• vom 23.05.2013, 17:48 Uhr

Stadtleben

Update: 21.03.2015, 01:02 Uhr

Haus des Schachsports

Meisterliche Schachladies im Prater




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Ein bemerkenswertes Damenturnier geht derzeit in der Leopoldstadt über die Bühne
  • Internationales Damenschachturnier kommt nun in die heiße Phase.

Eva Moser aus Graz bei der Eröffnung.

Eva Moser aus Graz bei der Eröffnung.© Johann Werfring Eva Moser aus Graz bei der Eröffnung.© Johann Werfring

Wien. Im Haus des Schachsports am Rudolf-Spielmann-Platz, neben dem Ernst-Happel-Stadion, strebt ein am vergangenen Samstag eröffnetes internationales Damenschachturnier mit starker österreichischer Beteiligung seinem Höhepunkt entgegen. Als Favoritin galt von Beginn an die aus Tamsweg in Salzburg stammende und in Graz lebende Internationale Meisterin Eva Moser (IM in der allgemeinen Kategorie). Zwei Frauen-Großmeisterinnen (WGM), Anastasia Savina aus Russland und Tatiana Kostiuk aus der Ukraine, sowie sieben weitere internationale und österreichische Spielerinnen mit Meisterstärke rittern ebenfalls um den Sieg.

Zu Redaktionsschluss führte Eva Moser mit 4,5 Punkten vor Anne Haast (Niederlande), Anna-Christina Kopinits (Österreich) und Anastasia Savina (Russland) mit je 3,5 Punkten. Heute, Freitag, und morgen, Samstag, ab 15 Uhr sowie am Sonntag ab 10 Uhr werden die entscheidenden Partien ausgetragen. Diese können vor Ort oder online in Echtzeit unter http://live.chess.at/chessladies mitverfolgt werden.

Werbung

"Dieses Turnier ist das erste Wiener Damenschachturnier mit namhaften Meisterspielerinnen seit 1962", weiß der Wiener Schachhistoriker Michael Ehn zu berichten. Eva Moser, die derzeit in der Damen-Weltrangliste auf Platz 37 rangiert und 2006 als bislang einzige Dame in der allgemeinen Kategorie die österreichische Staatsmeisterschaft gewann, sei überhaupt die erste herausragende Meisterin seit 1945, so Ehn. Vor dem Zweiten Weltkrieg habe es drei Wiener Spielerinnen gegeben, die in der Damenkategorie sogar an die Weltspitze heranreichten. Paula Kalmar-Wolf (1881 bis 1931) belegte Platz 2 der Weltrangliste und dreimal Platz 2 bei Weltmeisterschaften. Gisela Harum (1903 bis 1995) belegte bei Weltmeisterschaften Platz 2 und 3 und Salome Reischer (1899 bis 1980) nahm an Weltmeisterschaften und bei einem Interzonenturnier teil.

Damenschach im Aufwind
Der Vizepräsident des österreichischen Schachbunds, Johann Pöcksteiner, der das Turnier im Haus des Schachsports organisierte, freut sich, dass der Schachsport in Österreich sowohl bei den Damen als auch ganz allgemein seit etlichen Jahren nach langer Zeit der Stagnation wieder einen Aufwärtstrend erlebt. Bei den Damen im Spitzenschach dominiert die Leitfigur Eva Moser schon seit einem Jahrzehnt. Die erst 14-jährige Tirolerin Anna-Lena Schnegg gilt aber als weitere österreichische Hoffnungsträgerin und der ebenfalls mitspielenden Internationalen Meisterin Anna-Christina Kopinits aus dem Burgenland wird von Experten in absehbarer Zeit die Erreichung des Titels einer Großmeisterin zugetraut.

Seit 2005 ist Schach in Österreich als Sport anerkannt, weshalb dieser Disziplin seither Mittel aus der Sportförderung zugute kommen. Auch die Ausrichtung des laufenden Damenschachturniers sei letztlich infolge der "Förderungen im Sinne von Gender Mainstreaming" durch das Sportministerium ermöglicht worden, so Pöcksteiner. Im Umfeld von weiteren Sportstätten wurde schließlich mit dem im Jahr 2009 eröffneten "Haus des Schachsports" auch das Zentrum des Schachs in Wien situiert (das Ernst-Happel-Stadion befindet sich gleich daneben und auch das Ferry-Dusika-Hallenstadion ist nicht weit entfernt). Um das Damen-Spitzenschach zu fördern, gibt es im Haus des Schachsports regelmäßig ein gezieltes Damenschachtraining mit Großmeister David Shengelia. Top-Spielerinnen aus anderen Bundesländern sind via Skype zugeschaltet.

Um den Damenanteil, welcher derzeit in den österreichischen Schachklubs nur vier Prozent beträgt, zu erhöhen, kooperiert der Wiener Schachverband neuerdings mit der Wienerin Karoline Spalt, die neben der sportlichen auch die gesellschaftliche, kulturelle und ästhetische Dimension von Schach in den Vordergrund rücken möchte. Durch die geplante Gründung einer Damenschachgruppe mit eigenem Spielort soll Mädchen und Frauen die Schwellenangst vor dem (klubmäßig bislang so gut wie immer in männlichem Umfeld situierten) königlichen Spiel genommen werden.

Eine kürzlich an der Universität Wien approbierte Diplomarbeit zum Thema Damenschach von Gertraude Winkelmayer widmet sich der Frage, warum Mädchen und Frauen im österreichischen Schachsport noch stark unterrepräsentiert sind. Zu erwerben gibt es diese Arbeit bei "Schach und Spiele" in Mariahilf, Gumpendorfer Straße 60.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-05-23 17:50:07
Letzte ńnderung am 2015-03-21 01:02:01




Zwischennutzung

Die kreative Vorhut der Investoren

Noch dieses Wochenende hat der Weihnachtsmarkt im Stall geöffnet. - © creau Wien. Zum Glück waren es keine Schweine. Angie Schmied und Lukas Böckle stehen in dem ehemaligen Stallgebäude und schnuppern... weiter




Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Fleischerei

Ausgeblutet

Nach vier Generationen Familienbetrieb ist es mit Trünkel im April 2017 vorbei. - © Arnold Burghardt Wien. Es ist ein schwarzer Tag für die Wiener Fleischerbranche, ein weiterer. Das Gerücht, dass Trünkel die neun der ursprünglich 25 Filialen im April... weiter





Wiener Prater

Die Erben der Zaubermeister

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum. - © Circusmuseum Wien. "Sebastian von Schwanenfeld, Basilio Calafati und Anton Kratky-Baschik: Das sind drei legendäre Zaubererkünstler... weiter




Prater

Erstes Kino als Kunstform

- © Kadotheum Wien Wien. "Karl Juhasz war das Gegenteil vom Hutschenschleuderer Liliom", meint Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums... weiter




250 Jahre Wiener Prater

Mit Courage und Löwenherz

- © Clownmuseum Wien. "1966 gab es im Prater mehrere Gründe zum Feiern", erzählt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, 50 Jahre später... weiter






Werbung


Werbung