Wien.

Für Bäder-Sprecher Martin Kotinsky kam der Rekord doch etwas überraschend, denn bisher galt die eiserne Regel, dass solche Spitzen nicht in den Ferien möglich sind (weil viele schon im Urlaub weilen): "Aber 37 Grad zwei Tage hintereinander waren halt doch sehr viel." Mit dem Rekordtag kletterte die Besucherfrequenz auch über die Eine-Million-Marke, wobei der diesjährige Sommer aufgrund des kalten Mais noch weit entfernt von einem Saisonrekord ist. "Dazu bräuchten wir im Juli und August noch einmal jeweils eine Million Gäste", gibt Kotinsky zu bedenken. Zum Vergleich: Im "Super-Sommer" 2003 suchten 3,13 Millionen Gäste Abkühlung in den Wiener Sommerbädern.
Allerdings sorgte der Ansturm auch für lange Wartezeiten und teils großen Unmut bei den Gästen: "Zweite Kassa, bitte!", tönte es etwa in der langen Schlange vor dem Angelibad an der Alten Donau - der mehr verzweifelte denn scherzhaft gemeinte Ruf blieb allerdings ungehört. Die Wartezeit betrug bereits um 10.30 Uhr mehr als eine Stunde; vor allem deshalb, weil tatsächlich wie eh und je nur eine Kassa geöffnet hatte: Eltern samt quengelnder Kinder mussten großteils in der prallen Sonne ausharren, einige gaben entnervt auf und suchten woanders einen Schattenplatz in Wasser-Nähe.
"Nur eine Kassa möglich"
Laut Kontinsky sei im Angelibad baulich nur eine Kassa vorgesehen, und da diese computerunterstützt sei, könne auch keine mobile nebenan hingestellt werden. "Früher ist man an solchen Tagen noch mit dem Kartenblock und der Handkassa durchgegangen, das geht heutzutage nicht mehr." Normalerweise würde eine Kassa für ein kleineres Bad auch ausreichen; laut Kotinsky sei es auch in anderen Bädern zu halbstündigen oder noch längeren Wartezeiten gekommen. "Wir appellieren immer, dass sich die Gäste Monatskarten kaufen - dann kann man gleich durchgehen. Schließlich rentieren sich die schon ab vier Mal." (Erwachsene zahlen pro Tag 5 Euro, pro Monat 18,70 Euro). Freilich hätte man sich am Sonntag für die Juli-Karte auch anstellen müssen.
Zumindest in den nächsten Tagen bleibt es weiterhin bei Badewetter: Meteorologen prophezeien zwar keine Rekorde mehr, aber durchwegs Temperaturen jenseits der 30 Grad - am heißesten bleibt es weiterhin in Ostösterreich. Stetig steigen dürfte allerdings die Gewittergefahr. Bereits Sonntagabend kam es in Ober- und Niederösterreich zu lokalen Unwettern mit Starkregen und Hagelschlag. Besonders stark betroffen waren die Mühlviertler Bezirke Freistadt, Perg und Urfahr-Umgebung, wo 900 Feuerwehrleute im Einsatz standen.
Durch die Hitze kann es auch wieder vermehrt zu Unfällen mit Gasthermen kommen: Am Samstag mussten in Wien vier Personen mit Verdacht auf Kohlenmonoxid-Vergiftung in Krankenhäuser gebracht werden; am Sonntag konnte eine leblose Frau in Margareten gerade noch reanimiert werden - sie schwebte vorerst noch in Lebensgefahr. Experten raten, Gasthermen warten zu lassen, da es sonst bei heißem Wetter und Unterdruck in den Wohnungen zu tödlichen Unfällen kommen kann. Doch auch im kühlen Pool ist man vor tödlichem Ausgang nicht gefeit: Bereits am Freitag erlitt eine 68-jährige Pensionistin aus St. Florian (Bezirk Linz-Land) beim Schwimmen im eigenen Pool einen Herzinfarkt. Sie verstarb in der darauffolgenden Nacht im Krankenhaus.