Wien. (rös) Bereits im Jahr 2014 können die ersten Bewohner die Seestadt Aspern im 22. Bezirk beziehen - bis dahin sollen nämlich die ersten 1600 Wohnungen fertiggestellt sein, wie Wohnbaustadtrat Michael Ludwig am Dienstag erklärte. "Interessenten können sich schon jetzt vormerken lassen", so Ludwig. Die U2-Station Seestadt soll bereits nächstes Jahr eröffnet werden.
Angesiedelt werden die Bauten im Südwesten des Areals. Zwar werden die Wohnungen ohne Fördermittel errichtet, aber durch günstige Darlehen der Stadt sollen ähnlich vorteilhafte Konditionen wie beim geförderten Wohnbau angeboten werden. Wobei die Vergabe der Darlehen durch die "Wohnbauinitiative" an Mietzinsobergrenzen und Qualitätskriterien geknüpft sind, so Ludwig.
Die ersten 1600 Einheiten werden vom Partnerkonsortium Wiener Städtische, Erste Bank gemeinsam mit acht Bauträgern auf 14 Bauplätzen errichtet. Zwei davon liegen direkt am projektierten, 50.000 Quadratmeter großen See, dem Herzstück des neuen Stadtteils. Sieben weitere befinden sich nahe dem sogenannten Westpark.
Mit einer Reihe von geförderten Projekten entsteht bis 2016 schließlich ein Angebot mit mehr als 2800 Wohnungen für rund 6000 Menschen. Im Vollausbau sollen dann ab 2028 rund 20.000 Menschen am ehemaligen Flugfeld leben und arbeiten.
Neu ist laut Ludwig, dass für alle Bauplätze der Wohnbauinitiative ein zweistufiges kooperatives Planungsverfahren durchgeführt wurde: Im ersten Schritt wurden mit allen Teilnehmern (Bauträger, Architekten, Freiraumplaner) gemeinsame Planungsworkshops abgehalten. Im zweiten Schritt folgten Jurysitzungen mit dem Fachbeirat, um dessen Kritik und Verbesserungen an den vorgelegten Projekten zu diskutieren.
Damit können laut Ludwig auch die Archäologen aufatmen, die wahre Schätze auf dem Areal gefunden haben - und nun fünf Monate Zeit haben, diese zu bergen. Zwar steht es den Bauträgern laut Denkmalschutzgesetz frei, mit welchen archäologischen Grabungsfirmen sie zusammenarbeiten wollen - weswegen die Archäologen auch eine Zersplitterung des Areals befürchten. "Im zweistufigen Planungsverfahren werden die Bauvorhaben der einzelnen Bauträger als Gesamtkonzeption verstanden", meinte Ludwig. Eine Aufsplitterung der Grabungsarbeiten würde die Gefahr mit sich bringen, den Zeitplan zu gefährden - "und daran ist sicherlich niemand interessiert".
Verkehrskonzept in Progress
Angesprochen auf die im Februar veröffentlichte Verkehrskonzeptanalyse der TU-Wien, die der Seestadt ein schlechtes Zeugnis ausstellt, verwies Ludwig auf Studien, die zu anderen Ergebnissen gekommen seien. "Das wichtigste ist, dass die Seestadt schrittweise wächst - und man immer die Möglichkeit hat, Veränderungen vorzunehmen. Ich halte nichts von einem Reißbrett-Prinzip", sagte Ludwig.
Und genau das wurde laut der Projektleitung Aspern bei der TU-Studie benutzt: "In der Analyse wurde eine sehr spezifische Methode aus den 80er Jahren angewendet, die nützlich ist, um geometrische Aussagen zu treffen - aber nicht, um zu hinterfragen, ob sich die Menschen im öffentlichen Raum wohlfühlen", hieß es.
Außerdem sei die Analyse in Form einer Diplomarbeit bereits im Jahr 2010 an der TU eingereicht worden und beziehe sich daher auf den Masterplan 2007 der Seestadt Aspern. "Das heißt, die Ergebnisse wurden zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, an dem der Masterplan schon überarbeitet war", meinte Projektleiterin Christine Spiess. Die Expertin räumte allerdings auch ein, dass man allen Anregungen nachgehe, sie genau studiere, diskutiere und gegebenenfalls auch einfließen lasse. So befinde sich der Masterplan für den Nordteil der Seestadt gerade wieder in einer Überarbeitungsphase.
"Mensch im Mittelpunkt"
Bei der Entwicklung der Seestadt stehe der Mensch im Mittelpunkt - dies gelte insbesondere für das Mobilitätskonzept. Fußgänger und Radfahrer würden gegenüber dem Auto bevorzugt behandelt. Und das schlage sich in der Straßengestaltung nieder, erklärte wiederum Seestadt-Sprecher Nikolaus Summer. Außerdem seien es nicht die Straßen alleine, sondern vor allem die Infrastruktur, die einen Stadtteil als Zentrum etablieren.