• vom 03.12.2013, 08:44 Uhr

Stadtleben

Update: 17.12.2013, 16:34 Uhr

Kinderhospiz

Das kurze Leben schöner machen




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Sabine Karrer

  • Familien werden über den Tod des Kindes hinaus betreut - mindestens ein Jahr lang, meist jedoch länger.
  • Seit 2007 werden im Kinderhospiz in Penzing schwerkranke Kinder begleitet.

Die Tage, die es noch gibt, intensiver zu leben, das versucht man unter anderem mit gemeinsamen Lama-Wanderungen im Rahmen der Geschwistergruppe. - © Kinderhospiz Netz

Die Tage, die es noch gibt, intensiver zu leben, das versucht man unter anderem mit gemeinsamen Lama-Wanderungen im Rahmen der Geschwistergruppe. © Kinderhospiz Netz

Wien. Wenn ein Kind lebensverkürzend krank zur Welt kommt, hat es ganz andere Bedürfnisse als ein älterer Mensch am Ende seines Lebens. Auch, weil neben dem Kind selbst Eltern und Geschwister betroffen sind.

Information

Österreichs erstes mobiles Kinderhospiz ist seit 2007 tätig. Mehr Informationen zum Verein Kinderhospiz Netz mit Sitz in der Breitenseer Straße 19 erhalten Interessierte unter www.kinderhospiz.at oder unter der Telefonnummer 01/786 34 12


Wie es ist, ein schwerkrankes, vielleicht mehrfach behindertes Kind mit verkürzter Lebenszeit zu betreuen, weiß Sabine Reisinger gut. "Spätestens nach einigen Jahren sind die Eltern ausgebrannt, können nicht mehr", sagt sie. "Viele schlafen kaum, weil sie etwa in der Nacht alle zwei Stunden aufstehen und die Sauerstoffzufuhr überprüfen." Die meisten Beziehungen von Eltern der kleinen Patienten gehen laut Reisinger spätestens ein paar Jahre nach dem Tod des Kindes in die Brüche. Und auch die Geschwister leiden oft übermäßig unter der Situation, ein "normales" Familienleben kennen sie praktisch nicht.

Um betroffene Familien zu unterstützen, hat Reisinger gemeinsam mit der Palliativmedizinerin Brigitte Humer-Tischler 2005 in Wien den Verein Kinderhospiz Netz gegründet, dem sie seit einem Jahr als Obfrau vorsteht. "Anfangs ging es uns darum, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, denn bis dahin war es kaum im Bewusstsein der Menschen verankert, dass auch Kinder sterben und palliative, ganzheitliche Betreuung benötigen", sagt Reisinger.

Während in manchen anderen Ländern Kinder in den Armen ihrer Eltern sterben dürfen, passiert das hierzulande häufig in steriler Umgebung. Als Beispiel für die Notwendigkeit einer eigenen Palliativbetreuung für Kinder nennt Reisinger die vielen Stoffwechselerkrankungen, die oft von Geburt an bestehen. Betroffene sind von Anfang an palliativ, lediglich eine medizinische Behandlung der Folgen ist möglich. Gerade für solche Kinder kann ein mobiles Hospizteam sorgen, auch um den Kleinen einen dauerhaften Aufenthalt im Krankenhaus zu ersparen. "Für die Ärzte dort ist es ja oft auch schwierig, denn sie sind auf Heilung ausgerichtet, aber die gibt es nicht", zeigt Reisinger Verständnis.

Viel wesentlicher ist es daher, Kindern, die das Erwachsenenalter kaum erreichen werden, das Leben trotzdem so schön wie möglich zu machen. Denn darum geht es letztlich, sagt Reisinger: "Um die Begleitung nicht im Sterben, sondern im Leben. Darum, die Tage, die es noch gibt, intensiver zu leben." Das will sie auch mit der Mohnblume zeigen, dem Symbol des Vereins. "Meine Lieblingsblume", lacht Reisinger. "Sie ist zart, durchsichtig und kräftig zugleich, genauso wie die Kinder. Und die Kapsel steht für Opiate, also das Morphium, das die Kinder oft bekommen."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-12-02 16:47:03
Letzte Änderung am 2013-12-17 16:34:04




Zwischennutzung

Die kreative Vorhut der Investoren

Noch dieses Wochenende hat der Weihnachtsmarkt im Stall geöffnet. - © creau Wien. Zum Glück waren es keine Schweine. Angie Schmied und Lukas Böckle stehen in dem ehemaligen Stallgebäude und schnuppern... weiter




Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Fleischerei

Ausgeblutet

Nach vier Generationen Familienbetrieb ist es mit Trünkel im April 2017 vorbei. - © Arnold Burghardt Wien. Es ist ein schwarzer Tag für die Wiener Fleischerbranche, ein weiterer. Das Gerücht, dass Trünkel die neun der ursprünglich 25 Filialen im April... weiter





Wiener Prater

Die Erben der Zaubermeister

Franz Steidlers Bauchrednerpuppe steht jetzt im Circus- und Clownmuseum. - © Circusmuseum Wien. "Sebastian von Schwanenfeld, Basilio Calafati und Anton Kratky-Baschik: Das sind drei legendäre Zaubererkünstler... weiter




Prater

Erstes Kino als Kunstform

- © Kadotheum Wien Wien. "Karl Juhasz war das Gegenteil vom Hutschenschleuderer Liliom", meint Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums... weiter




250 Jahre Wiener Prater

Mit Courage und Löwenherz

- © Clownmuseum Wien. "1966 gab es im Prater mehrere Gründe zum Feiern", erzählt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, 50 Jahre später... weiter






Werbung


Werbung