Wien. An lauen Sommerabenden wie derzeit findet man kaum einen freien Liegestuhl - und bei Fußball-Großereignissen wie im Juni bei der Europameisterschaft kann sich glücklich schätzen, wer überhaupt einen halbwegs freien Blick auf die Großleinwand erhascht. Die Rede ist von der Strandbar Herrmann am Donaukanalufer unterhalb der Urania, die sich seit der Eröffnung im Jahr 2005 zum wahrscheinlich beliebtesten Sommer-Hot-Spot in Wien gemausert hat. Sogar international fand die Herrmann-Bar Beachtung und wurde 2007 vom renommierten Reisemagazin "Conde Nast Traveller" zur zweitbesten Bar der Welt gekürt.
"Temporäre Nutzung"
Doch nicht nur Ruhm ist vergänglich - auch die Strandbar selbst hat ein Ablaufdatum. Denn laut Rathaus-Unterlagen, die der "Wiener Zeitung" vorliegen, war das Projekt von Anfang an bloß für eine "zwischenzeitliche Nutzung" angelegt. Die Strandbar stellt nämlich "eine temporäre Nutzung der Freifläche bis zur endgültigen Fertigstellung der Hauptsammelkanäle im Wiental und im Donaukanal dar", heißt es in einem Bericht des Kontrollamts. Was wohl kaum ein Besucher wissen dürfte: In den nächsten Jahren ist es - zumindest vorübergehend - vorbei mit entspanntem Cocktailgenuss mit Blick auf das historische wie moderne Wien.
Wann genau die Betreiber Strandbar und Liegestühle abräumen müssen, ist allerdings noch offen: Laut Rathaus-Unterlagen wird die 1100 Quadratmeter große Fläche des Herrmannparks in den nächsten Jahren zur Kanal-Großbaustelle. Hieß es zunächst, dass ein Baubeginn "2012/2013 realistisch" ist, wurde mittlerweile die Galgenfrist für die Strandbar verlängert. Die Stadt Wien kann allerdings den bis 2015 laufenden Pachtvertrag jederzeit - mit sechsmonatiger Kündigungsfrist - auflösen.
Das bestätigt auch Strandbar-Mitbesitzer Rudi Konar gegenüber der "Wiener Zeitung": "Der Vertrag endet 2015, das ist korrekt. Wir beginnen aber jetzt mit Gesprächen mit der Stadt Wien wegen einer Verlängerung."
Wie die Chancen auf eine Verlängerung stehen, kann Konar nicht beantworten - alles hänge von der genannten Kanalbaustelle ab. "Unsere Information ist, dass vor 2015 wahrscheinlich nicht gebaut wird. Und wenn die Baustelle später kommt, nehme ich an, dass wir länger bleiben dürfen", sagt Konar. Daher habe er sich mit einem möglichen Alternativ-Standort am Donaukanal oder woanders noch nicht auseinandergesetzt. Fix ist nur, dass ein Betrieb neben einer jahrelangen Baustelle nicht nur aus Lärmgründen nicht möglich ist: "Auf den Plänen ist der Herrmannpark dann ein großes Loch. Es soll derselbe Riesenbohrer wie einst im Stadtpark zum Einsatz kommen." Ob die Bar dann nach dem Kanalbau wieder hindürfe, sei ebenso "nicht klar".
Neues Tiefspeicher-System
Auch seitens Wien-Kanal wird beteuert, dass eine vorzeitige Kündigung des Pächters derzeit nicht zur Diskussion stehe. Da für das Projekt eines Tiefspeicher-Kanalsystems noch kein exakter Zeitplan existiere, bestehe auch noch kein Flächenbedarf, heißt es.
Auch Warten heißt es im Herrmannpark auf das Projekt einer Klappbrücke über den Wienfluss, die eine rasche Verbindung für Radfahrer und Fußgänger darstellen soll (derzeit verläuft der Weg hinauf zur Urania). Laut Konar liegt das Projekt auf Eis, er habe davon schon lange nichts mehr gehört, erzählt er. Im Planungsressort gab es am Mittwoch dazu keine Auskunft, dem Vernehmen nach fehlt derzeit das Geld.