• vom 19.03.2008, 17:05 Uhr

Stadtleben


Der Mediensprecher von Hizb ut-Tahrir trat vorige Woche in Wien auf

"Die glorreiche Zeit des Kalifats wird kommen"




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Von Stefan Beig

  • Vortrag in Wien sorgt für Wirbel.
  • Gegen Israels Existenzrecht.
  • Wien. "Eines ist sicher: Das Kalifat wird in einem islamischen Land entstehen und andere Länder werden sich ihm anschließen." Mit solchen Aussagen überraschte Shaker Assem vorige Woche sein Publikum im Haus der Begegnung Mariahilf. Rund 180 Zuhörer, darunter Muslime und interessierte Studenten, kamen zu seinem Vortrag "Feindbild Islam".

Shaker Assem von Hizb ut-Tahrir. Foto: Gebhard Fidler

Shaker Assem von Hizb ut-Tahrir. Foto: Gebhard Fidler Shaker Assem von Hizb ut-Tahrir. Foto: Gebhard Fidler

#Errichtung des Kalifats in islamischen Ländern

Was nicht alle Zuhörer im Saal wussten: Shaker Assem ist Mediensprecher der in Deutschland verbotenen Partei Hizb ut-Tahrir ("Partei der Befreiung"), die das 1924 von Kemal Atatürk beseitigte Kalifat wiederherstellen will. Kalifen übten eine politische und religiöse Herrschaft aus, die Gesetzgebung stützte sich auf islamische Quellen.


"Hizb ut-Tahrir hofft, ein Kalifat wird eine Kettenreaktion auslösen", meint die deutsche Islamismus-Expertin Claudia Dantschke vom türkisch-deutschen Fernsehsender Aypa-TV. "Besonders aktiv ist Hizb ut-Tahrir in Pakistan, Usbekistan, Palästina und dem Libanon."

Wien ist der Hauptsitz von Hizb ut-Tahrir im deutschsprachigen Raum, europäisches Hauptquartier ist London. Die Kalifats-Pläne richten sich aber nur auf die islamische Welt: "Die Türkei, Saudi-Arabien und alle anderen islamischen Länder repräsentieren nicht den Islam", so Assem. "Muslime mit österreichischer Staatsbürgerschaft müssen die Pflichten gegenüber der Republik und der Mehrheitsbevölkerung halten. Niemand will ein Kalifat in Österreich." Laut Dantschke ist Europa für Hizb ut-Tahrir ein Agitationsraum, "um finanzielle und ideologische Hilfe zu bekommen."

Andere Kernthemen von Hizb ut-Tahrir kamen in Assems Vortrag ebenfalls zur Sprache, etwa die Ablehnung der "westlichen" Unterscheidung von Islam und Islamismus: "Als Islamisten gelten Personen, die den Islam auf Politik ausweiten. Im Islam bestand schon immer die Vernetzung von Religion, Gesellschaft und Politik. Demnach wären Mohammed und seine Gefährten Islamisten gewesen. Sie haben ihr Leben ganz nach dem Islam gestaltet."

Israelischer Staat in NÖ oder Bayern
Die Wurzeln der Gesetzgebung liegen für Assem nur in der islamischen Offenbarung. "Der Mensch ist nicht in der Lage, das optimale System für eine Gesellschaft zu kreieren", sagte er zur "Wiener Zeitung". Das bedeute auch, dass Homosexualität verboten ist und die öffentlich verlautbarte Abkehr vom Islam mit dem Tod bestraft wird.

Auch Israel sorgte im Haus der Begegnung für Gesprächsstoff. "Gebe es einen israelischen Staat in Niederösterreich, Burgenland oder in Bayern, hätte ich daran nichts auszusetzen", so Assem. "Der Staat Israel ist Landraub. Er ist durch Vertreibung der Bevölkerung entstanden."

In Deutschland wurde Hizb ut-Tahrir 2003 verboten, unter anderem wegen Aussagen in der von Assem herausgegeben Zeitung "Explizit", wo es etwa heißt: "Der zionistische Fremdkörper im Herzen der islamischen Welt darf nicht bestehen bleiben. Allah befiehlt: ,Und tötet sie, wo immer ihr sie zu fassen bekommt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben."

"Explizit" wurde mittlerweile eingestellt. Ein Autor von "Explizit" und Hizb-ut-tahrir-Mitglied, Mohamed Hisham Al-Baaba, arbeitete bis vor einigen Jahren in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) als Aufsichtspersonen der Islamlehrer. Dass Al-Baaba laut Insidern noch immer für die IGGiÖ arbeite, wollte man bei der IGGiÖ nicht kommentieren.

Mario Rieder, Geschäftsführer des Verbands Wiener Volksbildung, zeigte sich nachher über die Veranstaltung zerknirscht. Man habe den Veranstaltern nur den Saal zur Verfügung gestellt Offiziell war der Verein "Fokus" Organisator gewesen. Gegen den Vortragenden Shaker Assem sei bei der Fremdenpolizei nichts vorgelegen.



Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2008-03-19 17:05:49
Letzte ─nderung am 2008-03-19 17:05:00



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