• vom 28.08.2012, 17:44 Uhr

Stadtleben

Update: 28.08.2012, 21:20 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



"Wiener Wand" versucht Graffiti-Szene zu kanalisieren - Aber Emissionen als Gefahr

Giftsprays neben Spielplatz


Von Christian Mayr

  • Wo Rauchen verboten ist, sind legale Graffiti-Wände offenbar kein Problem.

Wien.

Schaukeln vor bunter Kulisse: Doch Spray-Emissionen im Carlsson-Park sind nicht ungefährlich.

Schaukeln vor bunter Kulisse: Doch Spray-Emissionen im Carlsson-Park sind nicht ungefährlich.Mayr Schaukeln vor bunter Kulisse: Doch Spray-Emissionen im Carlsson-Park sind nicht ungefährlich.Mayr

Seit 2005 versucht die Stadt Wien, die illegale Sprayer-Szene mit legalen Graffiti-Flächen in den Griff zu bekommen. Statt Hausfassaden, Eisenbahn- und U-Bahn-Waggons zu beschmieren, sollen Wände an Brücken und in Parks möglichst künstlerisch gestaltet werden. Das Projekt der "Wiener Wand" wird seither auch großteils gut angenommen - sodass die Flächen sukzessive anwuchsen: Mittlerweile gibt es bereits acht legale Sprayer-Wände in Wien. Allerdings befinden sich vier davon in Parks in der Nähe von Kinderspielplätzen, wo Eltern nun wegen giftiger Emissionen durch Graffiti-Sprays besorgt sind.

Werbung

Besonders prekär ist die Lage im Arne-Carlsson-Park am Alsergrund: Wie sich beim Lokalaugenschein der "Wiener Zeitung" zeigt, ist die seit zwei Jahren an der Außenwand des Luftschutzbunkers situierte Sprayer-Wand nur drei Meter von den Kleinkinder-Spielgeräten entfernt. An sich kein Problem, sagen Eltern, wenn nicht am helllichten Tage stundenlang herumgesprüht würde. "Vor zwei Wochen, an einem drückend schwülen Samstag, haben gleich drei Sprayer an ihren Werken gearbeitet", berichtet eine Mutter. Mangels Wind seien die giftigen Dämpfe unter den hohen Bäumen des Parks nicht abgezogen - und anders als die Sprayer seien die Kinder auch nicht durch Masken geschützt. Letztlich blieb der Familie nichts anderes übrig, als den Spielplatz bei schönstem Wetter wieder zu verlassen.

Bemerkenswert ist, dass spielende Kinder laut Wiener Grünanlagenverordnung eigentlich geschützt sind - zumindest was das Rauchen betrifft. Das ist nämlich auf allen Kinderspielplätzen ausnahmslos verboten. Ebenso verboten sind "chemische Einwirkungen" - allerdings nur auf Grünpflanzen; freigesetzte Giftstoffe durch Graffiti-Sprays sind nicht explizit erwähnt.

Dass sich die Sprayer selbst auf legalen Wänden nicht an die Regeln halten, ist zudem unübersehbar: Einige Spielgeräte sind angesprüht, zusätzlich wurden die definierten Flächen der "Wiener Wand" weit überschritten.

Doch wie gefährlich sind nun Emissionen durch solche Sprays? Für den Umweltmediziner Hans-Peter Hutter ist evident, dass sich Sprayer "enormen Belastungen" aussetzen und daher unbedingt eine Maske tragen sollten. "Und klar ist, dass die Belastung für Kinderlungen durch solche Aerosole zu minimieren ist. Daher sollten sich Kinder nicht in der Nähe von Graffiti-Sprayern aufhalten, sondern weggehen."

Wenden sich Eltern in der Causa an den Bürgerdienst der Stadt, erfahren sie davon jedoch nichts: Ihnen werden "respektvolles Miteinander" und persönliche Gespräche mit den Künstlern nahegelegt, da das Sprayen weder strafbar noch verboten sei.

Das muss freilich nicht stimmen. Denn laut Innenministeriums-Sprecher Karl-Heinz Grundböck kann das Hantieren mit giftigen Sprays in der Öffentlichkeit sehr wohl eine Körperverletzung darstellen. "Das hängt von der Nähe zu Kindern, der Intensität und den Umständen ab." Bei Konflikten sei die Polizei jedenfalls verpflichtet, das Gefährdungspotenzial zu klären, so Grundböck.

Rathaus sucht Lösung
Von der "Wiener Zeitung" auf die Problematik aufmerksam gemacht, wird das Büro vom zuständigen SPÖ-Jugendstadtrat Christian Oxonitsch nun aktiv: Für heute, Mittwoch, ist eine gemeinsame Parkbegehung von Vertretern der "Wiener Wand" und der Betreuung des Arne-Carlsson-Parks geplant. Beschwerden seien bisher nicht zu den Verantwortlichen durchgedrungen, wird versichert.

Andere Hauptstädte gehen bei legalen Graffiti-Wänden übrigens andere Wege: In Linz und Salzburg gibt es keine in der Nähe von Kinderspielplätzen.




Schlagwörter

Kinder, Graffiti, Wien

2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-28 17:50:07
Letzte Änderung am 2012-08-28 21:20:06


Beliebte Inhalte



Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Aufräumen: Die Freiwilligen bargen am 5. Mai rund 100 Fässer (l.). Die Via Donau holte bis Freitag 320 "Auftriebskörper" aus dem Wasser, eine Ölsperre wurde errichtet (r.).
  • In der Alten Donau gammeln hunderte alte Fässer vor sich hin - manche von ihnen enthalten Giftstoffe.
  • weiter

Wer liegt denn da, fragen sich einige Wiener bei der Volksanwaltschaft. - apa
  • 114 Missstände konnten im Jahr 2012 festgestellt werden.
  • weiter

Kein Copyright auf seine Gesten hat Charles alias Wolfgang Amadeus Mozart. - Luiza Puiu
  • Der Kodex der Straße ist Geschichte, heute kämpft jeder gegen jeden.
  • weiter

Windgeschwindigkeiten von zeitweise über zehn Meter pro Sekunde sorgten für die Verzögerung. - APAweb/GEORG HOCHMUTH
  • Am Samstag vor der Eröffnung steht die Aids Charity Gala mit Elton John und Bill Clinton auf dem Programm.
  • weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Neben Rot soll es auch Grün auf den Radwegen geben. - apa
  • Fußgängerbeauftragte plädiert für mehr Rücksichtnahme.
  • weiter

Absperrungen auf dem Heldenplatz soll es heuer erstmals nicht geben. - apa
  • Anstelle des Aufmarschs der Burschenschafter wird der Heldenplatz am 8. Mai zum Konzerttag.
  • weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung