Wien. Der Stadttempel in der Seitenstettengasse ist die einzige Synagoge in Wien, welche von den Nationalsozialisten nicht zerstört worden ist. Am Sonntag ist nun im eben renovierten Friedhofswärterhaus am jüdischen Währinger Friedhof eine Beststube eröffnet worden. Dort, wo die Nazis Gebäude nicht bis zum Boden vernichtet haben, scheine es, "dass sich einige Gebäude gewehrt haben", sagte Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, nachdem er die Mesusa angebracht und die Tora zum Toraschrein getragen hatte.

"Überall dort haben wir nachdenken müssen, was machen wir damit." In Baden zum Beispiel sei die Synagoge wieder aufgebaut worden. Das Friedhofswärterhaus wiederum soll in der Zukunft neben der Betstube auch einen Besucher-Infopoint beherbergen.
Bis dahin ist es, wie man im Zug einer Begehung des Friedhofs am Sonntag sehen konnte, noch ein weiter Weg: Der zweitälteste jüdische Friedhof Wiens befindet sich in einem miserablen Zustand. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny betonte denn auch, wenn es schon Friedhöfe gebe, die "diesen Wahnsinn der Nazis überdauert haben, dann ist es die Pflicht der gesamten Gesellschaft, diese Friedhöfe auch zu erhalten". Das sei in der Vergangenheit nicht selbstverständlich gewesen und sei "nach wie vor mühsam", doch die Stadt Wien werde hier ihren Beitrag leisten.