Gleich neben der berühmten Porzellanmanufaktur Augarten und nur durch eine Glastür von ihr getrennt, findet sich seit Juni 2011 das Restaurant "décor". Dass dem so ist, beruht aber eher auf einem Zufall, erzählt Florian Glatzner, der seit zehn Jahren die Szenelokale "Lakeside" und "Sunset" am Wörthersee führt, dem "Wiener Journal". "Ich hatte gemeinsam mit meinem Partner eine Besprechung bezüglich eines Firmenevents in der Porzellanmanufaktur und da hat man uns gesagt, dass in einem Flügel des Gebäudes ein Restaurant eröffnet werden soll. Wir haben dann schnell ein Daumen mal pi-Konzept eingereicht - und es wurde genommen!" Dank der unglaublich schönen Lage und etlicher sonniger Tage wurde das Lokal im Sommer buchstäblich überrannt, was sich als große Herausforderung für Küche und Personal erwies: "Wir haben drinnen 100 und draußen 150 Plätze, das ist schon eine Aufgabe", erinnert sich Emanuel Grasl, Glatzners Partner.
Dass sich das "décor" trotz allen kritischen Beäugens zu einem echten Hotspot entwickelte, ist auch der Küche von Hubert Rausch zu verdanken. Der Haubenkoch fand nach Jahren des Wanderns durch Deutschland und Österreich im "décor" einen Ort, an dem er sich verwirklichen kann. "Wir haben anfangs ein bisschen probiert", gesteht der Herr über ein Team von fünf Köchen und zwei Abwäschern, "sind aber bald draufgekommen, dass wir bei den Gerichten zu viele internationale Anklänge hatten. Heute kochen wir traditionelle österreichische Küche mit modernen Aspekten. Und ich zaubere gerne aus - scheinbar - unscheinbaren Dingen tolle Sachen."
Weil sich Rausch am liebsten durch die Natur inspirieren lässt, gibt es im "décor" nur Produkte aus der Region, die von heimischen Biobetrieben geliefert werden. Die Kräuter pflückt der Koch aus Leidenschaft gleich im Garten: "Wir wollen den Eigengeschmack der Gerichte hervorheben, ihn nicht durch zu viel von allem Möglichen zudecken." Dass nur Saisonales auf den Tellern landet, ist für Rausch selbstverständlich: "Bei mir gibts sicher keine Erdbeeren im Winter."
Auf der Standard-Karte finden sich Klassiker wie Wiener Schnitzel und Alltime-Favoriten wie das süße Schwein. Daneben gibt es Specials, die sich unter anderem nach der Jahreszeit, besonderen Produkten oder speziellen Anlässen richten. So kommt nach der Bärlauch-Saison natürlich der Spargel, für Sportler gibt es einen eigenen Fitness-Brunch und für den Muttertag lässt sich Hubert Rausch selbstverständlich etwas Außergewöhnliches einfallen. "Wir werden aber auch gegen bestimmte Trends gehen und deshalb werden wir zu Martini keine Gans servieren", lässt er aufhorchen. Was er stattdessen kochen wird, verrät er aber natürlich noch nicht...

Die Speisekarte des "décor" überrascht aber nicht nur mit hervorragenden Gerichten, die alle auf eigens von der Augarten Porzellanmanufaktur für das Restaurant kreiertem Geschirr serviert werden, sondern auch mit leistbaren Preisen. Die speziellen Mittagsgerichte kosten durchwegs sieben Euro, bei à la carte beginnen Suppen bei etwa fünf Euro, Vorspeisen bei neun Euro, Hauptgerichte bei circa 14 Euro. Platz lassen sollte man unbedingt für eines der köstlichen Desserts, die selbstverständlich so wie auch das Eis im Haus erzeugt werden. Die Preise gehen hier von etwa fünf Euro aufwärts. Die Weinkarte, die demnächst erweitert wird, bietet eine große Auswahl ausgezeichneter heimischer Weine, die durch einige ausländische gut ergänzt wird.
Das "décor", das übrigens ausgesprochen hundefreundlich ist, zeigt sich aber nicht nur in Sachen Kulinarik kreativ und innovativ: Für Kinder gibt es jeden ersten Sonntag im Monat einen eigenen Kids Brunch: Neben speziellen Kindergerichten sorgt auch der Zauberer "Magic Quin" von zehn bis 15 Uhr für gute Laune. Und währenddessen können die Eltern in aller Ruhe das Essen und den Ausblick genießen. Quasi als Einstimmung auf den Muttertag findet der erste Kids Brunch bereits am 6. Mai statt. Geplant ist künftig am Sonntag ein DJ-Frühstück in der Lounge, auch eine Weinverkostung mit passendem Menü ist angedacht, "aber das muss noch etwas reifen", lachen Glatzner und Grasl. Und Hubert Rausch nickt leise lächelnd dazu...
Artikel erschienen am 27. April 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 34-35