• vom 19.09.2012, 06:00 Uhr

Stadtleben

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Wiens Süßigkeitenhersteller sind mitten in der Stadt

Wo Schoko aus der Leitung fließt


Von Ina Weber

  • Heindl mit Pischinger, Manner und Niemetz wollen in Wien bleiben.

Wien. Die Stadt war schon mal süßer. Da hilft der ganze Geruch, der aus einer Schokoladenfabrik im 17. Bezirk strömt, auch nichts. Denn viele der Wiener Traditionsmarken, die seit Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts Bestand hatten, mussten Ende der 1990er Jahre aufgeben: Hofbauer, Victor Schmidt & Söhne und Auer, sie wurden übernommen.

Schokolade am Fließband: Die Produktion von Süßem kan man in Wien besichtigen.

Schokolade am Fließband: Die Produktion von Süßem kan man in Wien besichtigen.Weber Schokolade am Fließband: Die Produktion von Süßem kan man in Wien besichtigen.Weber

Drei gibt es aber noch, und sie halten sich und bauen sogar aus, wie die Süßwarenmarke Heindl, die am Dienstag ihre neuen Räumlichkeiten im 23. Bezirk präsentierte. Die Süßwaren-Fabrik hat sich in diesem Jahr auf 12.000 Quadratmeter verdoppelt. Unauffällig sitzt sie mitten im Wohngebiet nahe der Triester Straße. "Wenn man das Glück hat, in Wien geboren zu sein, braucht man nicht ins Ausland gehen", sagt Walter Heindl, der ältere der beiden Brüder, die die Firma von ihren Eltern übernommen haben. Wie kann man eine Fabrik in Wien halten? Wo doch die meisten aus Kostengründen ins Umfeld oder Ausland siedeln? "Das ist unser persönliche Luxus", gibt Heindl zu. Und vielleicht auch das Geheimnis, um zu bestehen?

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"Wir setzen auf unsere Mitarbeiter und auf unseren Standort", sagt Andreas Heindl. Man sehe es an der Konkurrenz, viele der Süßwarenhersteller, die Wien verlassen hätten, seien pleitegegangen. Was die Machbarkeit einer Fabrik in der Stadt betrifft, meint er, dass er kein Freund des Parkpickerls sei. Eine Förderung von 375.000 Euro und Unterstützung von der Stadt Wien hat Heindl für seinen Betrieb bekommen. Das Investitionsvolumen von 10 Millionen Euro wird mit einem günstigen Kredit abgedeckt.

Auf 5000 Quadratmetern werden 170 verschiedene Konfektsorten produziert. Die Erweiterung war auch notwendig, weil Heindl mit Pischinger die älteste Süßwaren-Marke (seit 1849) übernommen hatte. Ergänzt wurde die Fabrik um ein Schoko-Museum, eine neue 160 Meter lange Waffel-Straße und 300 Meter Schoko-Leitungen. Außerdem besitzt Heindl jetzt die größte Photovoltaikanlage von Wien.

Zig Mozartkugeln, Sissi Veilchen gehen nach Japan
"Nein. Ich kann keine mehr essen", schüttelt eine Mitarbeiterin am Fließband den Kopf. Irgendwann habe man genug, meint sie und lacht. Im Gegensatz zum Firmen-Chef Andreas Heindl, abgesehen vom Vorführeffekt scheint er den Heimvorteil noch zu genießen. Die Schoko-Bananen und die Schoko-Maroni hätte er am liebsten. Die Mitarbeiter kennt er alle beim Namen. "Wohin geht das, Karl? Zum Flughafen?" Auf riesigen Paletten türmen sich "Spezialitäten aus Österreich". Die große Bonbonniere gehe momentan am besten. Heindl setzt vor allem auf den Tourismus, den Japan-Export, bei dem zig Mozartkugeln, Sissi Veilchen und Maria-Antoinette-Schokolade Wien verlassen. Mit einem Werbe-Budget für ORF-Schaltungen will er nun auch ein jüngeres Publikum bekommen. "Doch einkaufen tun noch immer die älteren Leute. Die kaufen für ihre Kinder", sagt Heindl.

Auch der Wiener Süßwarenhersteller Manner - das erste Geschäft gründete Josef Manner 1890 am Stephansplatz - verstärkt die Produktion in Wien. Dafür wird der Standort in Perg aufgegeben. Der Haupt-Standort im 17. Bezirk wird gerade umgebaut. "Manner-Wien sollte in Wien bleiben", heißt es laut Manner. Das Unternehmen verbuchte im Jahr 2010 Umsätze in der Höhe von 158,5 Millionen Euro. Heindl liegt mit 185 Mitarbeitern und 23 Millionen Euro in der Mitte. Gefolgt von dem dritten Wiener Süßwarenunternehmer: Niemetz.

Niemetz im 3. Bezirk hat 67 Mitarbeiter. 1930 war sie noch eine kleine Spezialität des Hauses einer kleinen Konditorei von Walter Niemetz, heute ist die Schwedenbombe in finanziellen Schwierigkeiten. Man wolle aber auf keinen Fall verkaufen und in Wien bleiben, hieß es. Das Unternehmen soll umgebaut werden, um ein Überleben zu sichern.

Die Wiener Süßwarenhersteller wollen in Wien bleiben und das mit aller Kraft. Wenn eine schwedische Firma Wiener Nougat verkauft, so ist das Walter Heindl ein Dorn im Auge. "Ich werde das Wiener Nougat wieder zurückholen. Ab Oktober gibt es bei uns das Original Wiener Nougat", sagt er kämpferisch.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-18 17:48:19
Letzte Änderung am 2012-09-18 18:52:31


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