Wien. Sie tragen auffällige T-Shirts. Sie halten bunte Transparente in die Luft. Sie schreiben mit Kreide motivierende Sprüche auf die Straße oder klettern wagemutig auf Mistkübel und verbotenerweise auf die eine oder andere Ampel. Und das alles nur, um ihre Freunde, Verwandten oder Bekannten beim Halbmarathon oder sogar Marathon zu unterstützen.
Wenn sich die Läufer am Sonntag zum Start um 9 Uhr auf der Reichsbrücke und davor auf der Wagramer Straße versammeln, sind sie nicht alleine. Nicht nur, weil rund 8100 Teilnehmer die gesamte Strecke von 42,195 Kilometern und rund 13.000 Läufer die halbe Strecke von 21,0975 Kilometern bewältigen wollen und auch 3000 Startläufer des Staffelbewerbs dort sein werden. Sondern auch, weil viele von ihnen eigene Begleiter haben. Freunde, Partner, Mitsportler aus ihren Laufgruppen, die dieses Mal nicht selbst antreten, sind bei ihnen. Diesen kommt eine wichtige Aufgabe zu: "In erster Linie Butler sein", sagt Christian Huber, 46, der seine Freundin unterstützt. Auch wenn es die Möglichkeit gibt, das Übergewand abzugeben, um es im Ziel wieder abholen zu können, hat es sich für sie bewährt, es am Heldenplatz direkt von ihrem Freund ausgehändigt zu bekommen. Für Christian ist es insgesamt die vierte Betreuung, die erste bei einem Halbmarathon. "Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs, um rechtzeitig bei den einzelnen Punkten zu sein und meine Freundin anzufeuern. Beim Marathon habe ich so selbst auch 36 Kilometer zusammenbekommen", erzählt er nicht ohne Stolz.
Genauer Plan und viel Aufmerksamkeit notwendig

Anfeuern und motivieren ist für die Läufer wichtig. Sabine Zahora, 49, weiß das aus eigener Erfahrung, ist sie doch selbst auch schon den Marathon in Wien gelaufen. Dieses Mal unterstützt sie ihren Mann. Damit alles funktioniert, wurde ein präziser Plan zurecht gelegt: Von der Reichsbrücke fährt sie schon vor dem Startschuss weg, um rechtzeitig bei der Oper (Kilometer 11 bzw. 21) zu sein, wenn die ersten Läufer dort vorbeikommen. Dann wird fleißig weiter angefeuert, bis ihr Mann kommt, dem sie eine zusätzliche Trinkflasche reicht. Dabei ist klar ausgemacht, auf welcher Seite sie stehen und er laufen muss: "Ich kenne ihn schon am Laufschritt und am Outfit, das macht es auch einfacher."
Jasmin Ziegler, 26, hat die genauen Betreuungsstandorte mit ihren drei Läufern am Freitag besprochen. An drei Stationen wird sie motivieren und an einer Stelle einem Freund ein spezielles Getränk zuwerfen. Nach zwei "Betreuungen" weiß sie schon, wo es Bänke oder andere Dinge gibt, auf die sie sich draufstellen und bemerkbar machen kann. Am Schluss wird sie auch nicht direkt ins Ziel gehen, sondern sich bei der Babenberger Straße positionieren: "Das ist eine gute Kurve, da stehen weniger Leute."
Lärm gibt Kraft, sich durchzubeißen
Etwa 36.000 Teilnehmer sind am Sonntag in den verschiedenen Bewerben insgesamt auf den Beinen. Rund 300.000 Zuschauer werden schätzungsweise das Geschehen verfolgen. Für sie gibt es dieses Jahr mehr Fanzonen als bisher. Auf der Ringstraße, wo die Läufer im ersten Teil des Rennens und zum Schluss unterwegs sind, gibt es dieses Mal gleich vier Stationen, zwei am Stubenring und jeweils eine am Schubertring und bei der Oper. Neben dem Angebot von Sponsoren und Unternehmen gibt es auch private Initiativen, die mit Trommeln und Tanz die Sportler anfeuern. Besonders wichtig sind motivierende Zurufe an Streckenabschnitten, die öffentlich nicht so leicht erreichbar sind, für die Läufer aber durchaus eine Herausforderung darstellen: Auf der Wienzeile nach dem Naschmarkt Richtung Schönbrunn zum Beispiel fehlt oft der lärmende Ansporn. Dort zu stehen, wo wenige Leute sind, bringt nicht nur den Zuschauern eine gute Sicht, sondern freut auch die Läufer.
Von einem Punkt zum anderen kommen Fans und Betreuer am Marathon-Tag am besten mit den U-Bahnen. Diese sind am Sonntag öfter unterwegs. Wer mit dem Auto durch die Stadt muss, dem empfiehlt der ÖAMTC den Handelskai als Ausweichstrecke. Es gibt einige Querungsmöglichkeiten der Laufstrecke, Verzögerungen müssen laut dem Verkehrsklub aber eingeplant werden.
Was das Wetter anbelangt, könnten die Läufer nass werden, aus derzeitiger Sicht könnte es zeitweise regnen. Auch die Zuschauer sollten gewappnet sein. Jasmin Ziegler hat da noch einen guten Tipp parat: "Regenjacke und Kappe sind besser als ein Regenschirm, denn so hat man beide Hände frei zum Applaudieren und zum Fotografieren."