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Stadtleben

Update: 16.05.2012, 10:19 Uhr
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Essen im Untergrund


Von Bettina Figl

  • Alternative Kochprojekte sind derzeit in aller Munde. Das "Wiener Journal" hat sich umgesehen und durchgekostet.

Tanz, Musik und Essen bei "La Petite Orgie". - © Bettina Figl / unknown

Tanz, Musik und Essen bei "La Petite Orgie". © Bettina Figl / unknown

Bewaffnet mit Kochlöffeln, Tranchiermessern und Pfannen besetzen sie Baustellen, Schiffdecks und Landhäuser. In Kantinen oder Betriebsküchen kreieren sie ausgetüftelte Speisen, um sie dann einer Gruppe bunt zusammengewürfelter Menschen aufzutischen. Immer mehr Köche suchen den besonderen Kick abseits von Großküchen - und den Gästen schmeckt‘s.

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Bei alternativen Kochprojekten steht das soziale Element oft im Mittelpunkt - und der Nervenkitzel, nicht zu wissen, was einen erwartet. Social Dining, Guerilla Küche oder Secret Dining: Das Kochen abseits von Restaurants hat viele Namen. Seinen Ursprung hat es in den kubanischen Secret Supper Clubs.

Illegal gekocht wird aber nicht nur unter Fidel Castro: Bei vielen Koch-Happenings wird ohne Gewerbeschein tranchiert und gebraten, manche agieren auf Vereinsbasis und dürfen eigentlich kein Geld verlangen. Oft ist es deshalb nicht einfach herauszufinden, wo gekocht wird - und einen Platz auf den heiß begehrten Gästelisten zu ergattern sowieso.

Secret Dinner

Information

Die Küchenguerillas kochen voraussichtlich vom 6. bis 10. 6. in Wien (BIM / Foxhouse / Feschmarkt)

Um etwa zu Eschi Fieges Secret Dinner eingeladen zu werden, muss man die richtigen Leute kennen - oder Glück haben. Denn es ist auch schon vorgekommen, dass die Köchin jemanden in ihren E-Mailverteiler aufgenommen hat, der sie nett angeschrieben hat. Ansonsten gilt: Man darf nur als Begleitung eines geladenen Gastes mitkommen. Maximal zwölf Leute speisen an einem Abend in ihrer Wohnung, es gibt Zigenkäsetarte, Landbrot mit Butter und Blütensalz oder Erbsensuppe. Fieges neuester Clou ist ihr privater Mittagstisch: Wenn das karierte Tischtuch ausgehängt ist, heißt das: Es wird aufgekocht. Mit ihren Gerichten will die Köchin, die gleichzeitig auch Autorin ist, ihren Gästen eine Auszeit aus dem Alltag bieten, um sie danach wieder gestärkt in ihr Leben zu entlassen. Für Fiege ist Kochen eine Leidenschaft, die sie schon ihr Leben lang begleitet: "Als Kunststudentin in Hamburg, mit Liebeskummer in New York oder verrückt vor Liebe in Griechenland." Preise auf Anfrage.

Geheime Schnatterei
Auch die "Geheime Schnatterei" hat inzwischen eine eigene Fangemeinde, die via E-Mailverteiler informiert wird, wann wieder gerührt, gemixt und geschlagen wird. Das tut die ausgebildete Köchin Bianca allerdings nicht bei sich zu Hause, sie übernimmt lieber das Kommando in fremden Küchen. Die 35-Jährige kocht in Wiener Dachgeschoßwohnungen und Linzer Passivhäusern, ihre Menüs serviert sie Schuldirektoren genauso wie Studenten. Wichtig ist der Küchenchefin, dass sich unterschiedlichste Menschen am Esstisch versammeln. Zwischen jedem der vier Gänge werden Plätze gewechselt, schon beim Prosecco sollen sich alle kennenlernen. Das Menü ist saisonal und regional ausgerichtet, und das alles gibt es zu einem günstigen Preis - schließlich ist es "nur ein Hobby", so die Köchin.

La Petite Orgie. Neu im Biotop der alternativen Wiener Kochprojekte ist "La Petite Orgie": Die Orgie wurde erst zweimal, vorerst noch im erweiterten Freundeskreis, gefeiert. Die Idee stammt von einer Gruppe junger Künstler, an zwei Sonntagabenden pro Monat wollen sie von nun an das "Spirali" im 6. Bezirk in einen Ort der Völlerei verwandeln. Zur Auswahl steht ein Menü mit, eines ohne Fleisch - wiewohl das Testessen des "Wiener Journals" zeigt: Ziegenkäse, asiatische Glücksrolle, Artischocke im Ganzen und ein süßer "Ziegelstein" sind durchaus auch für Fleischesser eine schmackhafte Alternative.

Als wäre Essen nicht schon genug Sinneserlebnis, gibt es den ganzen Abend lang Live-Musik, und zwischen den Gängen wird es wild: Als Vorbild diente "Palazzo", doch mit zeitgenössischem Tanz, Gesang und Poesie will man die Besucher auch ein bisschen vor den Kopf stoßen: "Das Ziel des Abends ist, dass die Leute rausgehen und sich fragen: Was war denn das?’", erklärt der 30-jährige Koch Johannes Bodingbauer, der die Gäste auch tagsüber im Pastalokal Spirali bekocht. Für 45 Euro bekommt man ein viergängiges Menü mit Performance, über kleine technische Ungereimtheiten sollte man hinwegsehen können.

365 Fox House. Pop up cooking bedeutet, dass nur temporär gekocht wird - zum Beispiel ein Jahr lang, so wie es im 365 Fox House geplant war. Doch dem macht der Vermieter einen Strich durch die Rechnung, im Juni müssen die Füchse das Gebäude in der Westbahnstraße im 7. Bezirk wieder verlassen haben. Bis dahin gibt es im Fox House Kunst, Mode und natürlich Essen.

Betonküche
Genaugenommen hatte im Fox House die Betonküche ihre Anfänge. Die Ambitionen dieses Projekts gehen aber über Kulinarisches hinaus: Es wird in unbenutzten Kellergassenlokalen gekocht, um diese wiederzubeleben. "In Wien gibt es viele leerstehende Lokale, offiziell sind es 1000, inoffiziell noch viel mehr. Dort passiert nichts, und wenn, dann nur temporär und eher kunstlastig", sagt Martin Fetz, einer der drei Köpfe hinter dem Projekt. Mit ihm zeichnen Morrison Club-Betreiber Javier Enrique Mancilla Martinez und der Architekt Jonathan Aron Lutter für das Projekt verantwortlich.

Private Dinner bei Eschi Fiege.

Private Dinner bei Eschi Fiege.© eschifiege.com Private Dinner bei Eschi Fiege.© eschifiege.com




Schlagwörter

Wiener Journal, Kulinarik, Wien

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-09 10:23:13
Letzte Änderung am 2012-05-16 10:19:29


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