", erklärt Weber.

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Dokument erstellt am 2017-05-19 17:36:05
Letzte Änderung am 2017-05-22 10:45:07



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