Wien. (fib) Erst ist es zu kalt, dann zu heiß, und auch an der lauschigen Sommernacht weiß der grantelnde Wiener allerhand auszusetzen. Dabei ist diese Jahreszeit viel zu schade, um sie nicht zu genießen. Wo das am besten gelingt, verraten die Mitarbeiter der "Wiener Zeitung".
Baden ohne Platzangst
Wenn die Stadt dampft, strömen ihre Einwohner verständlicherweise ins Freibad. Wer um Menschenmassen lieber einen Bogen macht, könnte am Neuwaldegger Bad Gefallen finden: Nur wenige Gehminuten von der 43er-Endstation liegt das vielleicht schönste Freibad der Stadt: Schattige Bäume, beim Buffet gibt’s frische Schnittlauchbrote, man blickt über Wien: Zumindest einmal sollte jeder ausprobiert haben, ob ihm das Wiener Waldbad den stolzen Eintrittspreis von 14,50 Euro wert ist.
Preislich günstiger schwimmt es sich - ebenfalls mit Blick auf die Stadt - im städtischen Krapfenwaldlbad in Wien-Döbling: Um 5 Euro bekommt man das Badeerlebnis zwar nicht exklusiv, aber das Gelände ist weitläufig und auf den Liegewiesen kommt man sich nicht so leicht in die Quere. Wermutstropfen: keine Schwimmbahnen. Erreichbar mit dem Bus 38A, für Sportliche bietet sich auch eine kleine Mountainbike-Tour an (über 300 Höhenmeter). Ebenfalls am besten mit dem Rad erreichbar sind Naturbadeplätze wie der untere Teil des Donau-Oder-Kanals oder die Lobau. Der große Vorteil: Hier bleibt man - abgesehen von den Gelsen - meist unter sich.
Parks und Grünflächen
Sandspielplatz mit Wasser zum Pritscheln, Ententeich und jede Menge Schatten und Grün: Der Pötzleinsdorfer Schlosspark (Endstation Linie 41) ist ein Paradies für Kinder. Während der Haupthof im Alten AKH längst kein Geheimtipp mehr ist, sind die ruhigen kleinen Höfe dahinter weniger bekannt. Hier kann man im Schatten der Kastanienbäume oder auf einem "Enzo" picknicken. Am besten gelangt man in die AKH-Höfe durch den Hintereingang in der Sensengasse, Vorteil zu den Wiener Parks: Sie schließen nicht bei Einbruch der Dunkelheit, sondern sind Tag und Nacht geöffnet.
Zwischen Brigittenau und Leopoldau liegt Wiens ältester Barockgarten, der Augarten, und das spiegelt sich auch in der bunten Mischung an Menschen wider, die ihn frequentiert: Familien an den Spielplätzen und im Kinder-Freibad, Männer mit türkischen Wurzeln spielen auf Bankerln Karten.
Donnerstags wird unter freiem Himmel Yoga praktiziert und noch bis 23. August sind im "Kino wie noch nie" Kunstfilme zu sehen (Augartenspitz, U2 Taborstraße, 8 Euro). Neuerdings und noch bis Ende September veranstaltet die Francesca-Habsburgs-Stiftung für zeitgenössische Kunst Performances, Konzerte oder Lesungen (freier Eintritt, jeden Freitag).
Zu den schönsten Parks der Stadt zählt auch der hügelige Türkenschanzpark in Wien-Währing (erreichbar mit Linie 41) mit der wieder geöffneten Paulinenwarte: Von diesem 23 Meter hohen Turm blickt man auf den Wienerwald.
Gastgärten und Heurige
Für viele besteht der perfekte Sommerabend aus einer Grillerei mit Freunden. Doch die Grillplätze auf der Donauinsel sind meist auf Monate ausgebucht, und statt ewig am Grill zu stehen, könnte man diese Aufgabe einfach abgeben: Besonders schön ist der Volksgarten-Pavillion, hier gibt es neben gegrilltem Fleisch auch Steckerlflisch. Ein Fixpunkt für laue Sommerabende ist auch das Museumsquartier, hier finden bis Ende August Lesungen von Autoren wie Julya Rabinowich (26.7.), Olga Flor (16.8.) oder Wolf Haas (30.8.) statt (O-Töne-Festival, freier Eintritt).
Ebenfalls mitten in Wien befindet sich der Donaukanal, der sich längst zur Flanier- und Fressmeile gemausert hat. Doch auch darüber hinaus wird einiges geboten: Auf der Summerstage (U4-Station Rossauer Lände) finden Konzerte und Lesungen statt, samstags kann man den ganzen Sommer lang sein Fahrrad auf Vordermann bringen lassen, alles bei freiem Eintritt. Eine Spur schicker geht es am Badeschiff, am Motto am Fluss sowie (auf der anderen Seite des Kanals) am Tel- Aviv-Beach zu. Etwas weiter südlich, schräg gegenüber der Urania, wird wieder einen Gang herunter geschalten: Der Verein Central Garden deklariert sich als nicht-kommerziell und veranstaltet Konzerte, Feste und Mädchenfußballturniere. Gleich dahinter befindet sich die Hafenkneipe, ab und zu gibt es hier Bio-Essen.
Zu alternativ? Traditionell wienerisch speist man im Gasthaus Wild - und die saisonalen Speisen sind ihren leicht gehobenen Preis wert. Pluspunkt: Der Gastgarten am Radetzkyplatz in Wien-Landstraße hat bis 1 Uhr Früh geöffnet.
Sport und Essen lassen sich gut bei einem Besuch beim Heurigen verbinden: Der Anstieg zum Heurigen Hirt ist steil, aber man wird mit Ruhe und Aussicht über Wien und die Donau belohnt. (D-Wagen bis Nussdorf und etwa zwei Kilometer zu Fuß oder mit dem Fahrrad vom Kahlenbergdorf). Ab Ende August ist auch wieder ausgesteckt bei der Buschenschank Zum Guten Grinzing (Himmelstraße 7): Die Winzerin Jutta Ambrositsch ist Quereinsteigerin und produziert seit 2004 Wiener Wein wie "Gemischter Satz".
Wenig traditionell aber äußerst beliebt bei Schülern und jungen Müttern ist die Pure-Living-Bakery in der Altgasse 12 in Wien-Hietzing. Hier bekommt man Amerikanisches wie Bagels, "Monster Cinnamon Rolls" oder Oreoshakes, die in Wien ansonsten schwer zu ergattern sind. Im ruhigen Cottagegarten frühstückt es sich in familiärem Ambiente.
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