• vom 25.09.2012, 17:45 Uhr

Stadtleben

  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Man versteht einander, wenn der Wille da ist


Von Stephanie Schüller

  • "Wiener Zeitung"-Kolumnist Sedlaczek über Wienerische Sprachverwirrungen.

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".

Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch". Robert Sedlaczek ist der Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, zum Beispiel: "Das österreichische Deutsch".

"Wiener Zeitung": Wie sehr beeinflussen unsere Nachbarländer unsere Sprache?

Werbung

Robert Sedlaczek: Österreich, und auch Wien, liegt am Rand des deutschen Sprachraums. Wir sind umgeben von Ländern, die eine andere Sprache sprechen. Deshalb gibt es im Wienerischen viele Lehnwörter aus dem Ungarischen, Slowakischen, Tschechischen und Italienischen.

Woran bemerkt man sprachliche Konflikte innerhalb Österreichs?

Ich sehe das nicht so, glaube nicht, dass es zwischen den Mundartsprechern Konflikte gibt. Ein Tiroler versteht einen Wiener und umgekehrt, wenn der Wille da ist. Es geht ja auch nicht darum, alle Wörter zu verstehen. Selbst wenn ich ein Wort nicht verstehe, dann begreife ich aus dem Kontext, was gemeint ist.

Können Sie ein Beispiel geben?

Mein aktuelles Buch "Wiener Wortgeschichten" hat im Untertitel den Ausdruck "Pflasterhirsch". Das kann ein Polizist auf Fußstreife sein, eine Prostituierte, aber auch ein Stadtmensch. Im Einzelfall ergibt sich aus dem Zusammenhang die Bedeutung.

Wie gut lassen sich die Dialekte voneinander abgrenzen?

Das Wienerische ist schwer abzugrenzen, weil es auch in die angrenzenden Bundesländer ausstrahlt. Außerdem inhaliert der Wiener Ausdrücke von anderen Mundarträumen und macht sie sich zu eigen. Jeder Wiener glaubt, das Wort "Fisimatenten" ist wienerisch, dabei ist es in Deutschland entstanden und überall in Gebrauch. Das Wort "Netsch" (= kleine Geldsumme) ist tirolerisch, aber der Wiener hat sich eine ungarische Etymologie zurechtgelegt und meint, es ist hier entstanden.

Gibt es Kommunikationsprobleme zwischen Deutschen und Österreichern?

Es gibt so etwas wie Sprachekel, zum Beispiel von Österreichern gegenüber den Norddeutschen und umgekehrt. Die Deutschen haben jedoch weniger Kontakt zur österreichischen Sprache. Wir hingegen übernehmen auch viele norddeutsche Ausdrücke, weil wir damit in den Medien konfrontiert werden. Der Ausdruck "lecker" wird zum Beispiel von vielen jungen Menschen als unbedenklich eingestuft und auch verwendet, während die Älteren Sprachekel empfinden.



Wo gibt es noch Sprachekel?

Sprachekel kann auch zwischen der Sprache der Älteren und der Sprache der Jungen bestehen. Die Jugendsprache dient zur Abgrenzung zu den Erwachsenen aber auch zur Abgrenzung der Jugendlichen untereinander. In den einzelnen Jugendszenen werden verschiedene Wörter verwendet. Ein Großteil der Ausdrücke sind Modeerscheinungen, ein Teil davon wird in die Standardsprache übernommen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-25 17:51:15


Beliebte Inhalte



Aufräumen: Die Freiwilligen bargen am 5. Mai rund 100 Fässer (l.). Die Via Donau holte bis Freitag 320 "Auftriebskörper" aus dem Wasser, eine Ölsperre wurde errichtet (r.).
  • In der Alten Donau gammeln hunderte alte Fässer vor sich hin - manche von ihnen enthalten Giftstoffe.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Vor allem viel Fleisch wird am Hannovermarkt feilgeboten. - Vasari
  • 20.000 Menschen pro Woche besuchen den Markt. Die Tendenz steigt.
  • weiter

Radfahren ist gesund. Auch wenn es nur zehn Minuten pro Tag sind. - dpa
  • Sportwissenschafterin Tietze über Vorzüge und Risiken urbanen Radfahrens.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Neben Rot soll es auch Grün auf den Radwegen geben. - apa
  • Fußgängerbeauftragte plädiert für mehr Rücksichtnahme.
  • weiter

Absperrungen auf dem Heldenplatz soll es heuer erstmals nicht geben. - apa
  • Anstelle des Aufmarschs der Burschenschafter wird der Heldenplatz am 8. Mai zum Konzerttag.
  • weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

20.5.2013: Ein tibetischer Mönch hält ein Schild neben einem Plakat, das Gedhun Choekyi Nyima, den elften Penchen Lama zeigt, der vom Dalai Lama anerkannt wird. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung