• vom 07.02.2012, 20:00 Uhr

Stadtleben

Update: 15.02.2012, 13:01 Uhr

Studie

Seestadt Aspern stiftet Verwirrung




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Von Christoph Rella

  • Straßennetz ist unübersichtlich und "verwinkelt", kritisiert eine TU-Studie.

Wien.



"Der Supermarkt ist zwei Straßen weiter." Wenn Menschen im urbanen Raum Wege beschreiben, reden sie meistens nicht von Metern oder Kilometern. Worauf es vielmehr ankommt, ist die Frage, wie kompliziert ein Ziel zu erreichen ist. Auf Basis dieser Annahme hat die Wiener Verkehrswissenschafterin Gerda Hartl von der Technischen Universität eine Studie über die Struktur des Straßennetzes in der Bundeshauptstadt erstellt - mit teils überraschendem Ergebnis.

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Denn während in dem Test historisch gewachsene Stadtteile wie etwa die Innenstadtbezirke relativ gut abschneiden, stellt die Expertin der am Reißbrett geplanten Seestadt Aspern, wo ab 2013 die ersten Bauten fertig sein sollen, kein gutes Zeugnis aus. "Zu einem echten Zentrum, das man als lokalen Knotenpunkt des öffentlichen Lebens empfindet, wird sich der neue Stadtteil wohl nicht entwickeln", betonte sie anlässlich der Präsentation der Studie am Dienstag in Wien. Grund: Zu viele Kreuzungen und Ecken sowie zu wenige durchgehende Straßenzüge. "Wege, die mit zahlreichen Abbiegungen versehen sind, erscheinen den Menschen viel länger, als sie wirklich sind", meinte Hartl. Und das stifte Verwirrung.

"Bewohner sollen urteilen"
Als Beispiel nannte die Verkehrswissenschafterin den Verlauf der geplanten Seepromenade in dem neuen Stadtteil: Die Straße sei eine "gebrochene Linie" und wirke daher "verwinkelt, abgelegen und schwer erreichbar", sagte sie. Als Indiz dafür, warum sich die Promenade kaum als Zentrum eigne, nannte sie die zahlreichen wegbrechenden Nebenstraßen. Denn wie Hartls Computersimulationen ergeben hätten, sei die Chance für einen Ort, sich zu einem Zentrum wie die Kärntner Straße zu entwickeln, von der Anzahl der Seitenstraßen und wiederum deren Seitengassen abhängig. Kurz: Je weniger Ecken, desto höher die Fußgängerströme.

Die Kritik, dass der Strukturplan der Seestadt Aspern zu viele Ecken ausweise, will man bei der zuständigen Entwicklungsgesellschaft, der "Wien 3420 AG", nicht gelten lassen. "Es kommt auf das Empfinden der Bewohner an, ob ein Ort als Zentrum gesehen wird oder nicht", konterte Projektleiterin Annemarie Hietler auf Anfrage. Außerdem dürfe nicht vergessen werden, dass Aspern von den Planern als Stadt für Fußgänger und Radfahrer konzipiert wurde. "Ich weiß nicht, welche Parameter da herangezogen wurden, wir sehen uns das genau an", sagte sie.

Detail am Rande: Bei dem von Hartl untersuchten Gelände handelt es sich um jene Stätte, auf der die TU Wien einst ihren neuen Campus errichten wollte.




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Dokument erstellt am 2012-02-07 17:32:12
Letzte Änderung am 2012-02-15 13:01:37




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