• vom 16.04.2012, 07:34 Uhr

Stadtleben

Update: 16.04.2012, 07:40 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Der Geruch von Wald nach dem Regen

Tauchen im Klärschlamm: Wiener Firma reinigt Faultürme



  • Tagesverdienst bis 600 Euro: "Es ist einem keiner neidig".
  • Kläranlagen als Stiefkinder der Gemeinden.

Und hier kommen die Umwelt-Taucher ins Spiel: Mit ihnen können sich Kläranlagenbetreiber vor allem viel Zeit und somit Geld ersparen. Während das Auslassen und Wiederinbetriebnehmen des Faulturms laut Ulrich bis zu drei Monate dauern kann, können er und seine Kollegen den selben Effekt im Schnitt in zehn Tagen oder weniger herbeiführen. Als ideal hat sich dabei ein Team herausgestellt, das aus fünf Tauchern besteht. Pro Taucher fallen dabei 45 Minuten Tauchzeit an, um so die erforderliche Dekomprimierungszeit auf einem Minimum zu halten.

Und hier kommen die Umwelt-Taucher ins Spiel: Mit ihnen können sich Kläranlagenbetreiber vor allem viel Zeit und somit Geld ersparen. Während das Auslassen und Wiederinbetriebnehmen des Faulturms laut Ulrich bis zu drei Monate dauern kann, können er und seine Kollegen den selben Effekt im Schnitt in zehn Tagen oder weniger herbeiführen. Als ideal hat sich dabei ein Team herausgestellt, das aus fünf Tauchern besteht. Pro Taucher fallen dabei 45 Minuten Tauchzeit an, um so die erforderliche Dekomprimierungszeit auf einem Minimum zu halten.Foto: Umwelttauchservice Und hier kommen die Umwelt-Taucher ins Spiel: Mit ihnen können sich Kläranlagenbetreiber vor allem viel Zeit und somit Geld ersparen. Während das Auslassen und Wiederinbetriebnehmen des Faulturms laut Ulrich bis zu drei Monate dauern kann, können er und seine Kollegen den selben Effekt im Schnitt in zehn Tagen oder weniger herbeiführen. Als ideal hat sich dabei ein Team herausgestellt, das aus fünf Tauchern besteht. Pro Taucher fallen dabei 45 Minuten Tauchzeit an, um so die erforderliche Dekomprimierungszeit auf einem Minimum zu halten.Foto: Umwelttauchservice

Wien. Gregor Ulrich ist von Beruf Industrietaucher bei der Wiener Firma Umwelt-Tauchservice - eine Arbeit, die bis zu 600 Euro am Tag einbringt. "Es ist einem keiner neidig", sagt der 28-Jährige dennoch über seine Profession. Denn es sind keine idyllischen Korallenriffe, in die er eintaucht. Ulrich muss in den Schlamm, der in Kläranlagen in sogenannten Faultürmen verrottet. In diesen an die 20 Metern hohen Behältnissen tauchen Ulrich und seine Kollegen blind, wenn sie Ablagerungen aus dem Inneren der Betontürme schaffen und diese so reinigen.

Das von Ulrichs Vater Anton geführte Unternehmen genießt in Österreich eine Monopolstellung. In Deutschland, wo man ebenfalls tätig ist, gibt es hingegen Konkurrenz am Markt. Notwendig ist die Ausweitung den Einsatzgebiets, denn "Österreich hat weniger Anlagen als Bayern". Insgesamt kam man im Vorjahr auf 190 Arbeitstage. Bis zu 80 Prozent der Arbeitszeit betrifft inzwischen Faultürme, in denen man seit Anfang 2000 tätig ist. "Es ist auch der beliebtere Job in der Regel", denn die mit Spezialhelmen ausgestatteten Taucher machen die Arbeit laut Ulrich gern: "Das Wasser ist warm und es wird gut bezahlt."


Solange er funktioniert, wird er nicht gewartet
In Faultürmen entstehen durch Einwirkung von Bakterien Gase, wie etwa Methan, die dann in der Kläranlage verbrannt werden. So versorgen sie die Anlage mit Energie und machen diese recht autark von anderen Quellen. "Kläranlagen kosten dadurch nicht viel und sind so oft das Stiefkind von Kommunen oder Gemeinden", weiß der Experte zu berichten. So lange der Turm funktioniert, wird er nicht gewartet. Teuer wird es aber dann, wenn der Faulturm nicht mehr effektiv arbeitet, was nach acht Jahren Betriebszeit der Fall sei.

