• vom 13.07.2012, 17:35 Uhr

Stadtleben

  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Für eine echte Metropole fehlen Wien noch ein paar Millionen Einwohner, aber Wien hat genug Charakter, um sich als Großstadt bezeichnen zu können

Wie sehr ist Wien eine echte Großstadt?


Von Christian Rösner

  • Laut Stadtpsychologin sitzen die Wiener am liebsten im Beisl.

"Wiener Zeitung":Laut Mercer-Studie ist Wien die lebenswerteste Stadt der Welt. Darf sich aber Wien als Großstadt bezeichnen, wenn um 19 Uhr die Rollbalken heruntergelassen werden?

Werbung

Cornelia Ehmayer: Das hängt mitunter von der Größe der Stadt und der Kultur ab. Berlin ist zum Beispiel deutlich größer als Wien. Und Barcelona hat ein sehr aktives Nachtleben, was wiederum Teil der südlichen Kultur ist - dort hält man sich einfach viel mehr im Freien auf. Als Metropole gilt Wien angeblich ohnehin nicht mehr. Da müssten wir schon mehrere Millionen Einwohner mehr haben. Aber ich würde sagen, dass für eine Großstadt die Grenze bei einer Million Einwohnern liegt. Der Ladenschluss um 19 Uhr ist für Shopping schon sehr früh, aber jede Stadt hat einfach ihren eigenen Charakter. Venedig zum Beispiel ist keine Großstadt, noch viel extremer mit den Öffnungszeiten - und trotzdem weltbekannt.

Ist es die Wiener Gemütlichkeit, die diese "Ruhe" in der Stadt ausmacht?

Die Rollgitter heruntergelassen werden in Wien teilweise bereits um 19 Uhr.

Die Rollgitter heruntergelassen werden in Wien teilweise bereits um 19 Uhr.© APA Die Rollgitter heruntergelassen werden in Wien teilweise bereits um 19 Uhr.© APA

In Wien findet alles eher drinnen statt. Wir haben nicht die Tradition, öffentliche Plätze für uns zu nutzen. Es gibt natürlich schon Clubs, die bis vier Uhr Früh offen sind. Aber durchgehend einkaufen war bei uns eigentlich nie ein sehr großes Thema - und der Sonntag ist den Österreichern ohnehin heilig. Bei uns übernimmt hier die Gewerkschaft schon fast das Katholische.

Und man darf nicht vergessen, dass es in Wien schon einzelne Tourismus-Orte gibt, wo es Sonderregelungen gibt. Aber da müssen sich eben die Tourismus-Orte anpassen. Und das mögen die Wiener nicht. Da sind sie sehr selbstbewusst und sagen: Wien ist eh super, da müssen sich halt die Touristen anpassen, wenn ihnen was zuwider ist.

Das heißt, die Spanier sind anpassungsfähiger?



Die Spanier waren eine Zeit lang Wien deutlich voraus in Sachen öffentliche Plätze, öffentlicher Raum. Vor 10, 15 Jahren ist man nach Barcelona gefahren, um zu schauen, wie die ihren öffentlichen Raum gestalten und beleben. Dass in den spanischen Städten die Geschäfte so lange geöffnet haben, ist eher wieder eine Frage der Mentalität. In Italien ist man schließlich auch nicht so freizügig.

Und was ist dann zum Beispiel mit Berlin?

Berlin ist die einzige europäische Stadt, die wirklichen Metropolen-Flair hat. Und Berlin ist die Stadt, die bereits seit 20 Jahren als jung, offen und dynamisch gilt. Diese Worte wendet man für Wien sicherlich nicht an. Auch Hamburg ist hier viel konservativer. Und London pulsiert auch nicht dauernd. Berlin ist hier sicherlich eine Ausnahme.

Also wird es nichts mehr aus der Partymetropole Wien?

Ganz so ist es nicht - es gibt schon eine junge Szene, die ich als dynamisch bezeichnen würde. Aber je älter sie werden, desto mehr halten sich die Wiener zum Beispiel beim Heurigen auf. Vor kurzem hat mir ein noch nicht so alter Mensch gesagt: Der Wiener ist nicht gerne draußen. Der Wiener sitzt lieber im Beisl. Und ich finde, das trifft es ganz gut.

Schließlich kommt auch die Psychoanalyse aus Wien - und die bedeutet eine Wendung nach innen. Außerdem wurden die Wiener noch vor 20 Jahren bestraft, wenn sie sich im Burggarten auf die Wiesen gelegt haben. Wenn alles so streng reguliert ist, nimmt sich auch keiner viel Raum. Und ich fürchte, daran wird sich nicht viel ändern.

Was macht nun also eine Großstadt aus?

Ich würde sagen: ein unverwechselbarer Charakter. Und den hat Wien - aber nicht wegen der Geschäfte oder der Partyszene. Jeder hat ein Bild von Wien - aber touristisch gesehen hat das oft eben auch mehr mit Sisi, Schönbrunn und Johann Strauß zu tun. Ob einem das gefällt oder nicht, ist eine andere Geschichte.

Zur Person



Cornelia Ehmayer

ist Gründerin und Leiterin der Stadtpsychologischen Praxis Ehmayer (www.stadtpsychologie.at).




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-13 17:42:27


Beliebte Inhalte



Rolltreppen machen mobil - und putzen auch Schuhe. - Zinner
  • Eine kaum bekannte Eigenschaft der Rolltreppen - sie erzeugen Strom.
  • weiter

Der Radfahrverkehr soll gefördert werden. - apa/Helmut Fohringer
  • Hitzige Debatte im Gemeinderat - Öffnung von Einbahnen für Radfahrer.
  • weiter

Werbefigur der Firma Niemetz. - APAweb/GEORG HOCHMUTH Wien. Es ist entschieden: Die zum Meinl-Imperium gehörende Heidi Chocolat mit Sitz in Rumänien kauft den insolventen Wiener Schwedenbombenhersteller...weiter

Hier wird vereint, was vor ein paar Jahren für Kopfschütteln sorgte. - Mazak
  • Am 23. Mai eröffnet die Wohngemeinschaft offiziell ihre Pforten.
  • weiter

Modelle wie "Shared Space" (hier der Probebetrieb auf der Mariahilfer Straße) sind die Zukunft. - apa / Herbert Neubauer
  • Schwarz: Kürzere Wege und höhere Spritpreise als Mittel gegen das Auto.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Der Radfahrverkehr soll gefördert werden. - apa/Helmut Fohringer
  • Hitzige Debatte im Gemeinderat - Öffnung von Einbahnen für Radfahrer.
  • weiter

Neben Rot soll es auch Grün auf den Radwegen geben. - apa
  • Fußgängerbeauftragte plädiert für mehr Rücksichtnahme.
  • weiter




Werbung




Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung