Groß, grau und bedrohlich steht es da, das Geisterschloss im Wiener Prater. Und wer es wagt, daran vorbeizugehen, dem raunt die dunkle Stimme des Monsters über dem Eingang zu, er möge doch seinen Mut beweisen und eine Runde fahren. Und wer es tut, den umfängt gleich nach dem Einfahren absolute Dunkelheit. Das Poltern der Wagenräder auf den Schienen wird untermalt von gruseligen Geräuschen - bis aus dem Nichts das erste Ungeheuer auftaucht, begleitet von einem hellen Lichtblitz. Und noch während man den ersten Schreck verdaut, wird es wieder zappenduster, weiter geht die Fahrt hinein in den Schlund des Schlosses, das innen auf einmal viel größer wirkt als von draußen. Wer nicht vor Angst die Augen zumacht, sieht immer wieder Gestalten seitlich auftauchen, die so rasch wieder verschwinden, dass man nachher gar nicht mehr so richtig weiß, was man da wahrgenommen hat. Gruselig sind sie jedenfalls. Und plötzlich, mitten im Dunkeln, streift den beiden Insassen des Waggons etwas durch die Haare - ein spitzer Schrei entfährt einer von ihnen. Doch Zeit zum Nachdenken, was das soeben gewesen sein könnte, bleibt nicht, weiter geht die Fahrt, diesmal bergauf. Denn - Überraschung! - das Geisterschloss hat zwei Etagen, und oben angekommen fährt man unvermutet ins Freie und schaut hinaus auf die gegenüberliegenden Prater-Attraktionen. Aber der Ausblick währt nur kurz, denn schon geht es wieder hinein in die Geisterbahn, wo nun ein giftgrünes Gitter mitten im Weg auftaucht, aber der zweisitzige Waggon fährt einfach mittendurch, um die Kurve und - nein, er braust doch nicht bergab wie zunächst befürchtet, sondern ruckelt und zuckelt gemächlich wieder die Schräge hinunter, also noch eine kurze Verschnaufpause, um neuen Mut zu schöpfen für den letzten Abschnitt, ehe es wieder stockdunkel wird - bis plötzlich in der Kurve ein Blitzlicht schreckt und zwei Silhouetten auftauchen, ach das waren bloß die beiden Fahrgäste selber, im Spiegel, aber erschrocken sind sie schon, und noch einmal nimmt der Wagen an Fahrt auf, aber das Ende kann nicht mehr weit sein, schau, da ist schon der Blutspucker, gleich kommt der Ausgang, schon geht das Tor auf und - huch! Das war jetzt aber wirklich ein Schock, dabei war es doch nur der Geisterbahn-Mitarbeiter, der ihnen eine Maske vors Gesicht gehalten hat ...
Etwa zwei Minuten dauert die Fahrt in Wiens ältester noch bestehender Geisterbahn. Am 17. März 1955 wurde das Geisterschloss von der Praterfamilie Kolnhofer eröffnet, seit damals ist es ein Familienbetrieb, den 1981 Alice Kolnhofer, die zur dritten Generation gehört, von ihrem Onkel übernommen hat. Neben dem Geisterschloss betreibt sie noch zwei weitere Fahrgeschäfte im Prater, ihre Schwester besitzt acht Prater-Attraktionen. Die Ausstattung des Geisterschlosses wurde seinerzeit zum Teil von einer anderen Prater-Geisterbahn übernommen, mittlerweile hat Kolnhofer aber schon vieles ausgetauscht. Neu im Programm ist zum Beispiel ein Laserlicht, durch das die Geisterbahnpassagiere durchrauschen. "Das habe ich in Shanghai gesehen und für Wien adaptiert", erzählt sie. Doch obwohl auch im altehrwürdigen Geisterschloss in den vergangenen 57 Jahren einiges modernisiert wurde, hat es immer noch eine gewisse nostalgische Atmosphäre. Vielleicht ist es auch einfach das leicht muffige Flair, das mitten in die gruselige Stimmung auch einen kleinen Hauch von Heimeligkeit bringt.
Wien. Es ist entschieden: Die zum Meinl-Imperium gehörende Heidi Chocolat mit Sitz in Rumänien kauft den insolventen Wiener Schwedenbombenhersteller...weiter