
Wien. "Kein Platz für Antisemitismus" hieß es Mittwochnachmittag beim Flashmob gegen Antisemitismus am Schwedenplatz. Trotz starken Regens finden sich laut Polizei rund 120 Aktivisten zur angemeldeten Veranstaltung einer überparteilichen Initiative "Jetzt Zeichen Setzen" ein. Grund dieses Zusammentreffens: antisemitische Beschimpfungen eines Fußballfans auf einen Wiener Rabbiner – er nimmt ebenfalls am Flashmob teil- und der auf Facebook hochgeladene antisemitische Cartoon des FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache.
Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärt die Philosophin Brigitte Buchhammer (51 Jahre), die von SOS-Mitmensch von der Veranstaltung erfahren hatte, dass zivilgesellschaftliche Aktionen, wie dieses spontane Zusammenkommen, demokratiepolitisch notwendig seien. Der menschenverachtende Umgang gewisser Gruppierungen mit jüdischen Mitmenschen und auch mit Migranten sei empörend.
Ein anderes Motiv, gegen Antisemitismus aufzutreten, sieht David Praschak (18 Jahre), der "hofft, endlich gehört und gesehen zu werden" und sich als Mitglied der Sozialistischen Jugend Neubau aktiv gegen Diskriminierungen jeglicher Art einsetzt. Ihn treffe der Vorfall mit dem Rabbiner besonders, da er jüdische Vorfahren hat.
Wie auch David, erfuhr die angehende Maturantin Lara (18 Jahre) von dem Flashmob über die soziale Internetplattform Facebook und findet es eine Ungeheuerlichkeit, dass Antisemitismus in unserer heutigen Gesellschaft noch präsent ist. "Das von damals darf sich einfach nicht mehr wiederholen", sagt sie. Große Hoffnung sehe sie in den Menschen, die den Ernst des Antisemitismus erkennen und handeln.
Entsetzen macht sich auch beim Referenten für Integration des grünen Rathaus Klubs und Friedensaktivist Nikolaus Kunrath (52 Jahre) breit. Er übt Kritik am gesellschaftlichen Alltagsantisemitismus. Es sei nun an der Zeit gemeinsam ein Zeichen zu setzten. "Antisemitismus darf keine Selbstverständlichkeit sein", sagt er. Auch solle bei der Polizei vermehrt auf den Schulungsbereich geachtet werden. Laut Kunrath gehe es beim heutigen Flashmob nicht um Moral, sondern um Respekt und Unterstützung der jüdischen Kultur.