• vom 24.12.2005, 11:24 Uhr

Stadtleben


Wiener Krippenspaziergang

Woher kommen Ochs & Esel?




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Von Werner Grotte

  • Rund 200 Kirchen-Krippen in Wien.
  • Tradition reicht ins Jahr 1222 zurück.
  • Wien. Alle rund 200 Wiener Pfarr-, Kloster- oder Filial-Kirchen sind spätestens heute mit einer Krippe geschmückt. Doch woher kommt der Brauch?

Kirche Maria am Gestade: Frater Leitgöb mit den fast lebensgroßen Figuren. grotte

Kirche Maria am Gestade: Frater Leitgöb mit den fast lebensgroßen Figuren. grotte Kirche Maria am Gestade: Frater Leitgöb mit den fast lebensgroßen Figuren. grotte

Historisch gesichert ist, dass Franz von Assisi zu Weihnachten 1222 die erste Darstellung der Geburt Jesu nachstellen ließ - in einem Stall des kleinen italienischen Klosters von Alverna, mit lebendigen Ochsen und Eseln. Seine Intention lag in der Rückbesinnung auf die Wurzeln des Glaubens.

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Ab dem 16. Jahrhundert verbreiteten dann die Jesuiten im Rahmen ihrer internationalen Missionstätigkeit die weihnachtliche Krippen-Tradition über alle fünf Kontinente, wo sie meist durch lokale Stilelemente ergänzt wurden.

"Wir haben Inuit-Krippen mit Fellkleidung, eine afrikanische Heilige Familie mit schwarzer Hautfarbe, eine Geburtsszene in einem Fischerboot am peruanischen Titicacasee und daneben Alpenländisches Stilleben", erzählt die Wiener Diözesankonservatorin Hiltigund Schreiber, deren Mann eine der größten Krippensammlungen Europas zusammengetragen hat.

Die in europäischen Breiten beliebte "Betlehem-Szene" wurde vor allem durch die künstlerische Stilprägung der sogenannten "Nazarener" im 19. Jahrhundert landläufig.

Wo steht die Schönste?

Ausgerechnet der Wiener Stephansdom hat eine sehr kurze Krippentradition: Nach den Zerstörungen im zweiten Weltkrieg gab es jahrzehntelang keine echte "Hauskrippe". Kirchenmeister Franz Weinwurm setzte dem schließlich ein Ende und erwarb vor fünf Jahren im Antiquitätenhandel eine geschnitzte Tiroler Holz-Krippe aus 1842.

"Anders als in den meisten Kirchen stehen die Heiligen Drei Könige bei uns jetzt schon an einem Nachbaraltar neben der Krippe und wandern quasi bis zum 6. Jänner Richtung Heilige Familie", verrät Weinwurm. Ein ganz besonders beeindruckendes, von dem Wiener Historienmaler Josef Kastner 1896 geschaffenes Krippen-Szenario sieht man in der Kirche Maria am Gestade: "Wir haben drei verschiedene Szenen, von der Geburt Christi über den Besuch der Heiligen Drei Könige bis hin zur Jugend Jesu als Tischlergeselle bei seinem Vater Joseph", erzählt Redemptoristen-Frater Martin Leitgöb. So werden die bis zu 60 Zentimeter großen Figuren nicht nur am 6. Jänner, sondern auch zu Maria Lichtmess (2. Februar) völlig ausgetauscht. Die Kulisse wurde heuer komplett restauriert.

Internationales Flair

Die aus den 1920er-Jahren stammende Krippe der ehemaligen "Russenkirche" in Wien-Donaustadt steht nun in der vor fünf Jahren neu erbauten "Donau City Kirche" ("Christus Hoffnung der Welt"), einer Filiale der Pfarre Kaisermühlen im Schatten des Donauturmes.

"Nachdem die Russenkirche nun der Glaubensgemeinschaft der Kopten gehört, haben wir die Krippe mitgenommen", sagt Pater Albert Gabriel, der sich durch die Gründung der Notschlafstelle "Gruft" in Wien-Mariahilf 1988 einen Namen machte. Der Kontrast der Krippe zum modernen Beton-Glasbau fasziniert besonders die vielen UNO-Mitarbeiter aus China, Afrika und Asien. Sie feiern hier schon seit Tagen sehens- und hörenswerte Mess-Feste.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2005-12-24 11:24:36
Letzte Änderung am 2005-12-24 11:24:00

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