Wien. Tradition und Werte scheinen bei den Österreicherinnen offenbar wieder großgeschrieben zu werden, denn kaum ein anderes Geschäft boomt derzeit so wie das des Dirndlverkaufs.

Geschäftsführerin und Gründerin des Labels "Dirndlherz" Gabriela Urabl weiß, warum: "Momentan ist die Nachfrage der Dirndln besonders groß. Pro Tag werden zehn bis fünfzehn Dirndln verkauft, kurz gesagt, wir kommen kaum mit der Produktion nach." Seit einem Monat sei die Nachfrage an Trachtenkleidern enorm gestiegen. Dies führt sie unter anderem auch auf das am Donnerstag beginnende Wiener Wiesn-Fest zurück.
Vor drei Jahren eröffnete die Kärntnerin ihr Geschäft "Dirndlherz" im 7. Bezirk und erlangte mit ihren extravaganten Kollektionen Kultstatus. Besonders während der "Wiesn-Zeiten" wollen die Frauen mit den handgemachten Unikaten auffallen. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" verriet sie ihr Erfolgsgeheimnis: "Traditionelle Dirndln haben eher auf dem Land bestand. Im ,Dirndlherz werden ausschließlich Motivkleider entworfen, denn so lässt sich auch für die Weinliebhaberin ein passendes Weinetiketten-Dirndl finden."
Man will etwas durch
das Dirndl sagen
Das Dirndl sei in den letzten Jahren zu einem Kommunikator geworden, der mit passenden Accessoires ein Gesamtkunstwerk bilde: "Trägt man die gebundene Schleife der Schürze rechts, wird dem Gegenüber signalisiert, dass man bereits vergeben ist. Trägt man hingegen die Schleife links, ist man noch zu haben", so die Designerin.
Doch nicht nur ausschließlich zur Kommunikation eigne sich ein Dirndl, sondern es wirke auch ausnehmend gesellschaftsfördernd. Da jährlich an die 3000 Personen am Trachtenpärchenball zusammenkommen, gehe es vor allem den jüngeren Menschen um die Gemeinschaft. Beisammen sitzen, ein oder zwei Bier oder eben ein "Maß" zu trinken, fördere nicht nur die Stimmung, sondern steigere ebenso das Konsensgefühl der dort anwesenden Gesellschaft.
Schon der frühe Vogel fängt das Dirndl
Die Tatsache, dass Frauen die zum Dirndl greifen, immer jünger werden, führt Urabl auf die dadurch vermittelten Werte und Traditionen zurück, die noch fest in den Köpfen verankert scheinen: "Die Dirndln werden bei jungen Frauen immer beliebter. Obwohl die Unikat-Dirndln ab 470 Euro aufwärts angeboten werden, gehören auch sehr junge Frauen zu meinen Kunden. Gerade für die jüngere Generation ist es wichtig, durch bestimmte Kodierungen, wie eben die Tracht eine ist, zusammenzukommen." Ein Trachtenfest, ganz im Stil des Oktoberfestes, eigne sich somit hervorragend für ein Gemeinschaftstreffen.
Derselben Meinung ist auch Christian Feldhofer, einer der Geschäftsführer der Veranstaltung Wiener Wiesn-Fest 2012, das im Wiener Prater ab heute, Donnerstag, bis 7. Oktober stattfindet. "Selbst junge Menschen kommen im Dirndl und in der Lederhosn, ein beeindruckendes Bild."
Doch nicht nur die Jungen, sondern auch die "Alten" sind laut Feldhofer beim Wiesn-Fest willkommen. Im Vorjahr feierte es seinen Einstand mit rund 150.000 Gästen. "Die erfolgreiche Premiere des Wiener Wiesn-Fests im vergangenen Herbst hat bereits gezeigt, wie sehr die Österreicher ihre Wurzeln und Traditionen leben", erklärt er.
Mit 99 Konzerten in nur elf Tagen und vier Zelten wird bei zünftiger Stimmung und zahlreichen Gaumenfreuden den Gästen ein umfangreiches Programm geboten.
Feiern auf 748 Tischen und 1348 Bänken
Auf insgesamt 4750 Quadratmetern Zeltfläche können täglich 14.000 Besucher auf 1348 Bänken und 748 Tischen von 11 bis 23 Uhr feiern.
Eröffnet wird das zweite Wiener Wiesn-Fest mit einer musikalischen Parade, die ab 13.30 Uhr vom Praterstern zum Festgelände zieht. Es wurde auch eine Kooperation mit den Wiener Linien eingegangen, damit die Gäste auch ganz sicher wieder nach Hause finden: "Das Eintrittsticket gilt auch als Fahrschein für die öffentlichen Verkehrsmittel", erklärt Geschäftsführerin Claudia Wiesner. Die Organisatoren des Wiener Wiesn-Fests gehen zurzeit von einer Steigerung der Besucherzahlen von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus.
Auch ohne Besuch eines Wiesn-Festes ist laut Designerin Urabl das Dirndl eine Investition wert. Es zähle zu den meistkombinierbaren Kleidungsstücken und nicht zu vergessen, auch zu den kontaktfreudigsten. Ob auf dem Land oder in der Stadt, das Dirndl ist immer mehr gefragt.
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