• vom 10.03.2014, 16:26 Uhr

Stadtleben

Update: 10.03.2014, 16:53 Uhr

Abenteuer

Eine Stunde Kalter Krieg




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Von Elisabeth Gamperl

  • Am Hernalser Gürtel werden Freiwillige in einen Keller gesperrt, um Bomben zu entschärfen
  • Den Abenteuerspielplatz "Exit the room" gibt es nun auch in Wien.

Noch zehn Minuten hat das Team der Autorin, um Rätsel zu lösen, Bomben zu entschärfen und Schlösser zu knacken.

Noch zehn Minuten hat das Team der Autorin, um Rätsel zu lösen, Bomben zu entschärfen und Schlösser zu knacken.© Luiza Puiu Noch zehn Minuten hat das Team der Autorin, um Rätsel zu lösen, Bomben zu entschärfen und Schlösser zu knacken.© Luiza Puiu

Wien. "Bitte entschärfen wir die Bombe schnell. Ich muss nämlich dringend aufs Klo", sagt Luiza, als sie als Letzte im Bunker eintrifft. Die 24-Jährige streift ihre rosa-blau-gestreifte Jacke und ihren Rucksack ab und stellt sich zusammen mit den anderen vor den schwarzen Bildschirm mit weißen Ziffern. Zack. Die Tür ist zu. Und der Countdown startet.

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59:56. Nur 60 Minuten haben Raoul, Thomas, Miriam und Luiza Zeit, den Code der Bombe zu knacken. Sonst explodiert sie. In der Zwischenzeit gibt es also erst einmal keine Toilette. Und von der Bombe noch keine Spur.

Ein fensterloser, enger Raum. Ein Horror für Klaustrophobiker. Er ist spartanisch eingerichtet. Die Wände sind weiß, die braunen Holzmöbel aus den 1970er Jahren. Auf Regalen liegen Gasmasken, Spiegel, Lupen, Landkarten. Kästen sind mit Vorhangschlössern versperrt. An der Wand hängen schwarz-weiße Fotos von sowjetischen Soldaten mit ernsten Gesichtern und Familienbilder aus einer vergangenen Zeit.

54:33. Jede Minute zählt. Wie wild wird alles aufgerissen, umhergeschoben, in Koffern und Kleidung herumgestöbert. Es ist zwar nur ein Spiel, aber die Anspannung ist groß.

Ist die kaputte Uhr ein Hinweis oder eine Finte? Und was ist mit der Schreibmaschine am Tisch? Miriam notiert sich die Uhrzeit. Luiza schreit plötzlich auf: "Ich glaube, ich weiß die Kombination für das Schloss!"

50:45. Was sich ein wenig wie in einem Agentenfilm anhört, heißt "Exit the room" und befindet sich in einem Kellergewölbe am Hernalser Gürtel im achten Wiener Gemeindebezirk. Seit rund einem halben Jahr hat sich hier ein Spielplatz für Möchtegern-Helden eingenistet.

Was es als Computerspiel schon längst gibt, haben die aus Ungarn stammenden Attila Fekecs und Gábor Rétfalvi in Budapest sowie in München und Wien in die Realität umgesetzt. Ihr Kalender ist voll mit Anmeldungen. In der Regel sind die Termine mehrere Wochen im Voraus ausgebucht.

In Zweier- bis Fünfer-Teams können sich hier Spieler einsperren lassen, Rätsel lösen, Bomben entschärfen und Schlösser knacken. Drei Welten stehen zur Auswahl. Entweder löst man als Detektiv Logikrätsel oder ist im Keller einer psychiatrischen Anstalt eingesperrt und muss zwischen Foltergeräten den Zahlencode knacken, um unbemerkt fliehen zu können. In diesem Fall befinden sich die Vier irgendwo mitten in Russland mitten im Kalten Krieg. Sie sind Spione und suchen die Atombombe, um die Welt vor der drohenden Explosion zu retten. Und die Zeit, die sie dafür zur Verfügung haben, wird immer weniger.

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Schlagwörter

Abenteuer, Keller, Bombe

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-03-10 16:29:05
Letzte Änderung am 2014-03-10 16:53:04




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