• vom 31.05.2013, 19:39 Uhr

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Update: 02.06.2013, 14:14 Uhr

Jüdische Kulturwochen

Ein Fest für die ganze Mischpoche




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Von Alexia Weiss

  • Jüdische Kulturwoche widmet sich dieses Jahr Lebensrealitäten in Ungarn
  • Von 2. bis 16. Juni wird von Klezmer bis zu Hip-Hop das jüdische Leben gefeiert.

Nächste Woche steht der Judenplatz ganz im Zeichen der koscheren Lebenskultur.

Nächste Woche steht der Judenplatz ganz im Zeichen der koscheren Lebenskultur.© Weiss Nächste Woche steht der Judenplatz ganz im Zeichen der koscheren Lebenskultur.© Weiss

Wien. "Das ungarische jüdische Kulturleben ist sehr lebendig", erzählt Orsolya Korcsolàn. Einen wesentlichen Anteil daran habe das Zsido Nyari Fesztival (Jüdisches Sommerfestival in Budapest), dessen Botschafterin die Solo-Violinistin ist. Korcsolàn ist aber auch in Wien zu Hause. Hier lebt sie mit ihrer Familie, von hier aus pendelt sie regelmäßig zu Auftritten nach Ungarn. In Wien wird sie am 5. Juni im Rahmen der "Jüdischen Kulturwochen" im Musikverein gemeinsam mit dem Budapester Franz-Liszt-Kammerorchester, das heuer sein 50-Jahr-Jubiläum feiert, auftreten. Unter anderem auf dem Programm: "Kol Nidrei" von Max Bruch, "Der Chassid" von Julius Chajes.


Den Auftakt zu den Jüdischen Kulturwochen 2013 (2. bis 16. Juni) macht aber am Sonntag das traditionelle Straßenfest am Judenplatz, das es bereits seit 1992 gibt. Organisiert werden Fest und Kulturwochen von der Kulturkommission der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien. Deren neue Vorsitzende, die Kulturmanagerin Elisabetta Hartl, schlug bei der Programmierung neue Wege ein: Erstmals stehen alle Veranstaltungen unter einem gemeinsamen Thema. Heuer schaut man dabei nach Ungarn.

Mit dem Hakenkreuz auf Ungarns Straßen
An die 500 Mitglieder der Wiener jüdischen Gemeinde haben ungarische Wurzeln. Etwa 300 von ihnen wurden in Ungarn geboren, viele von ihnen kamen 1956, zur Zeit des Ungarischen Volksaufstands gegen das damalige kommunistische Regime, als Flüchtlinge nach Wien. Viele von ihnen sind besorgt über den Antisemitismus und die Fremdenfeindlichkeit in der einstigen Heimat. Auch die IKG-Führung schlägt Alarm. "Ich kann mich nicht erinnern, wann die Lage von Minderheiten in Ungarn so schlecht war, wie sie jetzt ist", betont IKG-Präsident Oskar Deutsch gegenüber der "Wiener Zeitung."

Die EU habe vor zwei Monaten begonnen, sich mit dem Problem zu befassen, "aber es gehören Beschlüsse gefasst. Man muss überlegen, wie man die Verantwortlichen eines Staates dazu zwingen kann, dass es zu keinen antisemitischen und rassistischen Bedrohungen und Übergriffen mehr kommt." Es gebe immer wieder Sonntagsreden ungarischer Politiker. "Aber es ändert sich nichts", kritisiert Deutsch. Seit kurzem könne man in Ungarn sogar ganz legal mit einem Hakenkreuz auf die Straße gehen.

Es sei der Wiener Gemeinde daher ein Anliegen, "dem reichhaltigen ungarischen jüdischen Kulturleben hier eine Plattform zu bieten", so der IKG-Präsident. Gleichzeitig wolle man auf die politische Situation im Nachbarland hinweisen. Sonia Feiger, Mitglied der Kulturkommission, kam selbst als Kind von Budapest nach Wien. "Wir wollen ein symbolisches Zeichen setzen, das die ungarischen Juden und Roma bestärken soll, sich den rechtsradikalen Tendenzen weiter zu widersetzen und sie zu bekämpfen."

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Dokument erstellt am 2013-05-31 16:41:04
Letzte Änderung am 2013-06-02 14:14:39




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