
Wien. (bs) Dort wo derzeit noch Metallschneider kreischen, farbige Kabelbündel von der unverkleideten Decke hängen und Staubwolken die Passanten einnebeln, in der U-Bahn-Passage unter dem Karlsplatz, soll demnächst Kunst entstehen. Der österreichische Künstler Ernst Caramelle hat den zweistufigen Wettbewerb gewonnen und wird die 70 Meter lange Wand zwischen Opernpassage und Ausgang zum Resselpark mit seiner Wandmalerei mit "freskohaftem Charakter" gestalten. Genauer gesagt liegt das Kunstwerk hinter einer Wand aus Weißglas, um das Kunstwerk vor möglichem Vandalismus zu schützen.
Dass die Passage künstlerisch gestaltet und nicht kommerziell verwendet werden soll, entschieden die Stadt Wien und die Wiener Linien 2009. "Der Karlsplatz ist mit täglich über 200.000 Passanten die Wiener Nahverkehrsdrehscheibe schlechthin - und damit ein idealer Ort für Kunst im öffentlichen Raum", so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny bei der Präsentation des Siegerprojekts.
Wandmalerei als Herzstück der Passage
Bei dem Wettbewerb, zu dem neun international anerkannte Künstler geladen waren, wurden einerseites Entwurfsideen für ein Kunstwerk gesucht, das dem Durchgangs-Charakter der Ortes und auch dessen Geschichte Rechnung trägt. Andererseits mussten auch technische Rahmenbedingungen beachtet werden, so fällt die Passage unter das Eisenbahnrecht und die verwendbaren Materialien müssen eine Brandschutzklasse A 1 gewährleisten, weshalb nur mit Stein, Glas, Email oder Ähnlichem gearbeitet werden kann. Eine weitere Vorgabe an die Künstler war, dass sich die Ideen im Rahmen des Budgets von 500.000 Euro umsetzen lassen müssen. Eine genaue Kostenkalkulation gibt es noch nicht, "das Budget wird aber nicht ausgeschöpft werden", so Bettina Leid, Wettbewerbsleiterin Kunstpassage Karlsplatz, bei der Präsentation.
Umgesetzt wird nun eben die Wandmalerei von Ernst Caramelle. Diese spiegelt die architektonische Situation der langgezogenen Passage wider. Durch asymmetrische Farbfelder sollen neue Symmetrien entstehen, wenn eine Fläche aus einer Perspektive wie ein Rechteck erscheint, aus einer anderen wie ein Quadrat. Neben der davorliegenden (Schutz-)Wand aus Weißglas gehört auch die gegenüberliegende Passagenwand mit Teilverspiegelung zur Gesamtkomposition. "In den frühen 80er Jahren habe ich mit topografischen Inszenierungen begonnen. Fast alle Raummalereien waren nur eine begrenzte Zeit zu sehen und verschwanden nach der Ausstellung. Deshalb freut es mich, dass ich nun die Gelegenheit habe, mit der Wandmalerei ein dauerhaftes Werk für den öffentlichen Raum zu schaffen", kommentiert der Künstler sein Projekt.
Künstlerische Gestaltung startet ab sofort
Die Umsetzung beginnt ab sofort. In diesen Tagen finden bereits die ersten Planungsgespräche statt. Die Fertigstellung ist im Frühjahr 2013 geplant. Bereits ab August 2012 wird die Passage wieder für den Durchgang geöffnet sein, da das Malen zum Schutz für die Glaswand hinter abgeklebten Scheiben statt findet, kann man dem Künstlern dann nur bedingt bei der Arbeit über die Schultern schauen.