• vom 27.08.2010, 17:55 Uhr

Stadtleben

Update: 30.08.2010, 14:57 Uhr

23. Bezirk: Liesing

Zwischen Weinberg und Wohnpark




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Von Christian Rösner

  • Ausländeranteil in Liesing am geringsten.
  • Größte Probleme im Bezirk: Fluglärm und Verkehr.
  • Wien."Oben in Mauer wohnen die Gstopftn im Grünen und unten in Atzgersdorf die Hackler - aber beim Maurer Kirtag sind alle gleich", meint eine ältere Frau auf dem Weg zum Billa in Mauer in Wien-Liesing. "Und abgesehen vom Fluglärm und der schlechten Anbindung mit den Öffentlichen ist das der schönste Bezirk Wiens."



Tatsächlich ist der 23. Bezirk sehr kontrastreich. "Oben" im westlich gelegenen Mauer, nahe dem Lainzer Tiergarten, beim Trinkwasserspeicher, rankt der Wein zwischen Villen und Einfamilienhäusern. In der Maurer Lange Gasse reiht sich ein Heuriger neben den anderen. Und im scheinbaren Gegensatz dazu findet sich "unten" - quasi in der pannonischen Tiefebene des Ostens - nach Atzgersdorf der Wohnpark Alt Erlaa, umgeben von Siedlungen.


Aber das ist nur eine Perspektive: Liesing ist der jüngste Bezirks Wiens, in dem 1938 acht ehemalige Dörfer zusammengefasst wurden: Atzgersdorf, Erlaa, Kalksburg, Inzersdorf, Liesing, Mauer, Rodaun und Siebenhirten. Entsprechend vielfältig ist das Erscheinungsbild. Auch von Norden nach Süden.

Politisch ist Liesing fest in roter Hand - und nicht nur, weil es der "Kanzlerbezirk" ist (Werner Faymann wohnt in der Nähe von Alt Erlaa, Anm.). Bezirksvorsteher Manfred Wurm übt sein Amt bereits seit 15 Jahren aus und sieht auch den kommenden Jahren gelassen entgegen. Das spiegelt auch die Haltung Opposition wieder. So definiert Bezirksvorsteher-Stellvertreter Ernst Paleta (ÖVP) sein Wahlziel mit den Worten "Zweiter zu bleiben". Dass die absolute Mehrheit gebrochen wird, wünscht er sich natürlich auch - ganz nach der Linie der Wiener ÖVP, wie sie Parteichefin Christine Marek diese Woche präsentiert hatte: Sie prophezeite der SPÖ die meisten Stimmen, sagte aber, sie wolle "der Lotse für den roten Jumbo sein".

"Wien-Wahl unnötig"

Die Wien-Wahl könnte man sich eigentlich überhaupt sparen, meint Paleta. "Weil das Ergebnis in Liesing immer ident ist mit dem Wien-Gesamtergebnis." Doch die Themen sind etwas anders gelagert - so ist Liesing der Bezirk mit dem geringsten Ausländeranteil. Was der FPÖ natürlich ihren Hauptfokus nimmt. Weitaus schwerer wiegen die Themen Verkehr und Fluglärm, wobei Letzterer den größte Zankapfel in der politischen Auseinandersetzung im Bezirk darstellt. Paleta spricht von einem "Versagen des Bezirksvorstehers", da 2004 als Ergebnis der Flughafenmediation "über Nacht" zwei Flugrouten über Liesing gelegt wurden. "In Sachen Fluglärm ist die SPÖ ständig am Beschwichtigen", poltert auch Wolfgang Jung von der Liesinger FPÖ.

Wurm spricht wiederum von der besten Lösung für alle. "Die Verschiebung war gekoppelt mit der Zusage, dass im Normalfall zwischen 21 Uhr und 7 Uhr nicht geflogen wird. Deswegen war auch eine neue Flugroute nötig. Und grundsätzlich hätte uns die Austro Control gar nicht fragen müssen", erklärt Wurm. Beim Mediationsverfahren habe man wenigstens die Möglichkeit bekommen, die Überflüge gerecht zwischen Wien und Niederösterreich aufzuteilen. "Die Kritiker haben den Standpunkt: Weg von Liesing, uns ist wurscht wohin. Sie sagen, wir sind 90.000, die Perchtoldstorfer sind nur 20.000, daher ist die Route über Perchtoldstorf zu legen - so kann das aber nicht funktionieren", so Wurm.

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Dokument erstellt am 2010-08-27 17:55:59
Letzte Änderung am 2010-08-30 14:57:00



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