Und hier kommen die Umwelt-Taucher ins Spiel: Mit ihnen können sich Kläranlagenbetreiber vor allem viel Zeit und somit Geld ersparen. Während das Auslassen und Wiederinbetriebnehmen des Faulturms laut Ulrich bis zu drei Monate dauern kann, können er und seine Kollegen den selben Effekt im Schnitt in zehn Tagen oder weniger herbeiführen. Als ideal hat sich dabei ein Team herausgestellt, das aus fünf Tauchern besteht. Pro Taucher fallen dabei 45 Minuten Tauchzeit an, um so die erforderliche Dekomprimierungszeit auf einem Minimum zu halten.

Ein "Geruch von Wald nach dem Regen"
Riechen würde es in den Kläranlagen, zumindest nach der Vorklärung, nicht allzu schlimm: "Es gibt keinen Fäkalgeruch, sondern eher den Geruch von Wald nach dem Regen." Die Tierverwertungsanlagen sind es hingegen, "wo es wirklich unangenehm riecht" - und auch dort gibt es Faultürme. Warum man die Behälter nicht auf andere Weise reinigt, erklärt Ulrich so: "Die Faultürme wurden gebaut wie AKWs", seiner Meinung nach berücksichtigte man bei der Konstruktion der Kläranlagen die Abnützung nicht immer ausreichend.

Zwar gibt es an den Türmen seitlich ein sogenanntes Mannloch, doch den Faulturm durch dieses von den Sedimenten zu befreien, würde neben der Explosionsgefahr durch die Gase auch andere Probleme mit sich bringen. Denn man muss dafür die Flüssigkeit im Behälter absenken. "In dem Moment, wo die Substanz trocken wird, wird sie hart wie Beton", sagt Ulrich. Auch Baurisse können durch das unsachgemäße Senken entstehen.

Von Honig und Torf
Feucht-Klopapier ist oft eine der Ursachen, wenn der Turm nicht mehr richtig arbeitet : "Dieses kommt durch die Rechen der Kläranlage und trägt durch seine statischen Eigenschaften dazu bei, dass sich sogenannte Zöpfe bilden", erklärt Ulrich. An die 80 Kilogramm werden diese schwer. Bei einer Anlage in Deutschland holten die Taucher insgesamt 900 Kubikmeter Material aus den Türmen.

Eine Leiter führt bei den Arbeiten den Taucher, der mit seinen Kollegen ständig in Funkkontakt steht, in den Turm hinab. Dort rückt er dann mit einer Mammutpumpe dem Schlamm zuleibe. "Der Schlamm hat eine Viskosität von Honig bis hin zu schwerem Torf." Dieser befindet sich am Boden des Turms, darüber ist die Substanz bis auf die Farbe dem Wasser ähnlich. Ein noch funktionierender Turm kann bis zu 500 Kubikmeter Schlamm haben, also ungefähr ein Drittel des Gesamtvolumens. Ist er zur Hälfte mit Schlamm gefüllt, würde das den Turm schon außer Gefecht setzen, so Ulrich.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-16 07:37:59
Letzte Änderung am 2012-04-16 07:40:11


Beliebte Inhalte



Auf Sexualverhalten bezogene Aidsbekämpfung macht wenig Sinn, so Hunsmann. - Apaweb/Pfarrhofer
  • 21. Life Ball will Bewusstsein im Kampf gegen HIV/Aids schaffen
  • weiter

"Totally sexy" lautet hier das Motto. Und das um jeden Preis. - Luiza Puiu
  • Label balanciert auf dem schmalen Grat zwischen sexy und ordinär.
  • weiter

Die ersten Gäste für den Lifeball sind bereits in Wien. - APAweb / Herbert Neubauer
  • Stars aus New York und Cannes kommen nach Österreich.
  • weiter

Modelle wie "Shared Space" (hier der Probebetrieb auf der Mariahilfer Straße) sind die Zukunft. - apa / Herbert Neubauer
  • Schwarz: Kürzere Wege und höhere Spritpreise als Mittel gegen das Auto.
  • weiter

Eva Moser aus Graz bei der Eröffnung. - Johann Werfring
  • Internationales Damenschachturnier kommt nun in die heiße Phase.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Der Radfahrverkehr soll gefördert werden. - apa/Helmut Fohringer
  • Hitzige Debatte im Gemeinderat - Öffnung von Einbahnen für Radfahrer.
  • weiter

Neben Rot soll es auch Grün auf den Radwegen geben. - apa
  • Fußgängerbeauftragte plädiert für mehr Rücksichtnahme.
  • weiter




Werbung




Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971,

Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers. Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

"Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Werbung