
Schon reißen sich tausende Wiener um einen begehrten Platz in der Sonne auf den Wiener Märkten. Kritiker werfen gerne ein, dass die Märkte zu viel Gastronomie-Anteil haben. Der Beliebtheit unter der Bevölkerung und den Touristen tut das freilich keinen Abbruch. Wer geht nicht gerne am Samstagvormittag gemütlich frühstücken und deckt sich danach mit Köstlichkeiten für das Wochenende ein? Das "Wiener Journal" stellt für Hungrige Gourmet-Routen durch das Marktgetümmel am Karmelitermarkt und am Brunnenmarkt vor.
SPAZIERGANG AM KARMELITERMARKT
Wer samstags dem Karmelitermarkt einen Besuch abstatten will, flaniert am besten die Taborstraße stadtauswärts und biegt links in die Karmelitergasse ein. Gleich das erste fixe Marktgebäude an der Ecke ist der istrische Feinkostladen "Istranka", der von der 30-jährigen Ursa Francé geführt wird. Hungrige können sich mit einem zarten, slowenischen Prsut aus dem Karst und fleischigen Oliven stärken. Francé: "Ich bin über Umwege in die Gastronomie hineingerutscht. In bin zwar in Bayern aufgewachsen, aber für mein Studium der Ethnologie und Kulturanthropologie nach Ljubljana gegangen. Meine Eltern kommen aus Slowenien. Und wer träumt schon nicht von einem kleinen Lokal am Meer mit zwei Tischen, das man nur mit einem Boot erreichen kann?" Jeden Tag gibt es ein Mittagsgericht, das Francé mit viel Liebe kocht: "Das Gefühl fürs Kochen und die Leidenschaft habe ich von meinem Großvater, der mir das Kochen beigebracht hat." Ihre Produkte bezieht sie von kleinen slowenischen Landwirten. Einen Riesengriss gab es gleich nach der Eröffnung um ihre weißen Trüffel. Derzeit ist sie besonders auf einen Rohmilch-Käse aus Grgar stolz, der auf 1300 Höhenmetern gereift ist.
Schlendern Gourmets weiter, können sie sich mit Brot von Trendbäckerin Denise Pölzelbauer eindecken: Im "Kaas am Markt" finden politisch-korrekte Einkäufer auch die besten Käsesorten der österreichischen Slow-Food-Elite. Wer sich den Bauch noch immer nicht vollgeschlagen hat, kehrt ins georgische "Madani" oder ins "Marktachterl" ein. Dort versorgen Geschäftsführer Daniel Bresofsky und Küchenchef René Poysl die Marktbesucher nicht nur mit Frühstück. Poysl kochte nach seiner Ausbildung am Judenplatz im "Korso" und "Imperial" auf. Im Sommer erfreut er sich an seiner Kräuter-Hecke im Schanigarten vorm "Markt-achterl". Der Küchenchef beschreibt das Markt-Publikum als "anspruchsvoll". Seitdem das Lokal um das "Fischvierterl" erweitert wurde, dreht sich in seiner Küche viel um frischen Fisch.
