• vom 31.03.2010, 18:46 Uhr

Stadtleben

Update: 24.02.2014, 20:56 Uhr

Bauarbeiter stießen bei Grabungen auf gut erhaltenen deutschen Panzer

Kampfzone Südbahnhof




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Von Werner Grotte

  • Areal war im April 1945 hart umkämpft.
  • Boden birgt noch viele Kriegsrelikte.
  • Fund wird für Museum restauriert.

Wien. Nach dem Abbruch des Südbahnhofes rechneten Fachleute bereits seit Tagen mit Kriegsrelikten im Boden. Jene Erdschicht, die nun abgetragen wird, wurde nach dem Krieg einfach planiert, um darüber möglichst rasch wieder einen Bahnbetrieb zu ermöglichen.

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Was ein Bagger Mittwoch Früh entdeckte, erstaunte aber selbst Militärhistoriker: Denn im Erdreich lag, mit den Ketten nach oben, ein gut erhaltener damals funkferngesteuerter "Borgward IV"-Ladungsträger. Er wurde behutsam geborgen und soll nach der Restaurierung im Heeresgeschichtlichen Museum - nur wenige hundert Meter vom Fundort entfernt - zu sehen sein.

Die rote Armee Josef Stalins erreichte mit 400.000 Mann und mehreren hundert Panzern die Wiener Stadtgrenze am 6. April 1945. In der Stadt lag die abgekämpfte 6. SS-Panzerarmee mit rund 20.000 Mann und nicht viel mehr als 50 Panzern. Der Südbahnhof, bereits seit April 1944 begehrtes Ziel amerikanischer Bombenangriffe, wurde zunächst von den Russen überrannt, dann von den Deutschen zurückerobert und nach intensivem Artilleriebeschuss neuerlich russisch besetzt.

"Ich habe mit einem damaligen deutschen Battaillonskommandeur gesprochen. Er meint, im Kampf um den Bahnhof gab es allein auf deutscher Seite mindestens 1500 Gefallene", erzählt ÖBB-Kriegsmittel-Beseitiger und Sachverständiger Werner Zsidek. Er sondiert das Areal seit Monaten und hat bisher drei Bomben, diverse Munition und Teile einer Vierlingsflak gefunden.

"Wir werten zunächst Zeugenaussagen und alte Luftaufklärungs-Fotos aus, um ein grobes Bild zu erhalten", erklärt Zsidek das Procedere bei größeren Bahnprojekten. Danach wird mit Sonden nach Metall im Boden gesucht und vorsichtig gegraben. "Manchmal finden wir nur Rohre, manchmal aber auch heikle Zeitzünder-Granaten, die man sprengen muss", so der Experte.

Anrainer nicht gefährdet

Funde ohne Sprengwirkung entsorgt das Bundesheer, für alle Explosivstoffe muss der Entminungsdienst des Innenministeriums anrücken. Deren Arbeit ist nicht ungefährlich: 2003 etwa gab es beim Entschärfen einer Fliegerbombe in Salzburg zwei Tote und einen Schwerverletzten.

Am Südbahnhof-Areal rechnen die ÖBB mit weiteren Funden. "Hier war ein militärischer Versorgungsknoten und Hauptkampfgebiet - und die interessanten Erdschichten liegen noch vor uns", meint Zsidek. Anrainer müssten sich aber keine Sorgen machen: "Wir arbeiten mit maximaler Absicherung, dafür gibt es genug Geldmittel und Experten", versichert ÖBB-Immobiliensprecherin Alexandra Kastner.

Der Mittwoch geborgene Kettenschlepper wog 3,5 Tonnen und transportierte eine 450 Kilo Sprengladung, die er am Ziel ferngelenkt absetzen und zurückfahren konnte. Beim Kampf um Wien starben bis 23. April 1945 auf Deutscher Seite 20.000 Menschen, ein Fünftel davon Zivilisten. Von sowjetischer Seite gibt es keine Angaben, vermutet wird aber ein Vielfaches.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2010-03-31 18:46:05
Letzte Änderung am 2014-02-24 20:56:47

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