• vom 06.03.2014, 22:20 Uhr

Stadtleben

Update: 07.03.2014, 07:58 Uhr

Graffiti

Das Ende der "Puberschaft"




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Von Bernd Vasari

  • Der Graffiti-Sprayer wollte über das Dach eines Wohnhauses flüchten - die Polizei wartete dort schon auf ihn
  • Lang gesuchter Graffiti-Sprayer "Puber" wurde am Donnerstag festgenommen.

"Ich will überall meinen Namen sehen, auf jeder Wand" , hat Puber einmal in einem Interview mit dem "Schweizer Tagesanzeiger" gesagt. - © Luiza Puiu

"Ich will überall meinen Namen sehen, auf jeder Wand" , hat Puber einmal in einem Interview mit dem "Schweizer Tagesanzeiger" gesagt. © Luiza Puiu

Wien. Am Donnerstag wurde der Graffiti-Sprayer Puber, der in Wien unter anderem unzählige Hauswände und Öffis mit seinem Namen besprüht haben soll, in seiner Wohnung im 15. Bezirk festgenommen. Ein anonymer Hinweis führte die Polizei am Vormittag zu der Wohngemeinschaft, in der der Gesuchte lebte. Beim Eintreffen der Beamten versteckte sich der Sprayer auf einem Vordach des Hauses, wo er aber gleich entdeckt wurde.

In der Wiener Graffiti-Szene sind die Meinungen über die Festnahme Pubers geteilt. Auf der einen Seite sei man zwar erleichtert, heißt es bei einem Rundruf der "Wiener Zeitung", denn Puber sei sehr gewalttätig gewesen. Nicht selten ließ er seine Fäuste sprechen, auch ein Messer soll er immer dabei gehabt haben. "Gewalt ist in der Graffiti-Szene nichts Neues", sagt ein Sprayer, der anonym bleiben möchte, "aber Puber hat das Level deutlich angehoben." Unbeliebt machte er sich aber auch durch das Übersprayen von anderen Werken und durch die von ihm verursachte erhöhte Aufmerksamkeit der Polizei auf die Szene. Es soll sogar ein eigener Beamter für die Ermittlungen gegen Puber abgestellt worden sein.


"Ein Held, der rebelliert"
Für viele Sprayer ist Puber aber auch ein Held, der rebelliert, seine Freiheit lebt, "der auf alle scheißt und macht, was er will." Die meisten seiner Graffitis sind in den schicken Bezirken Neubau und Josefstadt zu finden. "Es war schon cool, wie er die Latte-Macciato-Welt, die Welt der Bobos, zerstört hat", sagt ein Sprayer. Und weiter: "Das hatte schon ein bisschen etwas von Bonny und Clyde. Man weiß, es ist böse, aber irgendwie mag man es trotzdem." Für den Bezirkschef von Neubau, Thomas Blimlinger war es weniger cool. Nachdem Puber eine Kindergartenwand übersprayt hatte, brachte Blimlinger eine Tafel an: "Lieber Puber, Zeichnungen von Kindern zu überschmieren, ist das Letzte." Kurz darauf sprayte Puber sein "Tag" auf diese Tafel. "Er ist sehr schnell. Und sehr geschickt", räumte Blimlinger danach ein. Auch das Magazin "The Gap" machte mit dem Sprayer Bekanntschaft. Nach einem kritischen Artikel über Puber, sprayte selbiger seinen Namen kurzerhand über die gesamte Glasfassade des Büros.

Dass sich viele Menschen über den Puber-Schriftzug aufregen, ist in der Sprayer-Szene nicht immer nachvollziehbar. "Man bekommt ständig Logos wie das M-Logo von Mc Donalds oder das Coca-Cola-Logo vor die Nase gesetzt. Warum stört man sich dann aber ausgerechnet an dem Puber-Logo?"

Für einen anderen Sprayer ist die Aufregung lächerlich, vor allem im Vergleich zu anderen Städten. "In Berlin gibt es 50 Pubers. Da wäre er nie aufgefallen."

Puber selbst werden diese Diskussionen wahrscheinlich egal sein. Dass er mit Gesellschaftskritik eher wenig zu tun hat, beweist auch ein vier Jahre altes Interview mit ihm im Schweizer Tagesanzeiger: "Ich will überall meinen Namen sehen, auf jeder Wand", erklärte er damals. Allerdings sorgte er vor vier Jahren noch nicht in Wien für Aufregung, sondern in seiner Heimatstadt Zürich. Auch in anderen Städten war er aktiv, wenn auch weniger erfolgreich. In Barcelona saß er im Gefängnis und in Kopenhagen wurde er mit faulem Gemüse und Steinen verjagt, nachdem er Graffitis zerstört hatte.

Ein Jahr aktiv in Wien
In Wien war er etwa ein Jahr lang aktiv, bis er am Donnerstag verhaftet wurde. "Um 10:30 Uhr stand die Polizei vor der Türe und fragte nach drei verschiedenen, ähnlich klingenden Namen, die wir alle noch nie gehört hatten", erzählten Pubers Mitbewohner dem Vice-Magazin. Nachdem die Beamten reingelassen wurden, fanden sie auch bald Pubers Zimmer und seinen Reisepass. Puber sei zuerst gar nicht zuhause gewesen. Die Polizei zog sich daraufhin wieder zurück und kam wieder, als der Sprayer nach Hause kam. Nachdem ihn seine Mitbewohner informiert hatten, gab Puber seinen Mitbewohnern noch ein paar Anweisungen. Neben der Herstellung des Kontakts zu seinem Vater und seiner Schwester sei es ihm noch wichtig gewesen, ein Foto von ihm in Handschellen zu machen. Danach wollte er über das Dach flüchten, wo er dann festgenommen wurde.

Laut Polizei werden Puber nun Sachbeschädigungen in Höhe von mindestens 50.000 Euro angelastet. Der 30-Jährige war bis zum Redaktionsschluss noch nicht zu den Vorwürfen befragt worden. Am Freitag könnte die Staatsanwaltschaft über eine mögliche Untersuchungshaft entscheiden.




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Dokument erstellt am 2014-03-06 22:23:04
Letzte ─nderung am 2014-03-07 07:58:52




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