• vom 03.10.2012, 10:13 Uhr

Stadtleben

Update: 08.10.2012, 11:24 Uhr

Tatortreiniger: Das große Saubermachen nach Bluttaten




  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Wiener Firma dekontaminiert Schauplätze von Verbrechen, Selbstmorden und Leichenfunden.

Wenn die Polizei und die Spurensicherung fertig sind, gehen die Tatortreiniger ans Werk. - © APAweb / Herbert Neubauer

Wenn die Polizei und die Spurensicherung fertig sind, gehen die Tatortreiniger ans Werk. © APAweb / Herbert Neubauer

Wien/Wels. Selbstmorde, blutige Verbrechen und halbverweste Leichen, die wochenlang in einer Wohnung gelegen sind, - was dem Normalbürger meist nur als Schlagzeile in Zeitungen begegnet, ist für Tatortreiniger Alltag. Rund 100 Einsätze absolviert die Firma Astra Services, die laut eigenen Angaben der einzige derartige Anbieter in Österreich ist, pro Jahr. Wie fordernd dieser ungewöhnliche Job ist, schilderte Prokuristin Rosalia Zelenka im Gespräch mit der APA.

Einen Tatort zu dekontaminieren kann bis zu einer Woche dauern. Oft müssen zuerst Gehirnmasse, Blut und andere Körperflüssigkeiten beseitigt werden, dann beginnt die Desinfektion. Wenn das erledigt ist, folgt die Sanierung. Die Hauptgefahren, die von Verbrechensschauplätzen oder Leichenfundorten ausgehen, sind Keime und Toxine, die sich manchmal wochenlang halten oder auch erst nach dem Tod eines Menschen entwickeln. "Da entsteht ein eigener Mikrokosmos", erklärt Zelenka. Werde er nicht beseitigt oder vertragen, stelle er eine Bedrohung für die künftigen Nutzer dar.

Auch Messie-Behausungen als Einsatz-Orte
Neben den Schauplätzen von Verbrechen und Suiziden zählen auch Messie-Behausungen zu den Einsatzgebieten der Tatortreiniger. Die Bewohner sind dann meist schon delogiert oder gar tot. Zurück bleibt oft jahrelang angesammeltes Gerümpel. Zelenka erinnert sich an einen Auftrag, bei dem sich ihre Leute durch einen Berg aus Bierdosen und Zigarettenstummeln sowie jede Menge private Besitztümer durcharbeiten mussten. Als die dahinterliegende Wand endlich frei war, stand darauf in Kinderschrift gekritzelt zu lesen: "Papa ist doof".

Fordernd für die Psyche sei der Job schon, so die oberste Tatortreinigerin. "Am Anfang habe ich gedacht, es belastet mich nicht, aber man kann das nicht ausschalten." Manche Schauplätze seien sehr "intensiv", deshalb gebe es nachher mit den Mitarbeitern immer Gespräche, um sich die Last des Erlebten von der Seele zu reden.

Zelenka leitet und koordiniert mit einer Hauptcrew von vier Personen die Arbeit an den Tatorten, weitere 100 bis 120 Mitarbeiter aus dem Reinigungsbereich stehen dem Kernteam unterstützend zur Seite. Künftig will das Unternehmen verstärkt auf Gemeinden zugehen, die vor allem im ländlichen Bereich oft hilflos einem Problem wie einer kontaminierten Wohnung gegenüberstehen würden, erklärt sie. Daher stellt Astra auch auf der Fachmesse für Sicherheit & Einsatzorganisationen "Retter" von 4. bis 7. Oktober in Wels aus.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2015
Dokument erstellt am 2012-10-03 10:16:12
Letzte Änderung am 2012-10-08 11:24:01



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Fahrlässiger Umgang mit Kulturgut"
  2. Weltweit größte Fahrrad-Sammlung wird aufgelöst
  3. Erste Kassenplätze für Kinderpsychiatrie
  4. "Für 50 plus bleiben Millionen liegen"
  5. Häfn-Odeur
Meistkommentiert
  1. Halbe-halbe im Wiener Gemeinderat
  2. Conchitadele
  3. Der neue Genosse
  4. Vassilakou will SPÖ treu bleiben
  5. "Wehsely muss Ärztekonflikt schleunigst vom Tisch bringen"

Werbung



Filmrequisiten

Eine Halle voller Illusionen

 - © Luiza Puiu Wien. Es gibt nur wenige Menschen, die einem Elefanten Asyl gewähren können. Thomas Vögel zählt zu diesen auserwählten Samaritern... weiter




Notschlafstelle

Ein Hafen für Gestrandete

Froh, ein Bett zu haben: ein Bewohner des VinziPort. - © vinziwerke Wien. Dutzende kleine gelbe Kärtchen mit den Namen der Gäste hängen in dem geöffneten Wandschrank am Empfang im ersten Stock... weiter




Verzierungen

Leben wie der Kaiser

Goldene Stuckaturen im Kleinen Redoutensaal der HOFBURGVienna. - © cc: HOFBURG Vienna, L. Lammerhuber Wien. "So leben wie der Kaiser, wer möchte das nicht", will Georg H. wissen. "Ich hab es mir hier ein wenig so eingerichtet", erzählt er... weiter





Mariahilf

Der ruhigere Siebente

Vom Christian-Broda-Platz (l.u.) über das Haus des Meeres (M.u.) bis zum Naschmarkt (r.o.): Mariahilf hat viel Platz für junge Kreative wie "Blumenkind" (r.u.). - © Weber Wien. Bei näherer Betrachtung gibt es zwischen den beiden Seiten der Mariahilfer Straße ausgehend vom Christian-Broda-Platz keinen Unterschied... weiter




Bezirksporträts

Blaues Rennen um roten Bezirk

 - © Luiza Puiu Wien. Es ist wohl seine Funktion als grüne Recyclinganlage Wiens, die Simmering charakterisiert und prägt. Seit eh und je dient der elfte Bezirk als... weiter




Bezirksporträt

Im Windschatten der City

Das Herz des Bezirks pulsiert - neben Wien Mitte - am Rochusmarkt. Gemeindebauten wie der Rabenhof, Gründerzeithäuser und kulturelle Einrichtungen wie das Hundertwasserhaus machen das vielfältige Gesicht von Landstraße aus (von rechts unten gegen den Uhrzeigersinn). - © Luiza Puiu Wien. Die Fasangasse hat ihre besten Zeiten als Einkaufsstraße hinter sich. Billig-Geschäfte dominieren hier die Gegend zwischen Botanischem Garten... weiter






Werbung