• vom 20.08.2010, 20:33 Uhr

Stadtleben


Aufregung um Gift-Einsatz im Augarten




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Von Christian Mayr

  • Bundesgärten verteidigen "Minimal-Anwendung" - dennoch viel Kritik.
  • Wien. Es geschah am helllichten Tage: Als die Familie Kaminski vor einigen Wochen samt Baby durch den Wiener Augarten spazierte, wurde sie auf dem Kiesweg von einem vorbeifahrenden Traktor mit Flüssigkeit besprüht. Vom "eigenartigen Geruch" der Substanz aufgeschreckt, die sich zudem "in alle Windrichtungen" verbreitet hätte, fragten die Kaminskis bei einem Augarten-Gärtner nach: Zu ihrem Entsetzen erklärte ihnen dieser, dass es sich um ein Unkrauvernichtungsmittel eines Großkonzerns gehandelt habe.

Herbizid-Einsatz gibt es auch im Belvederegarten. Foto: Mayr

Herbizid-Einsatz gibt es auch im Belvederegarten. Foto: Mayr

Herbizid-Einsatz gibt es auch im Belvederegarten. Foto: Mayr

Herbizid-Einsatz gibt es auch im Belvederegarten. Foto: Mayr Herbizid-Einsatz gibt es auch im Belvederegarten. Foto: Mayr

Tatsächlich ist die Anwendung des konkreten Herbizids alles andere als unumstritten: In Österreich zwar zugelassen, darf die Marke aber etwa in Frankreich nicht mehr als "biologisch abbaubar" und "umweltfreundlich" beworben werden; laut wissenschaftlichen Studien ist die Substanz zudem zellschädigend. Daher ist es für die Kaminskis unverständlich, dass ausgerechnet die staatlichen Bundesgärten dieses Mittel derart unvorsichtig in Verwendung haben.

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Bundesgärten-Direktorin Brigitte Mang bestätigt gegenüber der "Wiener Zeitung" den Vorfall und verteidigt ihn zugleich: "Das war ein Ausnahmefall. Da war gerade ein Regenfenster, deshalb wurde das Mittel zu Mittag ausgebracht." Allerdings hält sie es für ausgeschlossen, dass jemand gefährdet worden sei - schließlich sei das Mittel amtlich zugelassen. Prinzipiell werde Unkraut auf den Wegen mechanisch getilgt - nur bei langer, feuchter Witterung komme das Herbizid zu "minimalster Anwendung". Mang sieht die Bundesgärten (zuständig auch für Schönbrunn- und Belvedere-Garten) in keiner Sonderrolle: "Jeder Betrieb muss solche Pflanzenschutzmittel verwenden."

Hier widerspricht der grüne Umweltsprecher Rüdiger Maresch, denn die Stadt Wien verzichte in den Parks schon lange darauf. "Und die Bundesgärten haben eine Vorbildfunktion zu erfüllen." Auch in den Wiener Bädern würden "derart gefährliche Mittel" nie versprüht, beteuert man dort; gedüngt würden nur die Wiesen, und zwar stets vor der Saison. Auch Umweltmediziner Hans-Peter Hutter sieht den Herbizid-Einsatz als "sehr fragwürdig" an, beruhigt jedoch: "Kurzer Kontakt mit dem Mittel ist sicher nicht gefährlich."



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Dokument erstellt am 2010-08-20 20:33:09
Letzte Änderung am 2010-08-20 20:33:00



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