• vom 18.05.2012, 17:13 Uhr

Stadtleben

Update: 21.05.2012, 09:29 Uhr
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Das Styling der Gäste muss exhibitionistisch, opulent oder provokativ sein, Straßenkleidung ist dagegen tabu

Mit Clinton zur Geburtstagsparty


Von Christoph Rella

  • Life Ball feiert 20 Jahre - und will zum Einstand zwei Millionen Euro lukrieren.

Wien.

Wie in den Jahren zuvor wird das Rathaus auch heuer die Ballfarbe "Magenta" tragen.

Wie in den Jahren zuvor wird das Rathaus auch heuer die Ballfarbe "Magenta" tragen.© APA/HERBERT PFARRHOFER Wie in den Jahren zuvor wird das Rathaus auch heuer die Ballfarbe "Magenta" tragen.© APA/HERBERT PFARRHOFER

Geburtstagskerzen auszublasen ist keine große Kunst. Dagegen ist der Kampf gegen die Ignoranz der Menschen meist harte Arbeit. Besonders dann, wenn es um Vorurteile gegen Homosexuelle oder die gesellschaftliche Ächtung Aids-Kranker geht. Gery Keszler, der Erfinder des Wiener Life Balls, weiß um die Zerstörungskraft des Feuers - und hat deswegen für das bunte Spektakel am Wochenende am Rathausplatz die Parole "Fighting the Flames of Ignorance" ausgegeben. Dazu passt auch das Thema des Balls, wobei hier der im Jahr 2008 begonnene Zyklus der Elemente nach "Erde", "Wasser" und "Luft" nun mit dem vierten und letzten Element "Feuer" seinen Abschluss erfährt.

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Was nun die rund 6000 Gäste beim 20. Life Ball erwartet, ist eine mit unzähligen Stars aufpolierte Mischung aus Nobelball, Charity-Event und Geburtstagsparty. So treffen Ex-US-Präsident Bill Clinton - er wurde bereits am Freitag in Wien mit dem Award des "Center for Global Dialogue and Cooperation" ausgezeichnet - und Antonio Banderas beim "Red Ribbon Celebration Concert" im Burgtheater auf die Wiener Philharmoniker. Bundespräsident Heinz Fischer wiederum gibt bei der von Francesca Habsburg ausgerichteten "Aids Solidarity Gala", zu der 350 betuchte Gäste erwartet werden, in der Hofburg den Ehrenschutz. Dabei wird unter anderem ein von Gery Keszler entworfenes und handgefertigtes Collier versteigert.

Womit auch geklärt ist, worum es den Machern des Life Ball eigentlich geht - darum, möglichst viel Geld für Maßnahmen zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids sowie für die Behandlung von HIV-positiven Patienten zu lukrieren. 2011 kamen auf diese Weise 1,9 Millionen Euro zusammen. Geht es nach den Veranstaltern, soll nun heuer die Zwei-Millionen-Euro-Grenze übersprungen werden.

Dress-Code: "Sei lasziv und sexy, sinnlich oder vulgär"
Einen nicht unbeträchtlichen Beitrag leisten hierzu traditionell die Ballgäste. Rund 95.000 Personen aus 73 Staaten hatten sich in den vergangenen Wochen online registriert, um so - wenn auch nur per Losentscheid - an eine der begehrten Eintrittskarten zu kommen. Und die sind mit 75 Euro nicht gerade billig. Wer ohne Verkleidung beim Life Ball antanzt, muss sogar 100 Prozent des Preises draufzahlen. Überwacht wird der Dress-Code, der in "zwölf Geboten" festgehalten ist, von einer eigenen "Style-Polizei".

Demnach muss das Outfit eines jeden Partygängers entweder "spektakulär, opulent, glamourös, phantasievoll, provokant oder exhibitionistisch" sein. Nur "ausziehen alleine reicht nicht", heißt es in den Anforderungen. Dagegen ist jede Provokation ausdrücklich erwünscht: "Verführe mit deinem Styling, sei lasziv und sexy, sinnlich oder auch vulgär." Nachsatz: "Benutze Kondome!" Straßenkleidung wie Jeans oder Turnschuhe sind dagegen "eine schwere Life Ball-Sünde". Wer sich nicht "stylen" möchte oder kann, wird nur in eleganter Abendgarderobe vorgelassen.

Klavierbauer wollte Flügel nicht zur Verfügung stellen
Ausnahmen gibt es keine. Womit die strengen "Bekleidungsregeln" auch für all jene Gäste gelten, die über ein so genanntes "Late Night Ticket" verfügen. Die heuer erstmals aufgelegte Ballkarte berechtigt - je nach Verfügbarkeit - ab 2 Uhr Früh zum Besuch des Festgeländes und kostet 50 Euro.

Rückblickend sind die Veranstalter heute, 19 Jahre später, mit dem Erfolg zufrieden. Mit Keszler von Anfang an mit dabei war der Moderator Alfons Haider. "Keiner wusste, ob der Ball funktionieren wird. Aids war damals eine unheilbare Schwulenpest", erinnert sich der Entertainer heute an jenen 29. Mai 1993, an dem der Life Ball im Wiener Rathaus Premiere feierte. Damals sei ein Auftritt für Prominente oder auch Politiker noch keine leichte Entscheidung gewesen. "Die Schwulencommunity war damals noch extrem angefeindet. Die Leute haben einen gefragt, was man bei dem Ball so macht", erzählt Haider, der 2012 zum 20. Mal als Moderator (mit Mirjam Weichselbraun) auf der Bühne stehen und gegen die "Ignoranz" anreden wird.

Denn dass die "Flames of Ignorance" nach wie vor nicht zu lodern aufgehört haben, hat zuletzt auch Keszler bei der Suche nach einem geeigneten Flügel für den Life Ball feststellen müssen. Wie die "Wiener Zeitung" erfuhr, soll ein Wiener Klavierbauer eine Anfrage der Veranstalter mit der Begründung abgelehnt haben, dass man "so etwas" nicht mache. Den Flügel soll nun die US-amerikanische Konkurrenz liefern.




Schlagwörter

AIDS, Rathaus, Clinton, Lifeball

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-18 17:20:12
Letzte Änderung am 2012-05-21 09:29:17


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