Wien. Drei schnelle Schritte, und Peter Schnaubelt ist im Kinderbecken. Ziel ist ein kleines Mädchen, das von der Rutsche im tiefen Wasser gelandet und nach ein paar Stramplern untergegangen ist. Wenige Kraulzüge nur, und Schnaubelt ist bei dem Mädchen, zieht es aus dem Becken. Dank der schnellen Reaktion des 50-jährigen Bademeisters hat es nur ein bisschen Wasser schlucken müssen. Der 22. Rettungseinsatz im Gänsehäufel-Freibad war das in dieser Saison, wird Schnaubelt der "Wiener Zeitung" später erzählen. Doch zuerst wird das Kind zurück zu den Eltern begleitet, und der Retter muss sich schnell etwas Trockenes anziehen gehen.
Genug Zeit, um sich ein bisschen im 330.000 Quadratmeter großen Freibad umzusehen - 70 Angestellte kümmern sich hier um bis zu 25.000 sonnenhungrige und chlordurstige Wiener. Ist man über 15 Jahre alt, darf man auch in den FKK-Bereich, sofern man selbst alle Hüllen fallen lässt; mit über 58 Jahren ist man im Westteil der Insel gut aufgehoben, erklärt ein Bademeisterkollege Schnaubelts grinsend: Dort findet man die Pensionisten, die sich auch gerne mit dem Gänsehäufelpersonal unterhalten. "Liebe Leute", sagt er, viele davon seien persönlich bekannte Stammgäste.
Eine Kostprobe dieser Liebenswürdigkeit wird auch gleich geboten: "Des Wossa is saukoid, a Frechheit", echauffiert sich eine ältere Dame im türkis geblümten Bikini. Höfliches Schulterzucken des angesprochenen Bassinaufsehers vermag sie nicht zu besänftigen, verärgert dreht die Dame dem 24 Grad kühlen Bassin den Rücken. Die meisten Gäste finden das Wasser aber angesichts der Außentemperatur von 37 Grad angenehm, wie die vollen Becken beweisen. Auch in der Alten Donau tummelt sich das Badevolk.
Inzwischen ist Schnaubelt zurückgekehrt, trocken und gesprächig: "Ein Horror, das zuerst. Das sind mir die Liebsten: eine Gruppe von fünf Erwachsenen mit drei Kindern, und jeder glaubt, das Mädchen ist bei wem anderen - dann legens ihm keine Schwimmflügerl an und es rennt allein herum. Die Flügerl gäbs am Eingang zu kaufen, um fünf Euro, die einem Kind das Leben retten können, aber das Verantwortungsbewusstsein ist gering bei manchen Leuten." Auch die Nichtschwimmerrate nehme zu, das hänge ganz allgemein damit zusammen, dass Kinder immer weniger Bewegung bekämen. Er sehe auch immer mehr mollige Jugendliche, sagt Schnaubelt.