• vom 28.10.2011, 18:11 Uhr

Stadtleben

Update: 02.11.2011, 15:50 Uhr

Stadtleben

Umsonst ist nicht einmal der Tod




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Von Katharina Schmidt

  • Eine würdige Bestattung kann teuer werden - ob die Gemeinde einspringt, hängt von Landesgesetzen ab
  • Rund 800 Armenbegräbnisse finden jährlich in Wien statt.

Wien.

Grabanlagen wie diese am Wiener Zentralfriedhof kosten zwischen 4000 und 9000 Euro.

Grabanlagen wie diese am Wiener Zentralfriedhof kosten zwischen 4000 und 9000 Euro.© waldhaeusl/imagebroker/Dr. Wilfried Bahnmüller / imagebroker/Dr. Wilfried Bahnm Grabanlagen wie diese am Wiener Zentralfriedhof kosten zwischen 4000 und 9000 Euro.© waldhaeusl/imagebroker/Dr. Wilfried Bahnmüller / imagebroker/Dr. Wilfried Bahnm

"Umsonst ist nur der Tod -und der kost’s Leben." Dieser Spruch klingt angesichts der Kosten, die ein Begräbnis verursachen kann, für viele Hinterbliebene geradezu geschmacklos. Denn zur emotionalen Belastung kommt auch die finanzielle.

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Laut Bestattung Wien, die ein Viertel aller österreichischen Begräbnisse durchführt, liegen die Durchschnittskosten für eine Erdbestattung bei 3500 Euro. Allerdings nur, wenn man schon ein Familiengrab hat. Denn bei einer Neuvergabe eines Sarggrabes verrechnen die Friedhöfe ein "Bereitstellungsentgelt" von 425 Euro, dazu kommt das Benützungsentgelt, das je nach Lage des Grabes und des Friedhofs bis zu 730 Euro für zehn Jahre beträgt. Auch ein Grabstein ist nicht gerade billig: Zwischen 4000 und 9000 Euro kostet eine durchschnittliche Grabanlage mit Einfassung, Schrift, Stein und Sockel, wie Johann Kruckenfellner von der Bundesinnung für Steinmetze erklärt. Richtige Mausoleen, wie sie gelegentlich am Wiener Zentralfriedhof zu sehen sind, kosten dann schon einmal 80.000 Euro, meint er. Lässt man nur eine weitere Inschrift an einem bestehenden Stein anbringen, kommt man mit weniger als 500 Euro aus.

Dazu kommen die eigentlichen Kosten für das Bestattungsunternehmen, Druckereikosten für die Parten und Gedenkbilder, die nicht unter 100 Euro zu haben sind, auch Musik, Blumenschmuck, Kränze, Pfarrer oder Trauerredner und Leichenschmaus müssen bezahlt werden. Die Kosten für den Sarg beginnen bei 500 Euro, "nach oben gibt es keine Grenzen", wie Florian Keusch von der Bestattung Wien erklärt - es besteht sogar die Möglichkeit, Särge selbst zu designen. Davon hat aber wegen der strengen gesetzlichen Vorgaben noch nie jemand Gebrauch gemacht. Eher weniger beliebt sind auch ausgefallene Bestattungsmethoden wie etwa das Einschmelzen der Asche in Diamantform. "Das lässt sich an beiden Händen abzählen", sagt Eduard Schreiner, Bundesinnungsmeister der Bestatter, der derartige Entwicklungen naturgemäß skeptisch sieht.

Armengrab oder Anatomie
Am anderen Ende der Skala stehen jene Menschen, die sich ein Begräbnis schlicht nicht leisten können. Wie in solchen Fällen vorzugehen ist, ist Landessache. Generell muss jeder Tote in Österreich innerhalb einer gewissen Zeit beerdigt werden - wenn sich in Wien innerhalb von fünf Tagen niemand um die Beerdigung gekümmert hat, dann muss die Stadt laut Leichen- und Bestattungsgesetz ein Begräbnis veranlassen. Dieses findet in einem "Armengrab" am Zentralfriedhof statt - in einer einfachen, aber würdigen religionsneutralen Zeremonie, sagt Christine Willerstorfer von der Magistratsabteilung 15 (Gesundheitsdienst). 800 solcher Armenbegräbnisse gibt es jährlich in Wien (2010 starben in Wien 16.287 Menschen) - "es betrifft alle Schichten", sagt Willerstorfer. Niemand ist verpflichtet, eine Beerdigung zu zahlen - auch wenn er das Budget dafür hätte. Die Stadt, die zehn Jahre lang das Grab pflegt und auch für eine einfache Gedenktafel sorgt, kann sich die Kosten von rund 2000 Euro aber aus der Verlassenschaft zurückholen. Im niederösterreichischen Bestattungsgesetz ist demgegenüber eine genaue Reihenfolge an Personen - vom Ehegatten bis zu den Geschwistern - festgelegt, die für die Bestattung aufkommen müssen. Sonst wird ein Anatomie-Institut verständigt werden, "das die Abholung der Leiche auf seine Kosten veranlassen kann". Tut das Institut das nicht, muss die Gemeinde für die Bestattung aufkommen, allerdings ohne Begräbniszeremonie.

Laut Innungsmeister Schreiner ist das "soziale Netz aber so gut", dass solche Fälle eher selten vorkommen. So kämen oft Sozialhilfeverbände für die Beisetzung auf -und am Land sei es auch einfacher, Angehörige zu finden. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, sorgt vor: Allein beim "Wiener Verein" haben 400.000 Österreicher eine Bestattungsvorsorge - diese umfasst neben den Begräbniskosten auch die Rückholung aus dem Ausland und Sonderwünsche für die Grabpflege.

Immerhin: Die Bestattung Wien bietet vierteljährlich kostenlose Trauerseminare für Hinterbliebene an. Oder aber man geht einfach zu Allerseelen auf den Friedhof. Denn Trauern ist immer noch umsonst.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2011-10-28 18:17:15
Letzte Änderung am 2011-11-02 15:50:25


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