• vom 04.12.2013, 17:03 Uhr

Stadtleben

Update: 05.12.2013, 10:27 Uhr

Kreuz im Klassenzimmer

"Die Realität wird ausgeblendet"




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Bernd Vasari

  • Religiöse Pluralität muss in Klassenzimmern abgebildet werden, fordert Rechtswissenschafter Richard Potz.
  • Religionsunterrichtsgesetz orientiert sich an Gesellschaft des Jahres 1962.

Weiterhin umstritten ist das Kreuz in der Klasse.

Weiterhin umstritten ist das Kreuz in der Klasse.© dpa/Hildenbrand Weiterhin umstritten ist das Kreuz in der Klasse.© dpa/Hildenbrand

Wien. Wieder einmal flammt die Diskussion darüber auf, ob Kreuze in Klassenzimmern hängen sollen oder nicht. Anlass der diesmaligen gesellschaftlichen Erregung ist der Fall in einer Wiener Volksschule, wo das Kreuz nach Protesten konfessionsloser Eltern im Mai abgehängt und vor kurzem zum Ärgernis dieser Eltern wieder aufgehängt wurde. Warum über das Thema immer wieder gestritten wird, liegt nicht nur in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Anschauungen, sondern auch in der schwammigen Gesetzgebung. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" sprach der Rechtswissenschafter Richard Potz über die Tücken des Gesetzes und über mögliche Lösungsansätze.

Information

Der Wissenschafter Richard Potz leitet
das Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht der Universität Wien. Seit 1978 ist Potz Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kirchenrecht undverantwortlicher Redakteur und Mitherausgeber des "Österreichischen Archivs für Recht und Religion".

Werbung

"Wiener Zeitung": Welches Gesetz regelt, ob ein Kreuz in der Klasse hängen soll, und wie kam es dazu?

Richard Potz: Wenn an der Schule die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler ein christliches Bekenntnis haben, dann ist in allen Klassenzimmern ein Kreuz anzubringen. Diese Regelung steht im Religionsunterrichtsgesetz aus dem Jahr 1962. Man hat nach 1945 eine ganze Reihe von schulrechtlichen Dingen im Erlassweg geregelt. 1962 kam dann die große Schulgesetzgebung, in die das Schulorganisations- und Unterrichtsgesetz, das Privatschulgesetz, aber auch das Religionsunterrichtsgesetz hineinkamen.

Sind hier alle christlichen Kirchen gemeint, etwa auch die Orthodoxen Kirchen und die Freikirchen?

Ja, das Gesetz spricht dezitiert von allen Christen. Nicht nur die Katholiken, sondern auch die Orthodoxen, die Protestanten und jetzt neuerdings auch die Freikirchen.

Was passiert, wenn weniger als 50 Prozent der Schüler in einer Schule Christen sind?

Es gibt keine positive Regel, wann das Kreuz abzuhängen ist. Man hat 1962 nicht daran gedacht, dass es einmal auch andere Religionen in Österreich geben würde. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, das Kreuz bei unter 50 Prozent abzuhängen. Wenn es aber jemand begehrt und sagt: "Wir sind jetzt weniger als fünfzig Prozent", dann wird man es unter Umständen abhängen müssen.

Was heißt das genau? Muss man es dann automatisch abhängen?

Es gibt keine gesetzliche Grundlage, dass es dann abgehängt werden muss. Im Gesetz steht nur, dass es angebracht werden muss, wenn es mehr als 50 Prozent Christen sind.

weiterlesen auf Seite 2 von 3




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2013-12-04 17:17:07
Letzte nderung am 2013-12-05 10:27:01





Urban Gardening

Buntes Popcorn aus Karls Garten

Buntes Popcorn aus Karls Garten Wien. Meist sind es Touristen, die durch den Rosa-Mayreder-Park, rund um die Kunsthalle am Karlsplatz, spazieren. Seit kurzem entdecken aber auch die...

Zentralfriedhof

Friedhofsgeschichten und Meerschweinsachen

Friedhofsgeschichten und Meerschweinsachen Wien. Eigentlich sollte dieser Artikel ja von etwas ganz anderem handeln, doch beim Wiener Zentralfriedhof kommt man schnell vom Hundertsten ins...

Urban Gardening

Wiener Beete auf einen Blick: interaktive Karte

Wiener Beete auf einen Blick: interaktive Karte Seit dem ersten Gemeinschaftsbeet im Jahr 2009 hat sich in Wien Einiges im Guerilla Gardening getan. Inzwischen gibt es 69 Nachbarschaftsgärten in...