• vom 12.10.2012, 17:17 Uhr

Stadtleben

Update: 12.10.2012, 17:54 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Reparieren statt Wegwerfen ist die Devise im R.U.S.Z.

Zu jung und zu gut für den Müll


Von Barbara Sorge

  • In einem Penzinger Hinterhof wird der Berg an kaputten Geräten verkleinert.

Tonmöbel von hinten - eines der Nostalgiegeräte, das Horst Skribek repariert. - Barbara Sorge

Tonmöbel von hinten - eines der Nostalgiegeräte, das Horst Skribek repariert. Barbara Sorge

Wien. "600 bis 700 Motoren haben wir hier in unserem Lager", berichtet Sepp Eisenriegler stolz. Einige Motoren liegen noch am Boden im Untergeschoß des Reparatur- und Servicezentrums, bekannt als R.U.S.Z. "Die müssen erst noch überprüft werden", erklärt Eisenriegler, Initiator und Leiter des Zentrums. Es sind alte Motoren, die aus Waschmaschinen ausgebaut wurden und hier auf ein neues Leben als Ersatzteil in einer anderen Waschmaschine warten. Auf dem Weg durch das Lager hinauf in die Werkstatt kommt man an zahllosen Gitterkörben vorbei, die in langen Regalen auf drei Ebenen übereinander und ineinander gestapelt sind. Daneben liegen einige Hundert Besteckkörbe, wenn man so etwas nachkaufen muss, kann es teuer werden, hier bekommt man gut erhaltene Second Hand Ware zu einem günstigen Preis. "Da ist sicher für jedes Modell das Passende dabei", ist Eisenriegler überzeugt.

Information

Im R.U.S.Z. werden Geräte repariert und aufgewertete Secondhandware verkauft:
Mo. – Fr., 9 – 17 Uhr
14., Lützowgasse 12-14

Werbung

Grundidee Nachhaltigkeit

Das Lager ist das eines der Herzstücke des Reparaturzentrums, auf das die Mitarbeiter zurückgreifen, um Haushaltsgroßmaschinen, Unterhaltungselektronik oder Computer und Laptops zu reparieren. Seit 1998 werden hier Geräte wiederhergestellt, die Grundidee war dabei von Beginn an eine zweifache, erzählt Eisenriegler: "Zum einen soll die Produktnutzungsdauer von Haushaltsgeräten verlängert werden, um Ressourcen zu schonen und Abfälle zu vermeiden. Zum anderen wollen wir Menschen, die sich am Arbeitsmarkt schwertun, eine zweite Chance geben."

Spezialisten im Reparieren
Oben in der Werkstatt wird eifrig gehämmert, gebohrt und getestet. Herbert Breitfelder hat gerade innerhalb von 45 Minuten einen LCD-Fernseher in seine Einzelteile zerlegt, repariert und wieder zusammengesetzt. Jetzt läuft das Gerät schon seit rund einer Stunde zur Kontrolle, es funktioniert wieder und der Kunde, der den Fernseher am Vormittag gebracht hat, kann ihn am Nachmittag schon wieder abholen. Nicht umsonst wird Breitfelder in der Werkstatt der "schnellste TV-Reparateur der Welt" genannt. Elektrolyt-Kondensatoren im Netzteil waren geplatzt, ein Fehler, der bei 50 Prozent der kaputten LCD-Fernseher der Grund für eine notwendige Reparatur ist.

Wie die Fernseher hat auch Breitfelder bei Rusz eine zweite Chance bekommen. 2001 kam er in seinem gelernten Beruf nicht mehr unter, konnte aber hier seine Leidenschaft, das Reparieren von Fernsehern, das er sich mangels einer Lehrstelle selbst angelernt hatte, zu seinem Beruf machen. Reparieren kann Breitfelder alle Marken, "wenn ich die Ersatzteile bekomme", ergänzt er.

Ersatzteile, das ist auch das Thema einen Raum weiter bei den Nostalgiegeräten. Horst Skribek (56) repariert gerade ein Tonmöbel, das gerade zwei Jahre älter ist als er. Nostalgie empfindet Skribek auch manchmal, wenn er an den Geräten arbeitet, die er bei seinen Eltern oder Großeltern gesehen hat, oder die sogar er selbst früher einmal besessen hat. Die Tonqualität des Tonmöbels ist noch immer gut, nur der Plattenspieler muss repariert werden. Der Gummi einer Rolle, die den Spieler antreibt, ist im Laufe der Jahre steinhart geworden. Zum Nachkaufen gibt es das Stück nicht, Skribek hat es nachgebaut. Bald wird auch der Plattenspieler wieder funktionieren. Anders als bei seinem Kollegen Breitfelder brauchen seine Kunden mehr Geduld, da es nicht immer einfach ist, die passenden Ersatzteile zu finden oder eben zu bauen. Bei seiner Ausbildung war die Technik der Röhrengeräte noch dabei, in seinem ersten Berufsleben hatte er mit der Video 2000 Produktion zu tun, den Videorecordern, bei denen man die Kassetten beidseitig verwenden konnte. Jetzt repariert er seit 14 Jahren bei Rusz, ist nach Eisenriegler der dienstälteste noch aktive Mitarbeiter. Auch er kann alles reparieren, "so man es schafft, Ersatzteile aufzutreiben."

Bunt gemischte Kundschaft
Vorne, am Eingang des R.U.S.Z., befindet sich das Kundenzentrum. Die Kundschaft ist bunt gemischt, erzählt Eisenriegler. Seit es vermehrt Beiträge in den Medien gibt über geplante Obsoleszenz (wenn die Lebensdauer von elektronischen Geräten bewusst beschränkt wird, siehe auch Interview auf der linken Seite unten), kommen immer mehr Menschen her, die ihre Geräte reparieren lassen wollen. Das sind nicht nur sozial Schwache oder Studenten, die sich keine neuen Geräte leisten können, sondern immer öfter Menschen, denen nachhaltiger Konsum wichtig ist und die sich keine neuen Geräte kaufen wollen, nur weil das gerade einmal zwei Jahre alte kurz nach Ablauf der Gewährleistung kaputt geht.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-12 17:45:12
Letzte Änderung am 2012-10-12 17:54:31


Beliebte Inhalte



Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Aufräumen: Die Freiwilligen bargen am 5. Mai rund 100 Fässer (l.). Die Via Donau holte bis Freitag 320 "Auftriebskörper" aus dem Wasser, eine Ölsperre wurde errichtet (r.).
  • In der Alten Donau gammeln hunderte alte Fässer vor sich hin - manche von ihnen enthalten Giftstoffe.
  • weiter

Vor allem viel Fleisch wird am Hannovermarkt feilgeboten. - Vasari
  • 20.000 Menschen pro Woche besuchen den Markt. Die Tendenz steigt.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Radfahren ist gesund. Auch wenn es nur zehn Minuten pro Tag sind. - dpa
  • Sportwissenschafterin Tietze über Vorzüge und Risiken urbanen Radfahrens.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Neben Rot soll es auch Grün auf den Radwegen geben. - apa
  • Fußgängerbeauftragte plädiert für mehr Rücksichtnahme.
  • weiter

Absperrungen auf dem Heldenplatz soll es heuer erstmals nicht geben. - apa
  • Anstelle des Aufmarschs der Burschenschafter wird der Heldenplatz am 8. Mai zum Konzerttag.
  • weiter




Werbung




Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof

Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi" Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York.

Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen: 21. 5. 2013: Schwere Zeiten für Fans des glänzenden Metalls: Der Goldpreis erklimmt keine neuen Höhen mehr, das Interesse der Anleger ist merkbar gesunken.

Werbung