Wien. Was früher mal Wiens Stadtsender PulsTV war, ist heute zwar in deutscher Hand, gibt sich dafür aber nicht weniger wienerisch. Zieht doch der österreichische Privatsender Puls4 der ProSiebenSat.1Puls4-Gruppe dieser Tage ins neue Media Quarter Marx (MQM), dem neuen Medienstandort der Stadt Wien in Neu Marx ein. Mit 300 angestellten Mitarbeitern und einer reinen Studio- und Produktionsfläche von 4000 Quadratmetern ist der Privatsender damit der flächenmäßig größte Mieter des MQM.
Von MQ nach MQM
Bisher war die Sendergruppe an getrennten Standorten untergebracht. Die Studios waren seit der Gründung von PulsTV im Jahr 2004 im Wiener Museumsquartier (MQ) angesiedelt, wo auch noch dieser Tage produziert wird. Erst Mitte September soll die erste Sendung vom neuen Standort aus gesendet werden. Der gesamte Aufbau soll bis Anfang Dezember abgeschlossen sein.
Umzugskartons, unzählige verpackte TV-Bildschirme warten darauf ausgepackt zu werden. Die Redaktion wird in Großraumbüros arbeiten. Noch sind die Plätze lediglich mit einem Zettel, auf dem der Name des jeweiligen Mitarbeiters steht, bestückt. Mit dem Umzug kam auch ein neuer Name. Puls4 sowie die SevenOne Media Austria firmieren künftig als "ProSiebenSat.1 Puls4". Inkludiert sind darin ProSiebenAustria, Sat.1Österreich, Kabeleins Austria, sixx Austria sowie die Vermarktung durch SevenOne Media Austria. Neben der Übersiedelung "ein logischer Schritt, alle unter einer gemeinsamen Dachmarke zu präsentieren", sagte Geschäftsführer Markus Breitenecker.
Neu an Bord von Puls4 ist Corinna Milborn. Die Journalistin arbeitete seit 2003 bei "News" und war dort zuletzt stellvertretende Chefredakteurin. Für den ORF fungiert sie auch als Moderatorin des "Club 2". Mit 1. September ist sie nun für die gesamte Information des Privatsenders zuständig. Sie wird dort federführend die Nationalratswahl-Berichterstattung 2013 vorbereiten und soll "neue Informationsformate entwickeln", so der Sender.
Für Milborn ist die neue Tätigkeit "gerade in diesen politisch spannenden Zeiten" eine Herausforderung. "Puls4 hat eine Redaktion, die das machen kann, was sie für richtig hält", sagt Milborn zur "Wiener Zeitung". Der Eigentümer sitze in Deutschland, Puls4 sei damit komplett unabhängig, vor allem politisch. Sie sei immer schon eine Anhängerin der gekappten Leitungen gewesen, sagt sie, auch bei "News".
Ausbau des "Public Value"
Puls4 pocht weiterhin auf den im Grunde dem ORF per Gesetz verordneten Public Value (öffentlicher Mehrwert) des Programms. "Privatsender und gute Information schließen sich nicht aus", sagt Milborn. Immer mehr Privatsender, wie etwa in Deutschland, würden in gute Information investieren. Medienvielfalt sei gesellschaftspolitisch enorm wichtig, sagt sie. Puls4-Geschäftsführer Breitenecker sieht mit Milborn "einen deutlichen Akzent in Richtung Public Value" gesetzt, stehe sie doch für "unabhängigen, freien und fairen Journalismus".
Doch auch mit dem üblichen Privat-TV-Angebot werden die Public-Value-Verfechter leben müssen. "Endlich schön" heißt eine neue Doku-Reihe auf Puls4, die Menschen helfen soll, ihr Äußeres zu verbessern. Eine neue Castingshow mit dem Titel "Herz von Österreich" soll sich der Volksmusik annehmen. Moderatorin Arabella Kiesbauer wird den "Kiddy Contest" moderieren und die Kabarettisten Michael Ostrowski und Pia Hierzegger zeigen Polit-Satire.
Neues Programm, neuer Ort, neue Marke - Puls4 hat einiges zu feiern und tut dies am Mittwochabend in der Rinderhalle beim jährlichen Puls4-Sommerfest. Für die erwarteten 1500 Gäste wurde ein Rollrasen ausgelegt ganz unter dem Motto der am 18. September startenden Champions League auf Puls4, für die sich der Sender für drei Jahre die Rechte sichern konnte. Neben Breitenecker wird Vizebürgermeisterin Renate Brauner die Einführungsworte sprechen. Die steinernen Stiere beim Eingangstor werden gelassen dabei zusehen.